"Das digitale Tagebuch" (16.06. - 13.06.), No. 5
Zwölfter Juli, foxy.jpg..
Donnerstag am frühen Abend. Uhrzeit: 18:49 Uhr.
Seit siebzehn Uhr dreißig bin ich daheim. Das heißt, ich bin zu Angelika in die Wohnung zurückgekehrt.
Stimmt, Freude ist bei mir keine aufgekommen, mir aufzusperren und zu Angelika in die Wohnräume hineinzumachen.
Hatte eigentlich erwartet, Angelika bei sich zu Hause vorzufinden. Genügend Zeit hatte Angelika in der Zwischenzeit, von der Uni kommend, nach Hause zurückzumachen. Nur, keine Angelika weit und breit; auch nicht in ihrem Arbeitszimmer.
Bis jetzt hat keine Angelika sich heimwärts geschafft.
Keine Ahnung, wo Angelika sich im Augenblick rumtreibt. Was bei Angelika Schönes abgeht.
Auf keine geschriebene Kurznachricht von mir reagiert Angelika. Rufe ich Angelika an, nimmt Angelika meinen Anruf, obwohl sie meine Nummer auf der Anzeige sehen muß, nicht an. Statt dessen lande ich, drücke ich die Anruftaste meines Smarties, bei Angelika am Gerät auf der Mailbox. Dann spreche ich ein paar Worte, bitte Angelika mich zurückzurufen; plappere, ich wäre froh, Angelika würde mich informieren, ob bei ihr alles in Ordnung ist. Damit ich mir keine Sorgen machen muß. Mehr möchte ich eigentlich nicht wissen. Nur kurz von Angelika Besched gesagt bekommen, wo sie sich im Moment aufhält und ob es ihr dort gutgeht.
Heute in der Früh gegen sieben Uhr war die Stimmung zwischen Angelika und mir schon beim Aufstehen im Keller. Angelika und ich, wir sind aus dem Bett gestiegen. Nur ansehen mußten wir uns, um Bescheid zu wissen.
Dunkle Ringe hatte Angelika unter den Augen. Und ich sah nicht viel besser aus, wie ich später im Badezimmerspiegel zu sehen kriegte.
Eine bescheidene Nacht, die Angelika und ich hinter uns gebracht hatten.
Keiner von uns, weder Angelika noch ich, hatte die Nachtstunden durch viel gepennt. Miteinander schlafen wollten Angelika und ich im Laufe der Nacht deswegen lange nicht; nicht ein einziges Mal, daß wir es miteinander getrieben haben. Rücken an Rücken sind wir jeder für sich in unseren Betthälften gelegen, haben so getan, als merkten wir nicht, daß der andere noch wach war.
Zweimal ist Angelika nachts aufgestanden.
Nachdem Angelika nicht ins Schlafzimmer zurückgekehrt ist, habe ich ebenfalls aus dem Bett rausgemacht, bin in meine Pantoffel gestiegen. Beide Male.
Vom Flurgang aus beugte ich mich vor, guckte in die Küche. Am Küchentisch hockte Angelika, Angelika, den Spazierstock Fransens in den Fingern.
Den Spazierstock Fransens besah sich Angelika.
Das Ding, mit dem ich gegen viertel nach eins eine halbe Stunde auf den Straßen der Umgebung unterwegs war. Wegschaffen wollte ich den Metallspazierstock.
Am Supermarktgelände habe ich das Teil unter die Reihe der Schiebewägelchen gerollt. Dachte ich zumindest. Schließlich fühlte ich mich, nachdem ich das getan hatte, erleichtert, bin heimgelatscht. Um an der Haustüre, als ich den Schlüsselbund in der Jackentasche suchte, zu entdecken, daß ich den metallenen Stock mit der anderen Hand umklammerte. Wie zum Zuschlagen gegen die Haustürfläche oder irgendwen bereit.
Will sagen: Heimgebracht hatte ich das gute Stück wieder. Ohne daß ich mir meines Tuns bewußt gewesen wäre.
Zurück in Angelikas Wohnung oben habe ich den Metallgehstock zwischen die Regenschirme hineingesteckt. Als wäre das der angestammte Platz für das Scheißding.
Alles war, als wäre ich überhaupt nicht fort und auf der Reise gewesen, das Fransen-Spielzeug wegzuschaffen. Dafür zu sorgen, daß es nicht weiter da war.
Nur, leider dieser Gegenstand, der mir wie der Türöffner für die mögliche Ankunft Fransens und Manuelas vorkam, blieb bei uns, bei Angelika und mir. Die Verbindung war nicht von mir zu unterbrechen.
Auf die unheimliche Knaufbronze, den dreifach behörnten Drachenkopf, daß Angelika starr glotzte. In einer Tour. Wie in einer Trance gefangen. Als würde auf Angelika Einfluß genommen.
Von der Betrachtung Angelikas habe ich mich nach zwei, drei Minuten losgerissen, bin zur Wohnungstüre.
Wenigstens, stellte ich an der Türe fest, hatte Angelika niemandem aufgesperrt, die Vorhängeketten nicht weggenommen. Wie ich ein wenig befürchtet hatte.
Als ich bei Angelika in der Küche Angelika leicht am Nachthemd zupfte, ist Angelika richtig zusammengezuckt. Vom Küchenstuhl hochgesprungen, hat mich wild angestiert. Den metallenen Gehstock, Fransens Eigentum, hat Angelika gehoben, als wolle sie jede Sekunde mit ihm nach mir schlagen.
Meinte ich zu Angelika, das sollte sie besser bleiben lassen, nach mir hauen zu wollen. Das müßte ihr, Angelika, nicht gut bekommen.
Tatsächlich ließ Angelika das Metallteil sinken, wie kraftlos im Arm geworden. Zu taumeln fing Angelika an, mußte sich auf den Stuhl zurück niederhocken.
Den Spazierstock Fransens habe ich Angelika aus den Fingern genommen, mich mit ihm auf den Flurgang hinausbegeben. Die metallene Gehhilfe wurde von mir bei den Regenschirmen dazwischengesteckt. Alles war wie zuvor.
Leer, der Blick Angelikas, mit dem Angelika mir bei meinem Zurückkommen entgegenblickte.
Als ich Angelika eineinhalb Stunden drauf das zweitemal ins Schlafzimmer zurückführte, war Angelikas Blick noch leerer.
Regelrecht besiegt wirkte Angelika. Als ob ein Kampf stattgefunden hätte, und der wäre zu Angelikas Ungunsten ausgegangen. Angelika wäre besiegt worden. Zu den Verliererinnen rechnete sie, Angelika. Bloß tot, das war sie, Angelika, noch nicht war.
Es war nicht zu fassen. Ganz nahe dran an einem totalen Zusammenbruch schien Angelika. Wie eine um Jahrzehnte gealterte Frau legte Angelika sich auf ihrer Seite auf das Doppelbett. Zugedeckt habe ich Angelika, die zitterte wie ein Espenlaub.
Hab ich Angelika gefragt, was ihr fehlen würde. Ob ich einen Arzt für sie rufen sollte.
Ruckartig begab Angelika sich in die Sitzposition, fauchte mir her, sie, sie bräuchte keinen Arzt. Ich, Bernd, ich wäre der, der einen Arzt bräuchte. Es sei nichts mit ihr, Angelika, um sie müßte sich kein Mensch Sorgen machen. Rufe ich einen Arzt, würde sie im Meinhardt-Sanatorium anrufen. Daß die vom Meinhardt-Sanatorium-Pflegepersonal vorbeikämen, mich abzuholen. Wieder mal. Wäre vielleicht überhaupt nicht das schlechteste, wäre sie, Angelika, mich bis auf weiteres los, könnte mich im Meinhardt-Sanatorium sitzen lassen, solange sie das wolle. Am besten, bis ich zu schimmeln anfinge.
Habe ich die Schulter gegen Angelika gezuckt, bedeutungsschwanger zu Angelika gelabert, daß SIE sich Zeit ließen, unsere besonderen Freunde. Bis jetzt wenigstens wollte noch niemand den Spazierstock, den Manu ihr, Angelika, gegeben hätte abholen, den ich zwischen die Schirme geschoben hatte. Weder Manu noch sonstwer wollte herbeikommen. Wo sie nur abblieben, sie, Manu. Schon die Frage. Oder jemand anders als Manu, der genau die gleichen Absichten haben konnte.
Bockig guckte Angelika mich dumpf an. Auf das Bett legte Angelika sich zurück, um mir den Rücken zuzudrehen.
Zu meiner Betthälfte bin ich rübergegangen, redete zu Angelika nach der Seite, daß morgen auch noch ein Tag wäre. Morgen, morgen könnten SIE sicher auch kommen, wenn das heute nichts mehr wurde. Oder übermorgen. Zeit würde sicher keine Rolle bei IHNEN spielen.
Dann war endlich die bereits oben erwähnte Aufstehenszeit. Angelika, sie schleppte sich ins Badezimmer. Totenbleich im Gesicht und mit den dunkelsten Augenringen.
Am rechten Arm lief Angelika unter der Achsel Blut. Als hätte Angelika sich dort frisch aufgekratzt.
Den Blutgeruch hatte ich in der Nase, nie so was früher wahrgenommen. Ohne groß über irgendwas nachzudenken, wollte ich Angelika hinterher ins Bad hinein. Hat Angelika, die mitkriegte, daß ich zu ihr mit ins Bad reinmachen wollte, sich spontan mit dem Oberkörper gegen die Badezimmertüre geworfen, daß mir die Türe knapp vor der Nase zuflog. Drinnen hat Angelika schnell den Schlüssel rumgedreht, zweimal. Mehr als die Türklinke mehrfach runterzudrücken und zu rucken konnte ich nicht.
Seltsam, mir war, draußen vom Badezimmer, ich könnte das bald nicht mehr aushalten, Angelikas Blut zu riechen. Die Lust war in mir, mir die blutende Stelle bei Angelika genauer anzusehen. Ob Angelika das wollte oder nicht.
Die Badezimmertüre war jedoch zu, blieb zu, daß ich nichts, was mit Angelika zusammenhing, in die Tat umsetzen konnte. Um zu Angelika reinzukommen, hätte ich die Türe einschlagen müssen.
Das ließ ich denn bleiben.
Als Angelika aus dem Bad herauskam, hatte ich mich so weit abgeregt, daß ich nicht mal ansatzweise nach Angelika hingrabschte. An Angelika vorüber bin ich ins Badezimmer geschritten.
Im Badezimmerspiegel beschaute ich mir zuerst jene juckenden Stellen links und rechts seitlich vom Kehlkopf, die Art alten Bißspuren, die irgendwie toll gerötet aussahen. Als hätte ich dort eine Infektion. War jenes Virus bei mir zurück, das schon öfters bei mir ausgebrochen war?
Nach relativ kurzer Zeit hatte das mit der Virusattacke bisher jedesmal wieder aufgehört. War das gestoppt, daß der Virus sich wie toll in mir zu vermehrte. Nur noch in bescheidenen Mengen schwamm es bei mir in den Blutbahnen mit. Oder versteckte sich bei mir in der Milz, der Niere.
Für mich war das durchaus eine Möglichkeit, daß ich einen unvermuteten Virusschub hatte.
Ganz vorsichtig habe ich den Elektrorasierer angesetzt, wenn ich beim Rasieren mit dem Gerät über die Halsstellen drübermachte. Die tiefen Rötungen waren mir unbegreiflich. Fast war es, als wäre ich dort kürzlich irgendwie gebissen worden.
Blutleer habe ich im Gesicht ausgesehen, ähnlich der Bleiche, die ich bei Angelika gesehen hatte.
Dachte, ich sollte ins Krankenhaus, mich für eine stärkende Infusion anhängen lassen; eventuell käme mir die Farbe wieder.
Am Fußboden unten sah ich Kreisförmiges, Fingernageldurchmesser. Zwei Blutstropfen Angelikas. Die Angelika nicht weggewischt hatte.
Hinab bückte ich mich, wischte mit dem Finger darüber, steckte den mir in den Mund ...
Ein voll ekelhaftes Treiben von mir, dem ich allerdings Genuß abgewann. Bis von irgendwelchem Blut am Boden nichts mehr zu sehen war.
Nachdem ich aus dem Badezimmer kam, hatte ich die Absicht, mir Angelika vorzunehmen. Diesesmal würde es für Angelika nicht leicht ein Entkommen geben, das konnte sie mir glauben. Bloß, Angelika war nirgendwo in der Wohnung vorzufinden. Nicht im Schlaf-, Wohn-, ihrem Arbeitszimmer. Auch nicht in der Küche. In der Besenkammer hatte sich auch niemand versteckt.
Beeilt hatte Angelika sich, sich fertig anzuziehen. In ihrem Arbeits- und Studierzimmer hatte Angelika ihren Stahlkoffer gegriffen. Leise hatte Angelika zur Wohnungstüre hinausgemacht, hinter sich zugesperrt.
Nicht das geringste, daß ich vom Abgang Angelikas mitgekriegt hatte.
Wahrscheinlich, daß Angelika, die erst um zehn Uhr vormittags an der Uni angekommen sein mußte, ins Café Lenz war, sich dort Frühstück zu kaufen. Ich jedenfalls, ich hatte da kein Interesse daran, Angelika ins Café Lenz hinterherzulaufen. Wußte nicht, was ich im Café Lenz tun hätte sollen. Angelikas Freundinnen bei Angelika treffen? Das mußte ich nicht haben; darauf konnte ich verzichten.
Weil ich alleine war, konnte ich tun und lassen, was ich wollte. Mußte nichts davon mit Angelika abklären.
Also bin ich in mein Zimmer gelatscht. Nicht lange, daß ich dem Verlangen widerstehen konnte, das dicke, große Ökologie-Lexikon aufzuklappen, um das EINE Foto hervorzublättern und zu betrachten.
Was ich auf der Fotografie blickte, hat mich nicht unbedingt zum Wahnsinnigwerden auseinandergesetzt. Das Bild einer verlassenen Blümchenwiese, das störte mich nun wirklich am allerwenigsten.
Keine Manuela und Christine Dombrowski am Bild oben. Ebensowenig ein Fransen, den ich zu meinem Leidwesen gestern abend auf dem Fotowerk abgebildet gesehen hatte. Fransens Worte hallten mir selbst heute vormittag noch in meinem Kopf.
Sowohl Manuela und Christine Dombrowski als auch Fransen hatten die Wiesenszene verlassen. Waren außer Sicht gewandert, von der Fotoszene verschwunden.
Das Foto blieb trotzdem weiter existent, Das hieß, die Frage, die ich mir stellte: Der am Fotoapparat, was war mit dem ...? Jemand hielt dauernd die Szene auf dem Foto fest ...
Es war einfach nicht zu begreifen. Meinem geistigen Horizont überstieg es.
Ich fühlte in mir ein fundamentales Grauen. Obwohl der Fotograf vielleicht ganz uninteressant war.
Der Schweiß ist mir heruntergelaufen. Von der Stirn, der Nasenspitze getropft. Im meinem Arbeits- und Studierzimmerzimmer bin ich auf und ab getigert. Ab und zu zurück an den Schreibtisch, das Foto anzuglotzen, das eine hergetrampelte Blumenwiese zeigte, sonst nichts.
Draußen auf den Flur bin ich unvermittelt gelaufen. Halb zehn Uhr war es.
Etwas war mir in den Sinn gekommen. Der Wiesenblumenstrauß.
Den Strauß blickte ich nicht. Nur die dünne Vasenform. Der Strauß Wiesenblume Manus war aus der Vase verschwunden.
In der Küche entdeckte ich den gebundenen Blumenstrauß dann, als ich den Deckel des Abfalleimers hochklappte.
Drinnen im Eimer waren der Wiesenblumenstrauß gelandet. Sahen ein bißchen schnell welk aus, die Blümchen, nach meinem Geschmack.
Vor ihrem Abgang aus ihrer Wohnlichkeit hatte Angelika anscheinend den Strauß, den Manu ihr hingereicht hatte, in dem Abfallkübel entsorgt.
Der Spazierstock mit der unheimlichen Drachenkopfbronze am Knauf, der befand sich weiter im Regenschirmständer. Angelika hatte den Metallstock nicht mit sich genommen, was mir als Möglichkeit blitzschnell in den Kopf geschossen war, daß ich losrennen mußte, nachsehen.
Herausgezogen habe ich das gute Stück länglichen Metalls für den Spaziergänger zwischen den Regenschirmen. Begonnen, den lebendig wirkenden, dreifach behörnten Drachenkopf anzustarren.
Ungefähr auf die gleiche Art, wie es Angelika letzte Nacht in der Küche gemacht hatte. Dauerglotzen.
Je länger ich starrte, um so drängender wurde in mir das Empfinden, daß sich mir jemand, was nähere.
Bei einer Art Bewußtwerdung entdeckte ich mich. Ich konstatierte, daß ich am Wohnzimmersofa herumlag. Die Augen riß ich auf. Ich hielt den Metallstock Fransens mit dem dreigehörnten Biest, das das blutige Maul weit aufriß, mit beiden Armen über mir. Blut tropfte aus dem Drachenmaul.
Den Metallstock samt seiner ekelhaften Knaufplastik schleuderte ich von mir. Mit dumpfem Geräusch prallte das Teil gegen Wohnzimmerstuhl, landete zu meinen Füßen am Teppich.
An der Digitaluhr an der Wand überblickte ich die Zahlen, las ab, daß es zehn Uhr vierzehn war.
Mein Shirt hatte ich nicht mehr am Oberkörper an. Bei mir habe ich die nackte Brust betrachtet. Auf Herzhöhe nahe der linken Brustwarze war meine Haut an vier Punkten blutig.
Mit einem Papiertaschentuch aus der Packung vom Wohnzimmertisch wischte ich mir Blutsoße fort.
Zart hatten sich Zähnchen da bei mir reingebissen. Tief genug, daß ich zu bluten anfangen mußte.
Die Drachenzähne der Bronzeplastik am Stockknauf - etwas anderes konnte das nicht gewesen sein. Der Minidrache, der war mir tatsächlich lebendig geworden, hatte sich bei mir reingezwickt. Viermal.
Das war horrormäßig.
Obwohl ich mich ziemlich trist, matt fühlte, habe ich mich aufgerafft.
In der Küche habe ich mir ein Heftpflaster besorgt, die Jodtinktur.
Das Jod verursachte Pein. Das Pflaster überklebte schließlich meine Brustwunde.
Schlimmer hatte es mich nicht erwischt. Keine Ahnung, es hätte sich auch Gift entfalten können.
Jedenfalls war ich mir weiterhin relativ bewußt, fühlte mich als jemand mit einem Ego.
Vielleicht hätte sich nachts alles anders entwickelt. Die Nachtstunden, das war IHRE Zeit. Wenn, dann würden SIE nachts Gestalt annehmen, Manu, Fransen ...
Weil die letzte Nacht überstanden war, nichts und niemand außer mir in Angelikas Wohnung sich aufhielt, wie ich nach einem weiteren Rundgang durch die Zimmer feststellte, hatte ich weiter die Macht.
Stadtfein, daß ich mich anzog. Jeans, neues gelbes Shirt, Socken, Schuhe. Schwarzes Anzugsjackett. Mein Smartie in einer Schutzkunstledertasche schob ich in die rechte Seitentasche des Jacketts.
Wollte das Gerät doch dabeihaben, falls Angelika einfiel, mich anzurufen oder mir eine Kurznachricht zu schicken. Die Smartie-Musik stellte ich ziemlich laut, daß ich es eventuell auch bei größerem Straßenlärm hören würde können. Den Geldbeutel mit Ausweis und Scheckkarten steckte ich mir als letztes links innen in die Jackettbrusttasche.
Den Spazierstock Fransens, den habe ich mit zittrigen Fingern vom Wohnzimmerteppich hochgenommen.
Blut war weiter am kleinen Drachenmaul der Knaufplastik.
Wollte mich deswegen nicht weiter gruseln. Oder so. Groß denken auch nicht.
Den metallenen Stock habe ich in der Küche unter den Wasserhahn gehalten. Anschließend abgetrocknet.
Das Teil schien mir dann zu nackt. Zügig habe ich es mit Zeitungspapier umwickelt, Klebeband drumrum gezogen. Bis das mit der Verpackung genügend paßte.
Zur Wohnungstüre bin ich bei Angelika hinaus, habe hinter mir zugesperrt. Die Stiegen hinunter, daß ich nahm, ohne daß mir eine jemand den Weg vertreten hätte wollen. Das mit meiner Beinfreiheit blieb.
Ich hatte eine Idee, was zu unternehmen war. Für Angelika und mich. Wie es aussah, war ich in der Lage, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Die besagte Adresse, die hatte ich aus dem Telefonbuch. Gelbe Seiten.
Pfand Stifter.
Pfand Stifter, in der Waidmannsstraße. Waidmannsstraße 6.
Wo die Waidmannsstraße war, das wußte ich.
Hatte ich schon mal gehabt, die Waidmannsstraße, als Angelika der Absatz eines Vier-Riesen-Nobelschühchens abgebrochen war. In der Lindenstraße, den Schuhmacher dort, den hatte ich mit dem Schuh Angelikas aufgesucht. Schuhwerk Sost. Mir gleichzeitig bei Schuhwerk Sost für ein eigenes Paar die Füße Maß nehmen lassen. Wenn Angelika mich schon losschickte, wollte ich auch was davon haben. Ein maßgefertigtes Schuhpaar für den Mann, Preis eintausendfünfhundert.
Die Waidmannsstraße war eine Parallelstraße der Lindenstraße.
Zu Pfand Stifter bin ich mit der von mir mit Zeitungspapier umwickelten Gehhilfe Fransens durch die klingelnde Geschäftstüre rein. So halb elf Uhr am Vormittag war es rum.
Bei Pfand Stifter war ein Mann vor mir an der Reihe, der verlängerte sein Zeug neu. Jede Menge Familienschmuck hatte der bei Pfand Stifter liegen. Das brauchte Zeit, das mit dem, daß ich mir fast schon dachte, ich müßte nachmittags bei Pfand Stifter nochmals vorbeischauen.
Schließlich war ich der nächste, präsentierte den vom Papier befreiten metallenen Spazierstock. Das Teil da, das wolle ich versetzen, war meine Ansage.
Angesehen hat der Mann - der ein Metallschildchen an der Hemdbrust befestigt hatte, demnach Herr Meierl hieß -, sich das Metalldings, dabei die Stirn gerunzelt.
Sagte ich zu Herrn Meierl, daß mir auch ein Fünfer genügen würde. Könnte ich mir im Schnellimbiß in der Nähe einen Hamburger kaufen.
Herr Meierl war überhaupt nicht skeptisch, Herr Meierl war fasziniert. Vor allem den Stockknauf mit dem dreibehörnten Drachen, der sein Maul weit aufriß - dabei plastisch derart lebendig wirkte, als könnte das Vieh jede Sekunde zum Leben erwachen -, hatte Herr Meierl im Auge. Einhundertundzwanzig Eier, die er mir geben würde, versetzte Herr Meierl in meine Richtugn, schürzte die Lippen, als könnte ich auf Ansage eine weitaus höhere Geldsumme von ihm kriegen.
Tatsache, Herr Meierl war der Mann, er mußte sich auskennen, den Wert verschiedenster Arten von Geh- und Spazierstöcken einzuschätzen wissen. Ich zuckte die Schulter, gab zurück, daß mir die einhundertundzwanzig aus dem Karton durchaus reichen würden.
Meine Identifikationskarte wollte Herr Meierl sehen. Natürlich, daß ich Herrn Meierl meinen Personalausweis hinreichte.
Dann klärte Herr Meierl mich über die Modalitäten der Leihe auf.
Auf einen Blockzettel schrieb Herr Meierl mir die Daten auf. Abholen, jederzeit, Leihbetrag und Gebühr bezahlen. Am Ende der Leihfrist müßte ich pünktlich im Tagesverlauf des vierzehnten Oktobers, eines Montags, erscheinen, für die Verlängerung. Meinen Ausweis müßte ich für die Verlängerung oder Abholung parat haben. Käme ich nicht, hätte mein verpfändeter Gegenstand ab dem Zeitpunkt den Vermerk Nicht abgeholt angehängt. Käme ich am vierzehnten Oktober wirklich nicht vorbei, sollte ich mir dessen gewärtig sein, daß nach diesem Datum die Möglichkeit bestünde, daß der von mir an Pfand Stifter weitergegebene Gegenstand bereits auf der nächsten Versteigerung zumindest präsentiert werden könnte, mit der Möglichkeit für Interessenten, sich vormerken zu lassen. Eine Auktion könnte sogar bereits am vierzehnten Oktober abends stattfinden.
Hübsche Pfand-Stifter-Regeln, mit denen ich mich kopfnickend voll und ganz einverstanden zeigte. Herrn Meierl von Pfand Stifter gegenüber, unterschrieb ich den Wisch, nahm die Gebrauchsanweisung, meinen Pfandleihebon, den ich gut verwahren sollte, und die mir hingezählten beiden Fünfziger und die zwei Zehner an mich.
Ich verabschiedete mich freundlich von Herrn Meierl, verließ das Innere von Pfand Stifter.
Außerhalb von Pfand Stifter war ich darüber erfreut, daß der metallene Spazierstock tatsächlich bei Pfand Stifter drinnen geblieben war.
Zumindest mal von diesen Ding waren Angelika und ich befreit.
Nach meinem Auftritt bei Pfand Stifter habe ich mich eineinhalb Stunden in den Schnellimbiß in der Nähe von Pfand Stifter reingehockt. Das große Menü hatte ich, würgte etwas davon in mich hinein, obwohl mir der rechte Appetit abging, ich beim Essen ein-, zweimal sogar das Würgen hatte.
Nach dem Imbiß bin ich in den Straßen der Stadt herumspaziert. Trübe Gedanken hatte ich zu wälzen. Dessen war ich mir überhaupt nicht mehr sicher, ob ich noch mal in die Wohnung Angelikas zurückkehren sollte. Andererseits: Wollte ich bei Angelika den Abgang machen, verschwand ich, stand zu befürchten, daß Polizei sich auf die Suche nach mir machte. Möglicherweise bezahlte ich für mein abschiedsloses Verschwinden mit einem Aufenthalt im Meinhardt-Sanatorium oder einer anderen psychiatrischen Klinik. Schließlich hatte die Polizei mich wegen der Meinhardt-Sanatorium-Sache weiterhin auf dem Radar, daß es für Polizisten nicht ohne Interesse war, mich wieder aufzufinden.
Andererseits, ein neuer Aufenthalt von mir im Meinhardt-Sanatorium oder sonstwo - wäre der für mich unbedingt das schlimmste Unglück? Müßte ich tief traurig darüber sein, wenn Angelika es nicht eilig damit hatte, sich bei der Leitung des Meinhardt-Sanatoriums für mich einzusetzen, um mich zurück in ihre Privatwohnung zu holen? Oder wenn ich, weil Angelika mir das Meinhardt-Sanatorium nicht weiterzahlte, ich eine Zeitlang woanders hingeschickt würde, etwa in ein Normalo-Klinikum für die geistig Gestörten?
Plötzlich, ich war auf dem Nachhauseweg nach Angelikas Wohnung, wurde ich angerempelt. Aufgebracht starrte ich einem jungen Kerl in die grinsende Visage. Er hatte zwei Begleiter dabei, die grinsten mir ebenfalls breit ins Gesicht. Die Frage, die ging an mich, ob ich nicht aufpassen könnte. Heute schon tagsüber voll, was? Könnte unverzüglich mehr abbekommen, wenn ich das Verlangen danach hätte.
Hatte ich nicht. Ich war für keinerlei weiterführende Reaktion zu haben. Brav senkte ich meine Augen, guckte an allem vorbei. Während mir das Lachen der Kerle in den Ohren klingelte. Mit traurig hängenden Schultern wandte ich mich ab.
Nichts, das mir beim Weggehen passierte, außer daß ich ein paar Namen aus dem Standardrepertoire der Beschimpfungen hinterhergesprochen kriegte. Der Große der drei plapperte auch Sätze: daß ich die Hose gestrichen voll hätte. Er könnte mir helfen, wegen meines Scheißlebens ins Krankenhaus zu kommen. Dort könnte ich mich von einer Krankenschwester betüteln lassen.
Keiner der Jungmänner zwang mich jedoch zu irgendeinem Risikosport für meinen Rücken, ich schritt von dannen. Bis es mich wie ein elektrischer Schlag traf: Ich glaubte, ich hätte jemanden auf der Straßenseite gegenüber gesehen. Jemand, der Manuela Dombrowski ähnlich schaute. Manuela Dombrowski mit dicker Sonnenbrille auf der Nase, bleichgesichtig. Manuela Dombrowski in einem blauen Latzanzug.
Umgedreht habe ich mich am Straßeneck, mich umzusehen. Konnte doch nicht wahr sein, daß ich Manuela Dombrowski sah. Erblicke ich allerdings tatsächlich eine, eine blaufarbene Latzanzughose mit Trägern an. Die, die wie Manuela Dombrowsi mit roten Haaren ausschaute, begab sich unmittelbar zu dem Trio. Den Jungmännern, die mich angemacht hatten.
Damit hatte ich genug gesehen. Auf nichts weiteres wollte ich mehr warten, solange ich einen kleinen Vorsprung hatte. Herum schwang ich mich auf dem Absatz, gab das Hasenpanier. Devise: nur weg von da!
Kein Mensch, der mich die nächste Zeit verfolgte, als hätte ich alles richtig gemacht.
Bei Gusto's war ich wie in Trance eingetroffen. Voll davon geschockt, ich hätte Manuela Dombrowski gesehen, blutroten Haarschopf, Sonnenbrille auf der Nase, eine blaue Latzhose an.
Gusto's, das war eine teure Adresse. Kunstvoll verziertes Backwerk konnten die Leute bei Gusto's nach Wunsch bestellen oder sich im Ladengeschäft etwas aussuchen. Edle Torten und Kaffeesorten.
Beliebt bei Angelika, das Gusto's.Das Gusto's, ein Einkaufsgeschäft und Insider-Treffpunkt für die Noblen der Stadt. Immer wieder gerne, daß Angelika zu Gusto's aufmachte, Tortenstücke oder sogar ganze Torten zu kaufen, sich Kaffeebohnen wiegen und abpacken zu lassen.
Die größte der bei Gusto's ausgestellten Torten war eine Hochzeitstorte; zehn Stöcker, zählte ich, während ich versuchte, tief durchzuatmen und mich abzuregen.
Plötzlich, daß ich seitlich aus dem Augenwinkel eine Bewegung mitkriegte. Was war, das war nicht direkt bei mir. Meinen Blickwinkel änderte ich. Erst mal, daß ich mich selber in der Schaufensterscheibe gespiegelt blickte. Jedoch auch was ganz anderes, eine Person auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die mir nicht unerkannt war.
Ich erkannte Angelika, die den Gehsteig herunterschritt.
Es war wirklich Angelika, die mich nicht am Schaufenster des Gusto's dastehen sah.
Weil das Angelika war, wandte ich mich um. Frisch wollte ich einen Ruf für Angelika nach hinüber laut werden lassen. In dem Moment, als ich zum Schrei ansetzte, daß Angelika voraus jemandem gewunken hat.
Ich schaute mal, wer sich da Angelika näherte, und die Augen wurden mir größer. Die Beinen drohten mir unter meinem eigenen Körpergewicht nachzugeben.
Die in der weiten blauen, unförmigen Latzanzughose, die ich vor ein paar Minuten schon in der Nähe hatte, stürmte auf Angelika los. Die mit der Haarfarbe wie Blut.
Manuela Dombrowski.
Das war Manuela Dombrowski.
Bei allen Toten der Unterwelt, Manuela Dombrowski.
Ich wußte nicht, wohin mit mir. Unsichtbar werden, das konnte ich mal nicht. Beieinander standen Angelika und Manu, Manuela Dombrowski. Sichtlich freute sich Angelika über Manuela Dombrowskis Gegenwart. Zwei Freundinnen, die sich zufällig auf der Straße begegneten.
Manuela Dombrowski nahm ihre dicke Sonnenbrille für Angelika ab, lächelte Angelika eins hin. Angeregt unterhielten Manuela Dombrowski und Angelika sich über irgendwas Wichtiges. Vor allem Angelika war mit weit ausschweifenden Armbewegungen, bedeutsamen Gesten enthusiastisch dabei.
Neben Angelika stellte sich Manuela Dombrowski, legte den Arm um Angelikas Schultern. Wie zum Trost. Auf Angelika redete Manuela Dombrowski ein. Ins Gesicht grinste Manuela Dombrowski Angelika.
Kaum hatte sich mein Herzschlag ein klein bißchen beruhigt, fühlte ich mich, als müßte ich jede Sekunde auf das Gehsteigpflaster niedergehen. Der Horror potenzierte sich für mich. Denn: Die altbekannte Trenchcoat-Gestalt Fransens kam aus der Richtung angeschritten, aus der auch Manuela Dombrowski herbeigekommen war, gesellte sich, einen breitkrämpigen Basthut auf dem Schädel, zu Angelika und Manuela Dombrowski dazu.
Nun fand ich, das alles wäre des Guten zuviel; schleunigst sollte ich zuschauen, vom Platz wegzukommen, solange ich noch einigermaßen an dem Glück litt, von zufälligen Blicken unentdeckt geblieben zu sein. Nach rechts drehte ich mich, fort von der Gehsteigszene seitlich auf der Straßenseite gegenüber, um anzufangen, wie ein Betrunkener das Trottoir hinaufzutorkeln.
Ewig lange Meter, die ich voranwackelte. Ohne daß mich von hinterrücks ein Ruf ereilt hätte. Einer, der sich so anhören hätte können: Bernd! Bernd! Bleib doch stehen, Bernd! Wo willst du denn hin? Hast du uns denn nicht gesehen, Bernd? Warum kommst du nicht zu uns dazu, wenn du uns stehen siehst, Bernd?
Anscheinend haben weder Angelika, Manuela Dombrowski oder Fransen etwas von meiner Gegenwart mitgekriegt, so in der Szene miteinander verfangen.
Mein Problem am gesamten überblickten Bühnenbild war das, daß ich bei Angelika daheim in der Wohnung Angelikas herumhockte. Nirgendwo anders. Angelika hatte die Scheckkarten, bis dato immer noch nicht von Angelikas Mutti, Vati üblicher monatlicher Apanage befreit. Obwohl Angelika Vati, Mutti trotzte, ich mit Angelika zusammenblieb.
Das war das am Nachmittag.
Da habe ich Angelika auf ihren beiden Beinen gesehen. Manuela Dombrowski und Fransen, die beide zu Angelika dazutraten.
Niemand allerdings, wie es schien, hatte etwas von mir und meiner zufälligen Anwesenheit mitbekommen. Zurück in Angelikas Wohnung bin ich.
Seitdem warte ich, daß Angelika daheim entrifft. Bis zu dieser Sekunde ist Angelika nicht nach Hause gekommen. Von sich irgendwas hören lassen hat Angelika heute den ganzen Tag über nicht. Kein einziger Anruf Angelikas hat mich erreicht, keine kurze geschriebene Nachricht.
Hätte mir nicht der Zufall irgendwie geholfen, wüßte ich nichts davon, daß Angelika Begegnungen hatte.
Und Manuela Dombrowski, die hatte, wie es mir scheint, drei Jungs auf mich losgeschickt. Mich anzurempeln und zu erwarten, was drauf zwischen uns passiert.
Ein paar Worte müßte ich mit Angelika wechseln.
Obwohl ich Manuela Dombrowski und diesen Fransen ganz eindeutig bei Angelika gesehen habe, geht es darum, daß ich nicht ganz genau, wie schlimm es um Angelika steht.
Was soll ich zu Angelika sagen, sitze ich demnächst alleine mit Angelika zusammen in der Küche? Was stellen wir miteinander dann an?
Eigentlich sollten wir uns sofort aus Angelikas Wohnung davonmachen. Das Beste wäre, wir würde irgendwo hinfahren, Angelika und ich. Uns wo einmieten. In ein Hotel.
Ich meine, das heißt, ich kann nur auf ein Glücksmoment hoffen. Darauf, daß Angelika noch alleine heimkommt.
Angelika muß das doch jetzt klar sein, daß ihre Manu Manuela Dombrowski ist.
He, Manu, Manu ist jene Manuela Dombrowski ... Und der Typ, Angelika, der Manu - Manuela Dombrowski - begleitet, daß ist Fransen. Jener Fransen ... Die schäbige Trenchcoat-Type aus meiner Geschichte. Seit über einem Jahr tot ist Manu Dombrowski tot, Angelika. Wie nennen wir das, Angelika? Was machen wir beiden Hübschen jetzt? Das Beste wäre, wir steigen so schnell wie möglich in dein Auto, Angelika. Fahren mal hier aus der Stadt raus. Vielleicht zu deinen Eltern ... Zum Glück ist das Semester für uns beide so gut wie gelaufen. Gibt's da nicht mehr viel. Nächstes Semester könnten wir woanders studieren, Angelika. Vielleicht im Ausland.
Ah, für alles ist es jetzt zu spät. Angelika, Angelika kommt gerade. Ich höre Angelika mit ihrem Schlüssel die Wohnungstüre aufsperren.
Einundzwanzig Uhr dreizehn ist es auf der Uhrleiste.
Hoffentlich ist Angelika alleine. Hoffentlich läßt Angelika mit sich reden, tickt nicht sofort wieder aus, wenn ich ein bißchen was zu ihr sage.
Angelika muß das doch begreifen können, daß hier Sachen falsch sind, wenn sie selber weiß, daß ihre Freundin Manu Manuela Dombrowski ist.
*
Dreizehnter Juli, foxy.jpg..
Freitagnacht. Mitternachtsstunde. Uhrzeit: 00:42 Uhr.
Angelika gibt sich mir gegenüber arrogant, von oben herab.
Am liebsten hätte ich den ganzen Abend über zu Angelika gesagt, sie ist nicht nur voll doof, sondern saublöd noch dazu. Eine bornierte, blasierte Idiotin ist sie, sie, Angelika.
An alles auf der Welt glaubt Angelika, aber nicht an mich. Was ich sage, das ist Müll. Zu mir hin winkt Angelika ab, hebt den Zeigefinger, meint, ich hätte es ganz knapp, versuche ich sie anzureden. Ich sollte ja aufpassen. Die Leute vom Meinhardt-Sanatorium könnten herbeigerufen werden. Um mich abzuholen. Dabei ist sie, Angelika, selber nicht ganz richtig im Kopf.
Muß festhalten: Der gesamte Kreis mit Angelika befreundeter Weiber läßt sich seit zweiundzwanzig Uhr, seitdem alle bei Angelika in der Wohnung eingetrudelt sind, von mir bedienen. Allesamt benehmen sie sich, als wäre ich bei Angelika als Angelikas persönlicher Butler angestellt.
Bernd, komm her, schenk mir das Glas nach.
Bring uns noch 'ne Packung Chips, Bernd?
Wisch das mal weg, Bernd. Nimm die Trockentücher dort ...
Vor fünf Minuten habe ich zu Angelika gesagt, ich wäre müde. Ich gehe jetzt auf mein Zimmer.
Tatsächlich störte Angelika sich nicht daran, daß ich weggehen wollte. Sondern hat mich wie angewidert und angenervt von sich fortgewunken.
Weiß nicht, wie lange ich jetzt auf meiner Zimmerflucht meine Ruhe habe. Wer insbesondere die nächste Zeit was von mir möchte, nachdem ich mich von allen entfernt habe.
Jedenfalls habe ich erst mal die Tür hinter mir abgesperrt. Mich eingesperrt. Unverhofft kommt mir also keine Braut herein. Die Rolläden sind ohnehin bei mir unten. Könnten höchstens die mit den Kletterkünsten von draußen dagegenklopfen. Abwarten, ob ich das Rollo hochmache oder nicht.
Eine Bestimmte hat das aber überhaupt nicht nötig. Sie könnte die Sache ganz anders machen: Durch die Türe durchgehen. Wie ein Geist. Obwohl sie der Welt nicht wie ein Geist scheint.
Alles andere ist sie als ein Geist.
Klopft SIE nun an an die Türfläche - möglicherweise mache ich IHR die Tür auf. Spreche ein paar Worte mit IHR.
Um unvermittelt an IHR vorüberzulaufen, geschwind ins Wohnzimmer. Ein Moment, ich wäre bei Angelika und Angelikas Freundinnen Betsy, Laila, Veronika und den anderen Weibern zurück. Wieder einer, mitten unter ihnen.
Dort gibt es immerhin schon mal einen Schlüpfer zu sehen. Kommt von einem Fehler beim Schwung, sich umzusetzen, die Beine zu überschlagen. Oder es blitzt eine Brustwarze, weil eine mit tiefem Kleidausschnitt sich achtlos vorbeugte.
Das heißt, ich alleine unter Weibern. Eigentlich.
Jede Menge Kurven, Rundungen. Gerötete Wangen. Gekicher allerorten. Mädchenhaftes Lachen. Gelächter von Frauen. Helle, munter schwatzende Frauenstimmen.
Teure Importware wird gesoffen. Japanischer Mandarinenlikör. Fünfundzwanzigprozentig.
Nicht, daß das die Stimmung hebt. Erste Wackler habe ich schon bei der einen oder andern wahrgenommen. Das mit den Hochhackpumps kann heute noch komplizierter werden für einige.
Ein außenstehender Betrachter könnte meinen, alles wäre in bester Ordnung hier. Er weiß eben nicht, daß ich bei den meisten der anwesenden Damen nicht eben beliebt bin. Zuvorderst zu nennen: Veronika, Betsy und Laila.
Nachdenkliche Blicke Betsys, Lailas habe ich bereits zugeworfen bekommen, weil Angelika mich so herablassend behandelte, Angelika mich herumstehen und den Diener spielen ließ. Statt daß ich an der Seite Angelikas mittendrinnen dahockte, schon mal was daherplapperte, was zu ertragen gewesen wäre, weil ich der Lutscher Angelikas war, bin ich immer nur irgendwie abseits herumgestanden. Mußte servil sein. Hat mir eine Damen gewunken, daß ich augenblicklich herbeisprang, nach dem Begehr zu fragen. Einen Wunsch, den ich auch sofort erfüllte.
Die kleinen Leckereien habe ich dargereicht, Nachschub aus der Küche geholt. Ohne daß Angelika, die Gastgeberin, sich viel Mühe darum gemacht hätte, mir hinterherzukommen, mir tatkräftig dabei eine Stütze zu sein. Anders wie sonst immer. Nicht das kleinste Küßchen Angelikas auf meine Wangen, nichts für mich, ihren Geliebten, Freund. Heute abend war ich Diener, sonst nichts.
Am Wohnzimmertisch liegt jede Menge Geschmeide herum. Als ich weggegangen bin, weiter, daß sich Frauenaugen dort an dem Klunkerzeug festsaugten.
Schmuck in rauhen Mengen. Diamanten, Brillianten, Opalsteine und drei dicke Fünfundvierzigkaräter. Ohr-, Fingerringe, Halsbänder, Armreife, die ausgebreitet wurden, daß der Glanz einen pur aus den Galoschen kippen lassen hätte können.
Das Schärfste, das Größte allerdings - eine Königinnenkrone. Auf einem blauen Samtkissen aufliegend mitten am Wohnzimmertisch plaziert.
Eine echt goldene Herrscherinnenkrone, mit edelstem, teuersten Gestein besetzt.
Zwei-, dreimal ist die edelsteinbesetzte Königinnenkrone schon durch die Reihen gewandert, wurde von Angelikas Freundinnen befingert, der feste Halt der Schmucksteine an dem lupenrein goldenen Teil einem Test unterzogen. Manche, vom Alkohol betütelt wie sie war, verlor bereits jede Hemmung, wenn sie daran zog, riß.
Persönlich, muß ich zugeben, war ich auch nicht wenig von der Königinnenkrone fasziniert. Hauptsächlich deswegen, weil mir die Krone bekannt war.
Jedoch nicht in der manifestierten Realität. Sondern eher aus einem Traum, den ich vor einem Jahr hatte, daß ich die Königinnenkrone kannte.
Im Juli vor einem Jahr habe ich geträumt, eine, die einen langen Mantel anhatte, einen Begleiter neben sich, der eine Laterne, die an einem langen Stab hing, mit sich trug, käme in der Dunkelheit auf einer langen Straße auf mich zugeschritten. Schließlich befand sich die Fremde in meinem Traum ganz nahe bei mir, sah ich diejenige ganz deutlich mir gegenüber. Die Mantelkapuze, die sie sich vom Kopf herunterschob.
Eine war das, tiefausgeschnittenes Mittelalterkleid, große Halskette mit Großdiamanten unten dran, der zwischen den Brüsten auflag;Tropfenohrringe; eine goldene, diamantfunkelnde Krone am Kopf droben - wie eine Königin.
Eine Beherrscherin. Eine Frau der Macht.
Gekannt hatte ich sie schließlich auch. Es war SIE, Manuela Dombrowski, mein lebendig gewordener Schrecken.
Manuela Dombrowski, Manuela Dombrowski mit gekröntem Haupt. Kalt mich ansehend. Von oben herab.
Dachte damals, früh morgens auf dem Zimmer im Haus meiner Eltern unten, das Rollo hochgezogen, Manuela Dombrowski, mit Stab und Laterne, ich würde sie tatsächlich dort blicken, beim Nußbaum im Garten. Samt purpurroten Kleid mit dem tiefen Ausschnitt und ihrer Königinnenkrone.
Und, wie ich morgens von der Zeitungsfrau erfuhr, war tatsächlich jemand in der Nähe, eine junge Frau, ein Kleid der Marke Mittelalter am Leib.
Und jetzt betrachtete ich diese Krone. Sie existierte in der Wirklichkeit. War so real, daß sie jedermann mit seinen Grabschfingern hochnehmen und rundum drehen konnte.
Diese Krone, Manu, unglaublich. Eine echte Krone! Wo hast du die Krone her, Manu? Die muß ja unbezahlbar sein ...
Sagte ich doch schon: von meinem Freund. Mein Freund hat sie mir geschenkt.
Echt wahr, dein Freund? Dein Freund schenkt dir eine Krone aus reinstem Gold, mit Edelsteinen, Diamanten besetzt?
Mein Freund entstammt einem alten Herrschergeschlecht. Kommt aus Osteuropa. Er könnte das Wort Graf im Namen führen. Manchmal tut er das auch.
Ein Osteuropäer?
Was dagegen?
Die Krone, die schenkt ER dir, einfach so?
Warum nicht? ER hat noch mehr davon. Seine Ländereien hat SEINE Familie im letzten Krieg leider verloren. Bilder, Schmuck, so Sachen, die konnte seine Familie aber retten ...
Mir fällt nichts ein, was ich für jemanden tun könnte, daß jemand mir eine Krone schenken würde ... Dein Freund muß dich sehr lieben ...
O ja, er mag mich. Ob er mich liebt - ich weiß nicht. Gestohlen habe ich sie IHM auf alle Fälle mal nicht. Die Krone ist ein Geschenk, von IHM an mich. ER nennt mich, ob du mir das glaubst oder nicht, seine kleine Königin.
Hat eine echte Regentin die Krone am Kopf oben aufgehabt, hat mit ihr hof gehalten?
Hm - ja! Sie hatte mehrere davon. Kleinere, größere. Diese da war nicht ihre wichtigste. Auch nicht die wertvollste. Diese Krone hat sie nur bei Hoffesten, Bällen getragen. Zu höfischen Anlässen. Ab und zu, wenn sie ausländische Staatsgäste hat. Eine Zierde eher, aber trotzdem auch ein Zeichen ihrer Macht und ihres Reichtums. Ist auch nicht wenig wertvoll, oder? Könnte bei jeder Auktion ein hübsches Sümmchen bringen ...
Ich bin hin und weg. Dein Freund schenkt dir ... eine Krone! Und der ganze restliche Schmuck ist auch von IHM. Nein, mir fällt im Moment nichts ein, wie ich so nett zu einem sein könnte, daß er mir eine ganze Krone schenkt. Ich hab bisher nur mal ein Colliers und Ohrringe von einem Kerl gekriegt ...
ER ist mein Freund. Ich bin in SEINER Gunst. Die Krone, die hat ER mir einfach geschenkt. Weil IHM danach war. ER hat gesagt, die Krone, die gehört jetzt mir, weil ER sie mir aufgesetzt hat. Daß die Krone hier bei mir ist, das ist ein Zeichen seiner Wertschätzung.
Könnte ich deinen Freund vielleicht mal kennenlernen?
Vielleicht könnte ich das möglich machen. Nur, heute um zwanzig Uhr dreißig, ist ER mit dem Flugzeug nach Frankreich geflogen. Hat dort Geschäfte, Probleme mit Liegenschaften. Vielleicht, kommt ER die nächstenTage hier in die Stadt zurück - dann stelle ich IHN euch vor. Dann lade ich euch alle zu mir ein, wenn ER zurück ist.
Mensch! Mensch! Mensch!
Ich halte meistens, was ich verspreche.
Ja, ich muß IHN kennenlernen. Ich MUSS.
Ich verspreche es dir, du wirst IHN kennenlernen.
So viele echte Adlige kenne ich nicht. Eher nur solche, die zwar noch einen Titel im Namen haben. Aber, das ist auch schon alles. Reich sind die nicht. Irgendwie gibts nicht so viele echte Prinzen. Ich jedenfalls habe noch keinen Prinz kennengelernt. Nur welche, die sich für Prinzen halten. Sich wie ein Prinz aufplustern.
Ich will, daß du IHN mir vorstellst. Ich will. Ich will.
Sieht ER gut aus? Ist ER verheiratet?
Nein, ER ist momentan nicht verheiratet. ER ist Witwer. SEINE Frau ist tot. Schon seit ein paar Jahre tot. Die ist nicht zurückgekommen.
Was - zurückgekommen?
Gibst du mir SEINE Nummer?
Nein!
Warum denn nicht?
So einfach geht das nicht. Du mußt warten, bis ER zu mir zurückkommt. Wenn ich dich einlade, kommst du bei mir vorbei. Dann lernst du IHN durch mich kennen. Dann gibt er dir SEINE Nummer, wenn du IHN fragst. Oder ER gibt sie dir nicht.
Ja?
Was denkst du denn? Wenn ich jeder SEINE Nummer gebe, die sie haben möchte, und wenn die IHN dann mit Anrufen belästigt - was glaubst Du, wie lange habe ICH die Nummer von IHM dann noch? ER ändert sie doch bald.
Da hat sie recht! Würde ich auch nicht anders machen. Mußt schon selber fragen, wenn du SEINE Nummer willst.
Für mich war das eine Welt des Grauens. Was dort im Wohnzimmer abging, immer noch abgeht, es graut mir davor.
Keine Ahnung, wie ich alles die ganze Zeit so ruhig ertragen konnte. Ohne schreiend herumzulaufen, mich herabzubeugen und mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen. Immer und immer wieder.
Das eine oder andre Mal hatte ich ein nervöses Zucken um die Mundwinkel, bemerkte ich eine Schwäche wie weicher werdende Knie bei mir.
Vor allem, wenn der Blick wieder auf mich fiel. Der von IHR.
Daß ich aufrecht stehengeblieben bin, wenn sie mich abschätzend angeschaut hat. Weiter bin ich der Gegend rumgestanden, wie ein ausgeschalteter Roboter. Während die Freundinnenclique Angelikas um den Wohnzimmertisch gedrängt gehockt ist.
Acht Köpfe an der Zahl insgesamt
Begreifen kann ich das immer noch nicht. Den blöden metallenen Spazierstock Fransens, daß ich aus der Wohnung fortschaffe. Dann kommt Angelika, die doofe Zicke, daher, lädt Manu zu sich ein.
Höchstpersönlich hat Angelika Manu die Wohnungstüre aufgehalten, Manu mit dem Finger bezeigt, daß Manu hereinkommen könnte. Und Manu, die ist ohne weiteres grinsend hereinspaziert gekommen. Als wäre das nichts für sie.
Während ich nur dumm glotzen konnte, Manu anstieren.
Demnach hatte ich mich zwar der Gehhilfe Fransens entledigt - aber, was half mir das, wenn Angelika DIE war? Angelika, die die Einladung aussprach.
Anscheinend kam es doch nicht so sehr auf mich und mein Wohlwollen an. Jetzt war es doch Angelika, die allem Tür und Tor aufmachte. Während ich die Dinge höchstens zur Kenntnis nehmen konnte.
Jene Manu, die ich als Manuela Dombrowski kenne, sitzt eben in der Sekunde bei Angelika im Wohnzimmer Angelikas. Fühlt sich wohl inmitten der Freundinnenschar Angelikas. Von allen, die voll geblendet sind von Manu. Vom Reichtum, den Manu ihnen präsentierte.
Ein Reichtum ist das, mit dem ich jene Manuela Dombrowski, die ich früher kannte, nicht in Verbindung bringen kann. Höchstens, daß Hans-Georg Tabert sich was leisten kann, teuere Diamanten, Colliers, Ohrringe der kostspieligeren Art.
Ganz davon abgesehen, was ich alles darüberhinaus von Manuela Dombrowski weiß. Eine Geschichte, die Angelika von mir kennt. Außerdem, daß Angelika seit einem geraumen Weilchen weiß Angelika, wie Manuela Dombrowski aussieht. Selber war Angelika bereits verwirrt deswegen.
Schließlich ist das der Kern der Manuela-Dombrowski-Geschichte eigentlich: daß es so was von unmöglich sein sollte, daß Manuela Dombrowski in der Gegenwart irgendwo erscheinen könnte. Ganz zu Schweigen davon, daß Manuela Dombrowski keine Möglichkeit haben könnte, zu irgendwem in die Wohnräume hineinspazieren und drinnen bei ihm herumzuhocken. Am allerwenigsten bei Angelika, meiner Freundin, Geliebten, im Wohnzimmer.
Für die Doofen hat Manuela Dombrowski die güldene Krone einer regionalen Despotin mitgebracht. Manuela Dombrowski, gekleidet in ein schwarzes Geschäftsfrauenmidikleid. Ein Kleid, das, stand Manuela Dombrowski rum, Mitte ihrer bleichen Oberschenkel endete. Ein schwarzes, enganliegendes Jackett, scheinbar mit nichts darunter, trug Manuela Dombrowski am Oberkörper übergeworfen.
Mit Manuela Dombrowski in der Wohnung Angelikas hier bei mir ist das eine Welt des Horrors für mich. Austicken möchte ich. Wegen Angelika und Angelikas boshaftem Ankommen. Angelika, die sich zum Opfer gemacht hat.
Hilflos fühle ich mich, weil ich Angelika und den Weibern bei Angelika nichts ansagen kann. Nichts, was sie das bißchen ernst nehmen würden. Sie alle, die hin und weg sind von Manu. Jener Manu, die eine Herrscherinnenkrone für sie zum Vorzeigen hat.
Von mir würden Betsy, Laila, Veronika, diese Zicken, allesamt denken, sie hätten es ja gewußt, daß ich irgendwann wieder austicken würde. Bräuchte nur irgendwann einen Anlaß. Jetzt wäre der Manu, die Angelika erst seit kurzem richtig kennt. Manu, die hätte ich mir für meinen durchgeknallten Müll, mein irres Geplapper ausgesucht. Weil Manu irgendeiner ähnlich schaute, die mal gekannt habe. Eine Freundin von mir war.
Arme Angelika, wohl fällig, bei ihm, ihrem Bernd, das Meinhardt-Sanatorium. Am besten, daß Angelika sofort im Meinhardt-Sanatorium anruft. Wann gibst Du diesem Schizophrenen, Psychopathen denn endlich den Laufpaß, Angelika? Es müßte doch jetzt so weit sein. Reicht dir das mit dem nicht?
Trotzdem ...
Ich könnte auch telefonieren.
Zum Beispiel die Polizei anrufen.
Sagen wir, wenn ich Manu eine Diebin nenne. In der Wohnung Angelikas und mir führt die eben in diesen Sekunden wertvolles Diebesgut vor. Keine Ahnung, wie eine an so was kommen kann. Sogar eine Krone hat sie zum Vorzeigen hier. Sie von der Polizei, sie müßten unbedingt vorbeikommen, sich das mal näher anzuschauen. Vielleicht sollten sie als Behörde das mal überprüfen, was das für Zeug ist, was die in Besitz hat, die sich bei uns in der Wohnung Manu nennt.
He, kann sich Manuela Dombrowski, wird sie von Polizeibeamten dazu aufgefordert, wirklich ausweisen? Besitzt Manuela Dombrowski denn so was wie einen Personalausweis?
Was habe ich zu verlieren?
Was denn?
Das, daß ich ins Meinhardt-Sanatorium verbracht würde? Ängstigt mich das?
Würde mal das festhalten: Solange ich im Meinhardt-Sanatorium oder sonstwo in einer Anstalt bin, kann keine Manuela Dombrowski so einfach an mich ran. Auch kein Fransen.
Bitte, ich möchte ins Meinhardt-Sanatorium! Jetzt sofort!
Von selber ruft es sich nicht an!
Mittels Geistesübertragung funktioniert das nicht. Dazu müßte ich die Anwendung haben. Die aktiviert.
Das wird doch von mir zu bringen sein, mit dem Finger draufzutippen, wenn ich die Nummer der Polizei auf der Anzeige habe ...
Oder nicht?
Jetzt ist es eben passiert. Ich habe bei der Polizei angerufen.
Der Polizist am anderen Ende sagte, Beamte kommen auf schnellstem Wege vorbei ... In ein paar Minuten sind sie bei der Adresse, kommen hoch.
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