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Blog von TeddeMehr

"Das digitale Tagebuch" (17.07. - 20.07.), No. 4

26. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #T-Rixi

Neunzehnter Juli, mein Tagebuch.

Uhrzeit: 23:37 Uhr. Sofort der nächste Eintrag hier hinterher.

 

'Armer Bern-die!' - das sagt Manuela zu mir.

'Armer Bern-die!' - sagt DIE zu mir, die Person, die mir vor den Augen erschienen war. Von irgendwoher. Daß es keiner glaubt.

Oder - von woher? Wo kommt DIE her?

 

Wie recht Manuela mit ihren Worten hatte, Tagebuch. Wenn ich daran denke, was heute ist, hatte Manuela vollkommen recht.

Nur, wie hätte ich das in dem Moment dort begreifen sollen, daß ich das wirklich war, arm dran?

Die gute Stimmung zwischen Manuela und mir, die Möglichkeiten, die sich in nächster Zeit daraus ergeben könnten - das hatte mich euphorisiert.

Gut war ich drauf. Habe mich Manuela schon den Schlüpfer runterziehen sehen. Ein paar Küsse weiter - und ich ...

Ich und Manuela, die erste Runde.

Keine andere Idee weit und breit, mein liebesTagebuch. Nichts andres hatte ich im Kopf.

 

'Armer Bern-die', sagt DIE zu mir.

Das hat die zu mir gesagt.

Heute trifft das genau den Kern, liebes Tagebuch.

An dem Nachmittag, blauer Himmel, schönster Sonnenschein, angesichts von diesen weißen, wohlgeformten Beinen, wäre mir das jedoch nie eingefallen.

'Armer Bern-die' - in der Gegenwart des Hier und Jetzt ist das der passende Ausdruck für mich.

Der arme Bern-die bin ich - aus einem einzigen Grund: Weil wir uns, Manuela und ich, begegnet sind.

Vorm Unteren, daß Manuela bei mir eintraf. Rundum bei mir war Manuela ab diesem Zeitpunkt.

SIE, Manuela, da, vor und bei mir herum.

SIE, Manuela, weiterhin bei mir präsent bei dem Drehgestell mit Postkarten der heimatlichen Stadt- und Landumgebung. SIE, Manuela, zusammen mit mir, außerhalb von Schreibwaren Thürk.

Das alte Schreibwaren Thürk, ein Ladengeschäft, seit Kindertagen war ich mit dem vertraut.

Dort, bei Schreibwaren Thürk, auf Seltsamkeiten zu kommen - wie denn?

Bei Schreibwaren Thürk war für mich nichts von irgendwas, was momentan meine Gegenwart ist.

In allerschönste Prahlestimmung geraten war Manuela. Manuela: 'Überall bin ich schon gewesen, Bern-die. Paris, Madrid, Barcelona, Rom, Lissabon. Meine absolute Lieblingsstadt ist aber Amsterdam. In Amsterdam hats mir am besten gefallen. In Amsterdam habe ich über ein halbes Jahr gewohnt. Und ich wollte nicht wieder heimfahren. Wenn sich Ron, mein Freund da damals in Amsterdam, nicht als so ein Riesenarschloch rausgestellt hätte, würde ich vielleicht heute noch in Amsterdam wohnen. Bloß, so ohne Geld, nur mit einem Scheiß-Knochenjob zum Arbeiten am Hals - nee! Da war es das Beste, ich fahr wieder nach Hause heim. Weißt du, Bern-die, Ron hat was dagegen gehabt. Aber dann hat mir Mutter Geld geschickt. Den Brief hat Ron nicht abfangen können. Nicht viel Geld, das ich von Mutti kriegte. Aber, zum Heimkommen hats gereicht ... Warst du schon in Amsterdam, Bern-die?'

Ich: 'No! Aber ich war für ein Wochenende in Paris. Kurztrip. Mit Helen. Vor zwei Jahren. Ansonsten war ich mit meinen Eltern und meinen Schwestern ein paarmal auf Urlaub in Österreich. Salzburg, Bregenz. Haben mal für ein paar Tage auf der Alm in einem Bergbauernhof gewohnt, bei Kitzbühl. Sonst war da nicht viel, was das angeht.'

Manuela: 'Helen ...? Du hast Helen gesagt ...? He, Bern-die, bist du verheiratet? Heißt deine Frau Helen?'

Ich: 'Nein, bin nicht mit Helen verheiratet. Zum Glück bin ich das nicht. Bis vor kurzem waren Helen und ich noch verlobt. Vor ein paar Tagen erst haben wir uns aber offiziell getrennt, Helen und ich ...'

Manuela: 'Wenn ich mir dein saures Gesicht so anschaue, Bern-die, war das nicht so angenehm, wie das mit dir und dieser Helen dann gelaufen ist. Wenn ihr euch getrennt habt. Oder täusche ich mich?'

Ich: 'Nein, täuschst dich nicht. Siehst das schon richtig. War am Schluß keine schöne Sache mehr, wie das so immer abgelaufen ist, das zwischen Helen und mir. Bin richtig froh über die Trennung. Habe mir das lange genug angesehen, das mit der. War wirklich lange genug. Es hätte schon viel früher Schluß sein müssem. Viel, viel früher. Witzigerweise hab nicht ich mit ihr Schluß gemacht, sondern sie mit mir.'

Manuela: 'He, Bern-die, Amsterdam, Amsterdam mußt du mal besuchen. Für mich ist Amsterdam die geilste Stadt Europas. Mit jedem kannst du was rauchen, was einschmeißen. Kann dir sagen, Bern-die, Amsterdam geht ab.'

Davon wußte ich nun nichts Genaures, Tagebuch. War innerlich unmotiviert, irgendwelche politische Verhältnisse ins Spiel zu bringen, von denen ich zufällig was mitgekriegt hätte. Das heißt, herlabern konnte man mir von Orten viel, sehen mußte jeder am Schluß immer selber. Wo man landete und wie es für einen zuging. Bloß, irgendwas einschmeißen, rauchen - das Thema, das sagte mir das eine oder andere. Angegrient hat Manuela mich, und ich habe die Lippen geschürzt. Weil: Was hatte Manuela mich erst ein vor paar Momenten unseres Zusammenseins genannt? Einen Alkie. Ich, ein Alkie. Einen Alkie hatte Manuela mich genannt.

Ich, ein Alkie - während Manuela, im Gegensatz dazu, dann Gift probierte. Manuela, eine Torte, die gern was giftelte. Eine Giftlerin, Manuela.

Manuela: 'Ist was, Bern-die?'

Ich: 'Was soll denn sein?'

Manuela: 'Du schaust so komisch, Bern-die. So ganz komisch.'

Ich: 'Ich schaue doch nicht komisch. Ich schaue dich doch nicht komisch an. Da täuscht dich mal was.'

Hingelächelt habe ich Manuela eine hübsch schnelle Runde.

 

Aber klar! Klar doch!

Schließlich, Tagebuch, wollte ich mit Manuela nicht in den Stand der Ehe treten. Lediglich das eine oder andere Mal kurz besteigen, das wollte ich Manuela. Bis zu den Gipfeln oben rauf.

Und wenn Manuela mir so nebenbei Gründe bekanntmachte, sie, Manuela, bei Gelegenheit leicht abservieren zu können. Desto besser war das.

Das paßte mir doch in den Kram, oder?

Gerne durfte Manuela damit weitermachen, bei mir Zeugs anzubringen, mit dem ich irgendwann in der nahen, fernen Zukunft Kleinigkeiten anfangen konnte. Kam der Zeitpunkt, daß sich Umstände ergaben, daß man sich besser mal deutlicher miteinander aussprach. Wenn Irrtümer, Irritationen entstanden waren. Dann ...

Solange man allerdings noch nicht dort war, hatte Schönwetter zu herrschen.

Manuela, sie zeigte mir mit dem Finger die Richtung. Manuela: 'He, Bern-die - dort rum geht's zu Joeys. Nur noch ein paar hundert Meter, sind wir beim Joeys drinnen ... Gehen wir hier weg, ja? Ist doch langweilig.'

Ich: 'Ja! Machen wir wieder weg hier. Auf geht's, zu Joeys.'

 

Manuela und ich, wir sind weitergewandert, hochgeschätztes Tagebuch.

 

*

 

 

Zwanzigster Juli, mein Tagebuch!

Genaue Uhrzeit, jetzt: 01:04 Uhr.

 

Wieder eine Mitternachtsstunde vorüber.

Gespukt hat nichts.

Das heißt, zu dem einen bestimmten Spuk ist nichts weiter hinzugekommen.

Weiterschreiben will ich von dem Nachmittag mit Manuela hier in der Datei. Damit wir hier weiterkommen ...

 

Manuela und ich im schönsten Sonnenschein.

Bestens ausgeleuchtet war Manuela mir auf ihren bleichen Beinen in dem schwarzsamtigen Sackminikleid präsent.

Durchaus bleichgesichtig, Manuela.

Manuelas Blick wanderte öfters zur Sonne. Als wäre Sonnenlicht für sie was, was ihr eigentlich nicht so paßte.

 

Die Szene mit Manuela muß langsam schneller in Dir vorankommen, Tagebuch.

Damit Du bald Bescheid weißt. Alles deutlich in Dir drinnensteht. Nicht länger irgendwelche Andeutungen von mir, aus denen auf unbestimmte Weise irgendwas herauszulesen ist.

Weg waren Manuela und ich also von Schreibwaren Thürk.

Meine Hand hatte Manuela gefaßt. Händchengehalten hat Manuela mit mir.

Vor dem Schaufenster einer Konditorei, Bäckerei sind Manuela und ich unvermittelt stehengeblieben.

Plötzlich, daß ich genau wußte, wo ich war.

Zwar eigentlich alles altbekannte Welt. Nur länger hatte ich mich nicht drum gekümmert, diese wahrgenommen. Weil andere Orte an die Stelle getreten waren, den Platz eingenommen hatten.

 

Links von der Verkaufstheke des Backwarenverkaufsladens war der Durchgang rein in ein Café, das Café Mezzolatte hieß.

Ein ziemlich großer Raum jenseits, der sich für die Gäste des Cafés, nachdem diese die Passage hinaufgeschritten waren, eröffnete, wußte ich. Von früher her.

Alte Zeit. Wie Manuela, meine Begleiterin, alte Zeit war.  

 

Manuela, zu mir nach der Seite her: 'Warum so still geworden, Bern-die. Paßt dir momentan irgendwas nicht?'

Ich: 'Bei dem Straßenlärm rundum redet's sich schlecht, oder?'

Manuela: 'Eh, Bern-die ...? Das kennst du, was? Was meinst du, Bern-die, das Mezzolatte ...?'

Ich: 'Was ist denn damit, mit dem Mezzolatte?'

Manuela: 'Wir können immer zu Joeys rein, Bern-die. Jetzt - oder später. Vorher könnten wir jetzt sofort mal hier reingehen. Ins Mezzolatte, oder? Ja, warum nicht ins Café Mezzolatte, Bern-die? Gehen wir ins jetzt erst mal ins Mezzolatte rein. Ist auch schön, das Mezzolatte.'

Ich zucke die Schulter. Ich: 'Mezzolatte - warum nicht? Auch gut, das Mezzolatte. Können auch ins Mezzolatte reinmachen, wenn du magst. Habe nichts gegen ein Café.'

 

Habe dann losgemacht, habe die Glastüre in den Backwarenverkaufsladen mit der Schulter einwärts aufgedrückt. Dann Manuela mit einem ausschweifenden Wink der Hand und mich servil leicht vorbeugend bezeigt, daß sie an mir vorbei hereinkommen sollte.

Zu mir hat Manuela mit gebleckten Zähnen heraufgegrinst.

Irgendwie, daß ich Manuela unverschämt fand. An dem Grinsen und der Miene Manuelas, einiges, das mir nicht gefiel.

Die Wangen habe ich aufgeblasen, auf Manuela herabgestarrt, während Manuela auf ihren Beinen und in ihrem schwarzsamtigen Minikleid Art Sack an mir vorübergeschwebt ist, bis zu zwei Köpfe unter mir, Manuela.

Abgestoßen habe ich mich mit dem Rücken von der Glasfläche der Ladentür, Manuela hineinzufolgen. Die Verfolgung Manuelas aufzunehmen, Manuela, die schnell ausschritt.

Zuerst wurde das Bäckereiladengeschäft gequert, dann ging es durch die Passage - mit langer Serviertheke samt großer Kaffeemaschine und allem Drum und Dran, dem Regal mit Tellern, Tassen und ein, zwei gerahmten Café-Auszeichnungen an der Wand eins weiter dahinter -, um ins Café Mezzolatte selber zu gelangen.

 

Manuela und ich, mein hochverehrtes Tagebuch, wir waren also im Mezzolatte. Beide gemeinsam im Café Mezzolatte.

Nicht eben menschenentleert, das Café Mezzolatte, an dem Nachmittag.

An den Tischen und auf den Stühlen im Mezzolatte hockten Menschen.

Ein paar Leutchen mit Augen im Kopf. Mit denen der eine oder andre hochschaute, als Manuela eintraf. Auf mich gaffte, ich, bei Manuela knapp dahinter einherschreitend.

Mitten im Café Mezzolatte ist Manuela gelatscht, wählte für mich und sich den Tisch.

Wache Augenpaare, Tagebuch, begutachteten Manuela, wanderten auch über mich drüber.

Viel freundlichere Blicke, Manuela, als ich. Oder was?

 

Ich muß sagen, für mich war der Nachmittag die stinknormalste Welt. Im Café Mezzolatte oder anderswo.

Jede Idee, die ich darüberhinaus habe, Tagebuch, habe ich heute. Das Hier und das Jetzt.

Während diesen besagten Nachmittagsstunden jedoch, die ich mit Manuela verbrachte, diese Stunden, die wir so ausführlich diskutieren, Tagebuch - da war nicht die allergeringste Ahnung von irgendwas Absonderlichem in mir.

 

Kann das nur wiederholen. Das nur wiederholen.

 

*

 

 

Zwanzigster Juli, mein Tagebuch.

Uhrzeit: 01:53.

 

War am Klo. Dann: auf mein Zimmer zurückgeschlichen.

Immer noch die gleiche Stunde, Tagebuch.

Fange trotzdem mit einem neuen Eintrag an. Weil ich Lust dazu habe.

 

Nichts Ungewöhnliches bis hierhin, die Geschichte mit Manuela.

Denkst wirklich darüber nach, worauf der Idiot dauernd abzielt, nicht wahr, mein Tagebuch?

Was ist das nur, was dem Idioten seine Sorgen bereitet? Weiß von nichts, was hier fertigmachen könnte.

 

Warte nur ab, liebes Tagebuch. Warts ab.

Das mit dem Hammer, der mir mit seinen Schlägen auf den Schädel niedersaust, das ereignet sich schon noch in Dir.

Das tippe ich noch alles in Dir, das darfst Du mir glauben.

Müssen wir eben Geduld an den Tag legen, wenn wir später alles ausführlich und detailliert aufbereitet haben wollen.

 

Ziemlich brutal bin ich in der Gegenwart, um in dieser Bildsprache zu bleiben, von diesen Hammerschlägen in Mitleidenschaft gezogen. Reichlich Matsch, mein Kopf.

Glaube, ich sollte einen Psychologen aufsuchen ... Wäre vielleicht gut bei einer Fachkraft aufgehoben.

 

Zurück zur laufenden Szene ...

Wir waren im Café Mezzolatte eingetroffen, Manuela und ich.

Meine Erinnerung, liebes Tagebuch, ist, daß Manuela und ich an einem Rundtisch so in der Nähe der - wenn man hineintrat - rechten Wand im Café Mezzolatte Platz genommen hatten.

Kaum sind Manuela und ich auf unseren Pobacken plaziert gesessen, kommt bereits die Bedienung.

Bei der weißbeschürzten dicken Oberin im Livree geben Manuela und ich unsere Bestellungen auf.

Die ordinärste Welt, Tagebuch.

Tee mit Rum orderte Manuela für sich. Heißen Tee mit Rum, trotz der herrschenden Hitze. Als wäre Manuela nicht heiß genug.

Schulterzuckend bestellte ich für mich das gleiche. Die wulstlippige Dicke, die kellnerte, machte den Abgang.

 

Breit, daß ich Manuela ins Gesicht grinste. Ich fühlte mich beschwingt für neuen Text. Ich: 'Dachte, du trinkst keinen Alk, Manuela ... Jetzt trinkst du aber Alk, im Café Mezzolatte ...'

Manuela: 'Doch, ich trinke Alkohol. Wenn mir danach ist, trink ich was. Wenn ich gesagt hab, daß ich nichts trinke, hab ich davon geredet, daß ich mich nicht jeden Tag bis zum Rand oben vollaufen lasse. Alkohol in Maßen, Bern-die, wenn du verstehst, wovon ich rede.'

War ich zufrieden, das von Manuela zu hören. Allerdings konnte ich es nicht unterlassen, Manuela noch breiter die Runde hinzugrinsen.

Manuela schaute im Cafe Mezzolatte herum. Manuela: 'Weißt du noch, Bern-die? Erinnerst du dich noch an hier? An das hier? Das Eventcafé, Bern-die; das Eventcafé. Lange, lange her. Lang ist das her.'

 

Entsann mich darauf, mein hochgeschätztes Tagebuch, daß ich - es war das erste Jahr, das ich damals als Soldat im Dienst verbracht hatte - von Ali, dem ich zufällig am Bahnhof getroffen hatte, hörte, daß um Weihnachten herum das Eventcafé in Café Mezzolatte umgetauft wurde.

Mit dem neuen Namen verwandelte sich das Eventcafé, in dem jede Woche mindestens eine Nachwuchsrock-, Popgruppe, Jazz- oder Folklorebands auftraten, Nachwuchs-DJs sich am Wochenende bis tief in die Nacht hinein übten, in ein stinknormales Café. Eines, das keine Schalldämmung mehr brauchte. Ein Normalo-Café, in dem bei leiser Alltagsmusik Kuchen, Torten zu genießen waren, Kaffee- oder Teesorten zu schlürfen.

Eigentlich eine Tatsache, daß die Stadt mit dem Eventcafé eine kleine Attraktion verloren hatte.

Als Café Mezzolatte hielt sich das Café jedoch bis in die Gegenwart hinein.

Während das jugendlichere Publikum, das früher das Eventcafé hauptsächlich frequentiert hatte, sich nach etwas anderem umschauen mußte.

 

Für die Leute sicher traurig.

Mich jedoch hat es damals kaum noch interessiert. War schließlich keiner mehr von denen.

Diese Haut, eine Haut, von mir abgestreift. Jemand anderer war ich geworden. In meiner schnieken Soldatenuniform. Die mir stand.

 

*

 

 

Zwanzigster Juli, mein Tagebuch.

02:43 Uhr.

 

Will Dir die Spannung nicht nehmen, liebes Tagebuch.

Obwohl ... Warum eigentlich?

 

Machen wir weiter in der Reihe: Ich und Manuela, wir beide zusammen im Mezzolatte drinnen. Ein Café Mezzolatte, das überhaupt nicht schlecht besucht war.

Die dickliche Bedienung, blondbehaart mit strengem Dutt hinten, in Livreekleidung und mit weißer Schürze vorgebunden, kehrte mit dem Serviertablett mit den Gläsern Tee und Rum zu Manuela und mir zurück. Auf den Tisch abgestellt hat die Dicke mit den Wulstlippen Manuela und mir alles, während ich ihr lächelnd freundlich hinaufgenickt habe, der Dame.

 

Kann Dir wirklich überhaupt nicht sagen, hochgeschätztes Tagebuch, wie dieses feiste Weib, das im Café Mezzolatte ihrer Arbeit nachgeht, mich anstinkt.

Eine Stinkerin ist dieses Weib.

Den Wunsch hätte ich, mich morgen im Laufe des Tages im Taxi in die Stadt fahren zu lassen, ihr hinterherzugehen, wenn sie aus dem Mezzolatte rauskommt. Sie, wenn sie in kein Auto einsteigt, von der Arbeit nach Hause zu verfolgen. Bei ihr daheim mit einem großen Stein nachts die Fensterscheiben ihrer Wohnung einzuwerfen.

Zumindest die Reifen könnte ich ihr am nächtlichen Parkplatz ihres Autos zerstechen. Alle vier.

Einwandfrei könnte ich in solcher Absicht von mir hier aufbrechen, in die Stadt. Für die könnte ich mir sogar ein Mietauto besorgen, ihr nachzufahren ...

 

Wie doof mir dieser fette Weiberarsch gekommen ist, liebes Tagebuch. Wie eine, ganz obendrauf.

In die Fresse hätte ich die hauen können. Jede Menge.

Daß ich mich zurückhalten, beherrschen hab können, schon ein Wunder. So was kann bei mir auch anders sein.

 

Warum, das fragst du mich, Tagebuch? Was hat er denn gegen die Café-Mezzolatte-Bedienung?

Antwort: alles.

An dem Vormittag, als ich den Sekundenschlaf auf der Autobahn hatte, war ich wegen der Scheiß-Manuela-Geschichte, die mir wie eine Krankheit ausgebrochen war, zurück im Mezzolatte. Um im Café Mezzolatte hinsichtlich meiner Person und meiner weiblichen Begleitung am zehnten Juli durch die Gegend zu fragen.

Richtiggehend schlecht ist das mit dem Ausfragen im Mezzolatte für mich gelaufen. Dumm ist mir dieses feiste Weibsbild, die Mezzolatte-Serviertablettbringerin, gekommen.

Daß ich der keine in die Fresse gehauen habe? So mittenrein in die aufgequollene Visage, daß ihr die Wulstlippen noch dicker geworden wären?

Ich meine, schubsen, das hätte ich die zumindest können.

 

Ich, nach dem Erlebnis auf der Autobahn, dem mit dem Sekundenschlaf ... 

Steht ja schon drinnen bei Dir im Speicher drinnen, mein Tagebuch, wie das so zugegangen war. Was für eine Verfassung das war, in der ich mich befand. Welchen Druck ich im Grunde genommen im Kessel hatte.

Da war ich gegen halb zwölf, ehe ich in die Apotheke weitermachte, dann für zwanzig Minuten im Café Mezzolatte. Meine kleinen Fragen im Café Mezzolatte zu stellen. Hinsichtlich Manuela, meiner Begleiterin. Um die ging es mir.

Das große Thema Manuela. Schließlich eins mit Schockwirkung für mich.

Monstermäßig potenzierter Horror, der daraus resultiert, daß ich Manuela am zehnten Juli getroffen habe.

Mit mir ist Manuela im Café Mezzolatte an einem bestimmten Tisch herumgesessen.

Aber, das dickwanstige Weibsbild mit den Geburtsfehlergeschwulstlippen, das da im Mezzolatte kellnert, das wollte sich nicht erinnern.

Zumindest nicht an Manuela.

Nur auf mich entsann sie sich, sagte sie.

Partout keine Erinnerung an Manuela, daß die haben wollte. Nicht das bißchen was Manuela. Als wäre überhaupt keine Manuela da gewesen.

Unmöglich fand ich das mit der Dicken ihrer Erinnerungslücke. Manuela, die wäre da bei mir am Tisch gesessen, beharrte ich. Die bei mir, an dem Nachmittag des zehnten Juli von ihr, der Frau Oberkellnerin, bedient. Ebenso wie ich.

 

Obwohl ich auf die Mezzolatte-Angestellte eingeredet habe, wußte sie nur noch Kleinigkeiten von mir genauer. Ansonsten war sie nicht in der Lage, mir irgend etwas zu einer zu sagen, der bei mir gewesen wäre. Bei mir am Tisch rumgesessen.

Echt böse ist die aufgedunsene Madame mir geworden, liebes Tagebuch.

Hat zu mir hin gemeint, was ich mir denn einbilden würde, ihr dumm ankommen zu wollen. Wie ich mit ihr rede, das verbiete sie sich. Wenn ich sie noch mal irgendwie mit der Hand unsanft anfasse, würde sie Heini, den Koch, holen. Dann würde ich sehen, was ich von dem Stuß hätte, den ich ihr absondern würde. Hätte Heini, der Koch, sich mich erst mal gegriffen, mich angepackt, passend gemacht würde ich von Heini, dem Koch.

Vernünftig spricht sie zu mir: Das könnte doch immer mal vorkommen, daß sie, als Bedienung im Café Mezzolatte, Mezzolatte-Gäste vergaß. Nicht jeden, jede könnte sie immer im Gedächtnis behalten. Gibt schließlich jede Menge Gäste im Mezzolatte. Jeden Tag.

Beschreibe ich Schweinchen Dick Manuela, Manuela in dem knappen schwarzsamtenen Sackminikleidchen, ein weiteresmal. Sage, lange, weiße Beine, die hätte Manuela jedem vorgezeigt. Ziemlich nackig, eigentlich, Manuela, meine Begleiterin. Wenn eine so hübsch verboten nahe an der Grenze zu unschicklicher Nacktheit wo eintrifft, könnte man so eine doch nicht einfach wie nichts vergessen. Das müßte etwas sein, das man als Mezzolatte-Bedienstete im Gedächtnis behalten könnte, wenn eine die Frage aufwarf, hat die ein Unterhöschen an oder nicht.

 

Nein, mein hochgeschätztes Tagebuch, es war für mich nichts zu machen.

Es war der Dicken in Livree nichts für eine bessere Erinnerung beizubringen.

Nichts war los bei der, was Manuela anbetraf. Die reinste Lücke blieb.

Schweinchen Babes letztes Wortwar, daß ich ab sofort im Café Mezzolatte Hausverbot hätte. Wenn es das wäre, was ich wollte, könnte ich das kriegen, Hausverbot.

Na schön, habe aufgehört, Schweinchen Babe mit meinem Stuß zu belästigen, wortreich auf diese gequollenen Gesichtsbacken hinunterzureden. Habe abgedreht.

Brauchte ich das mit Heini, dem Koch? Daß die Drohung, Heini, der Koch, könnte herbeikommen, mir tatsächlich Realität werden könnte?

Am Schluß reichte Heini, dem Koch, die Idee Handarbeit mit der geballten Faust nicht. Schleppte Heini, der Koch, einen Baseballschläger mit an, ihn mir aus gegebenem Anlaß über die Rübe zu ziehen. Daß die Rentner-, innen und diversen männlichen, weiblichen Geschäftsleute in Anzug und Krawatte im Mezzolatte nur so zu schauen anfingen. Was los sein konnte, im Café Mezzolatte. Wie das bei einem zugehen konnte, wenn er die aufgeschwemmte Oberin mit den Wulstlippen zu sehr bedrängte. Wer kam nur auf solche Ideen, die auch noch anzumachen? Hätte man sich im Café Mezzolatte nicht als Livestream für die Augen gedacht.

 

Scheiß drauf, Tagebuch.

Bin aus dem Café Mezzolatte raus.

Den Rest da mit Heini, dem Koch, den konnte jemand anders haben.

 

*

 

 

Zwanzigster Juli, mein Tagebuch.

Weiter hier diese Nachtstunden. Es ist im Augenblick haargenau: 03:39 Uhr.

 

Manuela, Tagebuch ...

Dunkelblonde, lange Haare, Manuela.

Am Körper: schwarzer samtener Minirock, Art Sack. Kurz, der Rock. Je nachdem, wie man solche Dinge sah, sogar unanständig kurz.

Wohlgeformt, die Beine Manuelas. Hatte Manuela seit jeher.

Eine weiße Haut, bei Manuela, ein bißchen die Farbe von Elfenbein. Wächsern angehaucht.

 

Heute fällt mir das Wort untot ein.

Selbst als Leiche, daß Manuela, solange es bei Manuela keine Verfallserscheinungen gab, was hermachen konnte.

O ja, Tagebuch.

 

Alles bei Manuela konnte man ohne weiteres als vielversprechend für Sex betrachten.

Das waren dementsprechend auch meine Ideen, mein liebes Tagebuch. Mein Problem dabei war, daß es für das Ziel auch einen Weg gab.

Ich konnte Manuela nicht einfach ansagen, mach die Beine auseinander. Lass mich ...

Sonst hatte ich bei Manuela keine Sorgen.

 

Wie hätte ich am zehnten Juli unterwegs mit Manuela auf irgendwelche durchgeknallte Einfälle darüberhinaus kommen sollen, bei der Betrachtung Manuelas? Auf irgendwas, was mich auf Ebenen jenseits des Üblichen entführt hätte? Was hätte passieren sollen, an irgendwas Absonderliches zu denken? Eventuell an was Jenseitiges?

Wie denn nur, Tagebuch? Wie denn?

Bitteschön, an was hätte ich denken sollen, mein hochgeschätztes Tagebuch, als an das, woran ich während den Momenten dort dachte?

Keinen Funken einer Idee des Heutigen hatte ich. Was ich im Kopf hatte, hatte mit Sex zu tun? Ein Sexgeschichte war das, an der ich arbeitete?

Mit Manuela wollte ich wo landen. Mich irgendwo an einem lauschigen Plätzchen voll unter Dampf in Manuela reinzuschieben. Bis die Gipfel der Lust erreicht waren. Bei mir auf alle Fälle.

Nichts andres wollte ich.

Nichts andres.

 

Wie hätte mir irgendwie etwas absolut Absurdes einfallen können, so wie Manuela ausschaute?

Einfach obersexy sah ich Manuela.

Zwar kleingewachsen, Manuela. Aber trotzdem, diese langen Beine.

Beine hatte sie, Manuela. Beine.

Beine waren das bei Manuela ... Manuelas Beine ...

Und Manuelas Hüften, wenn die Schwung kriegten.

Daß die Schwung kriegen konnten, wußte ich. Viel, viel Schwung konnten die bei Manuela kriegen.

Beim Gipfelsturm oben hatte ich Manuela bereits öfters gesehen. Brauchte nur in meinem Gedächtnis für eine Sekunde dort was anzuknipsen. Jetzt, nachdem ich vieles mit Manuela wieder parat hatte.

Das wollte ich wiederhaben bei Manuela. Dorthin stürmen.

 

Ein klein bißchen wächsern bleich im Gesicht, Manuela, Manuela da im Cafè Mezzolatte. Aber das war vielleicht höchstens für die Zukunft mal was, Manuela drauf anzusprechen.

Eigentlich war nichts schlimm, an und bei Manuela.

Manuela, eine Schönheit in einem gefährlich kurzen, schwarzsamtenen Sackminikleid.

Probleme, mich nicht ständig da dazwischen hineinblicken zu lassen, hatte Manuela beim Sitzen an meiner Seite. Öfters, daß ich es weiß blitzen sah, wenn Manuela die Beine überschlug.

Ich mußte echt aufpassen, nicht ausschließlich dorthin hinabzulinsen, bei Manuela.

Alleine auf Manuelas Beine zu glotzen, das schien mir nicht klug.

 

Ah, mein Tagebuch!

Nichts als die Wahrheit: Manuelas Beine waren mein Ziel. Manuelas Beine und die Gegend von Manuelas Brüsten - dort angreifen zu dürfen. Hemmungslos hinfassen.

Das wollte ich. Danach verhielt ich mich nach Möglichkeit, das zu bekommen, was ich wollte.

 

Heute erst ... Hier und jetzt in dieser Gegenwart, liebes Tagebuch, habe ich keine Ahnung mehr, wie das mit mir und Manuela genau zugehen konnte. Wie mir das daher- und ankam, das mit Manuela.

Daß ich mit Manuela in der Stadt unterwegs war, an verschiedenen Orten. Dann, daß ich mit Manuela ins Café Mezzolatte reingegangen bin, mit Manuela im Café Mezzolatte herumsaß.

Das ist mir zu einem echten geistigen Problem geworden, daß ich all das mit Manuela konnte. Ein Wahnsinn ist das, der mir die Birne weichklopft.

 

Alles, was mit Manuela zu tun hat, ist für mich in der Gegenwart nur noch zum Kranksein.

Unerträglich, bedrückend, irr. Zum Wahnsinnigwerden. Eine harte Probe für mein seelisches Gleichgewicht.

Ungeheuerlicherweise, aus der Rückschau - eines der Erinnerungsangebote -, daß ich Manuela, während ich mit Manuela im Café Mezzolatte zusammensitze, sogar dann und wann flüchtig berühre.

Rund um Manuela und mir herum sind im Mezzolatte Leute an den Tischen plaziert.

Leute, Leute. Überall Leute.

Leute mit Augen im Kopf.

Einer, erinnere ich mich, hatte einen dunkelgrauen Nadelstreifenanzug an. Seinen Laptop hatte er angesteckt; eine schwarze Leitung verlief zur Steckdose in der unmittelbaren Nähe seines Tisches.

Anscheinend beschäftigte der Mann sich mit Zahlen und Tabellen. Auf einen Zettel notierte er sich diverse Kleinigkeiten. Mit der Rechten tippte er auf dem Zahlendrittel der Laptop-Tastatur herum.

Wie so ein Makler, Anlageberater, so wirkte der Anzugsmensch.

Ein Geschäft konnte er in der Stadt abgeschlossen haben. Irgendwas in der Art.

Ins Café Mezzolatte hatte er sich begeben, ehe er eine Runde weiterfahren wollte. Zum nächsten Kunden. Nebenbei, bei Kaffee und Kuchen, erledigte er ein klein wenig was an anbei fälliger Arbeit.

 

Außer diesem Mann sehe ich in meiner Erinnerung, daß sich im Mezzolatte ältere Frauen aufhielten. So im Rentnerinnenalter, zu zweit oder zu dritt an den Tischen.

Eine Ausnahme war eine junge blonde Mutti, die zwischen all den Alten einzeln an einem Tisch dasaß.

Habe die etwas füllige Blondine ganz deutlich vor meinem geistigen Auge. Ein Kinderwagen-Doppel befand sich seitlich bei der Blonden, daß sie sich nur herunterzubeugen brauchte.

Zwillinge hatte sie demnach.

Eines der Babies fing lauthals zu plärren an, daß Manuela und ich, wir uns nicht weiter miteinander unterhalten konnten. Bloß uns gegenseitig angrinsen. So laut war das Babyschreien.

Auf die Uhr an der Wand gegenüber habe ich im Café Mezzolatte geguckt. Es war knapp sechzehn Uhr dreißig am Nachmittag.

Eigentlich war ich überrascht, daß es erst eine halbe Stunde vor siebzehn Uhr war. Dachte, es wäre schon ein paar Stunden später. Mir war tatsächlich, als wäre ich schon ein paar Stunden mit Manuela unterwegs.

Es hätte gut neunzehn, zwanzig Uhr sein können, früher Abend. Nach meinem Gefühl.

 

Statt mir unbestimmte Ungeheuerlichkeiten angesichts Manuelas Gegenwart einzubilden, was am Schluß dazu geführt hätte, daß mit dem Auftritt Manuelas an meiner Seite vorbeigewesen wäre, fühlte ich mich beschwingt. Dachte, ich könnte mich ruhig stärker ins Zeug legen. Ein bißchen verfeinerter rüberkommen, mit dem Süßholzraspeln.

Nachdem das mit dem Kindergeplärr nachgelassen, schließlich ganz aufgehört hatte, habe ich zu Manuela hin gelächelt und losgelegt. Ich: 'Aber holla, Manuela, zwei auf einen Schlag! Hätte uns damals das eine oder anderemal auch passieren können.'

Manuela: 'Eigentlich nicht. Hatte was eingesetzt, weißt du noch ...?'

Ich: 'Wenn ich mich dich so anschaue, habe ich heute wirklich keine Ahnung, was vor Jahren mit mir los war, daß ich mich von dir trennen habe können. Du bist so was von hübsch, Manuela. Eine der hübschesten Frauen, die ich im Leben kennengelernt habe. Du bist einfach eine Schönheit, Manuela. Voll schön.'

Manuela: 'Weißt du, Bern-die - ich weiß das, du weißt das, daß es bei dir damals ganz gut geklappt, daß du und ich uns getrennt haben. Ein Jahr waren wir fest zusammen - und dann machst du Sachen, daß ich es nicht glauben konnte. Habe dich verlassen müssen. Ich mußte mich einfach von dir trennen. Von einem Moment auf den andern waren wir auseinander. Meine ganze Schönheit, von der du gerade redest, hat am Schluß kein bißchen eine Rolle gespielt, daß du nicht das getan hättest, was du damals getan hast. War damals wohl kaum weniger hübsch als heute. Oder ... - was meinst du, Bern-die? Sagst du was? Der Gedanke, daß du mich verlieren könntest, hat dich nicht groß davon abgehalten, Dinge zu tun, die mir nicht gefallen konnten, Bern-die. In meinen Augen ganz die verkehrten Sachen, die du getrieben hast. Nicht abrücken hast du davon wollen. Und dann bist du mir aus dem Leben verschwunden. Du warst nirgends mehr da, wo ich war. Nicht mehr für eine Sekunde hast du dich irgendwo bei mir befunden. Trotz meiner Schönheit, von der du jetzt gerade redest.'

Dieses Fahrwasser mit seiner gefährlichen Strömung sollte ich so bald wie möglich mal hinter mir lassen, habe ich mich aufgefordert. Wenn Manuela und ich immer wieder auf den gleichen Dreh zurückkamen, konnten doofe Fehler zwangsläufig passieren. Ein einzelnes falsches Wort - ein unverzeihlicher Fehler. Ich: 'Ich bitte dich! Bitte, Manuela! Das war damals ... Das Heute ist das Hier und Jetzt. Heute hat sich vieles verändert.'

Manuela: 'Klar, stimmt schon. Das Heute, das ist das Hier und Jetzt. Aber heute brauch ich das nicht mehr, daß du Student bist. Nicht das kleinste bißchen interessiert mich das.'

Gehüstelt habe ich, von Manuela weggesehen und die Augen verdreht. Ich: 'Trotzdem darf ich dir das doch sagen, wie hübsch du bist, Manuela. Das darf ich dir doch mal sagen, oder? Darf dir das auch öfter sagen, nicht? Weil ich dir das einfach gerne sage, daß du hübsch du bist. Macht doch nichts, dir das immer wieder zu sagen, oder? Weil es einfach wahr ist. Du bist hübsch. Voll hübsch. Du bist eine Schönheit. Schön bist du. Bei jedem Schönheitwettbewerb könntest du erste werden.'

Manuela: 'Hör ich auch immer gern, wenn einer zu mir sagt, daß ich hübsch bin, Bern-die. Kannst es ruhig noch öfter zu mir sagen, wenn du magst. Du mußt wegen mir damit nicht aufhören.'

Ich: 'Im Moment weiß ich wirklich nicht, wie ich so dumm sein konnte, damals. Daß wir uns trennen mußten, Manuela, das hätte nicht zu sein brauchen.'

Manuela: 'Schon flott, wie das zugegangen war. Recht flott, wie wir uns getrennt hatten, Bern-die. Flott, flott. Flott, die Geschichte. Nur ein paar Tage drauf, da hatte ich aber wieder einen Freund. Der hat mich getröstet, Bern-die. Oft getröstet hat mich der. Sehr oft. Immer, wenn ich geweint hab. Dann hatte ich wieder einen Freund. Den nächsten. Alle haben mich gut getröstet. Keiner war so schlecht, daß er mich nicht hätte trösten können. Habe mich immer gern schnell trösten lassen, wenn ich Trost gebraucht habe. Bis ich dich dann ganz vergessen hatte, Bern-die. Ganz vergessen. Irgendwann warst du ganz aus dem Kopf verschwunden. Es gab so vieles, Bern-die, auch ohne dich.'

Ich: 'Ich wollte das, daß du zu mir zurückkommst ... Ich habe versucht, mit dir zu reden. Aber du ... Verleugnen hast du dich immer nur am Telefon lassen ... Von deiner Mutti, deiner Schwester ... Wegen mir hätten wir gut zusammenbleiben können, Manuela. Kann das nur noch mal sagen.'

Manuela: 'Nein, nein, Bern-die. Ich hatte meine Ansichten, eine klare Meinung. Die hast du genau gekannt. Du wolltest das, nicht mehr zu mir dazu zu passen. Du wolltest das. Und so ist es auch gekommen.'

Mir fiel nichts ein, was ich weiter groß labern hätte sollen. Auf der Holzbank im Park hatten Manuela und ich das Thema bereits. Wieder hatte ich es geschafft, die Gefahr zurückzubringen.

Manuela: 'Du warst bis vor kurzem verlobt, Bern-die? Wieder eine Trennung, Bern-die, was? Eine, von der du dich getrennt hast, nicht wahr? War deine Verlobte denn keine Hübsche? War die - eh, Helen heißt die, nicht? - denn nicht hübsch?'

Ich: 'Doch, Helen war hübsch. Helen ist hübsch. Trotzdem hat da nichts mehr hingehauen zwischen Helen und mir ...'

Manuela: 'Wie bei uns, Bern-die. Wie hübsch war die, Bern-die? Wie hübsch? Ist die so hübsch wie ich?'

Ich: 'He, weißt du ... Ich hab mich in Helen verliebt. Weil Helen mir gefallen hat. Helen war hübsch. Du bist hübsch, Manuela. In Ordnung, Manuela, vielleicht bist du sogar noch ein Stückweit hübscher wie Helen.'

Manuela: 'Ah! Ah - ja, Bern-die? Ich bin hübscher wie die ...? Hübscher bin ich wie diese Helen ...? Du sagst, daß ich sogar noch hübscher wie diese Helen bin? Du mußt es ja nötig haben, Bern-die ...'

Ich: 'Ich habe mich in Helen verliebt gehabt - weil Helen mir gefallen hat. Gefallen hat mir Helen. Klar doch ist Helen hübsch. Jetzt aber haben sich Dinge zwischen Helen und mir geändert. Helen und ich haben unterschiedliche Standpunkte eingenommen, fast so, wie bei uns beiden damals. Dies unterschiedlichen Standpunkte haben uns auseinandergebracht. Helen und ich, wir sind auseinander. Wir haben uns getrennt. Obwohl wir miteinander verlobt waren, haben wir uns getrennt. Eigentlich hätte ich Helen die Tage meinen Eltern vorstellen wollen. So in den nächsten Monaten hätte ich Helen gerne geheiratet. Wäre alles nach Plan gelaufen. Bis spätestens Dezember, Januar, Frebruar nächsten Jahres wollten Helen und ich verheiratet sein.'

Manuela: 'Du meinst, Bern-die, du bist momentan ein-sam. Sehr, sehr ein-sam. Du bräuchtest eine ... Eine, mit der du ... Mit der du ... Da, da komme ich dir jetzt gerade recht.'

Ich: 'Mann, Manuela! Ich bitte dich! Wenn du hübsch bist, bist du hübsch. So einfach ist das. Helen, die war aber auch hübsch. Man kann Schönheit doch nicht immer so vergleichen. Jede ist dann anders ...'

Manuela zuckte die Schulter. Manuela: 'Aber, Bern-die - was war, mit dieser Helen und dir? Warum seid ihr beiden nicht mehr zusammen? Warum bist du denn heute nicht mehr mit Helen zusammen, wenn sie so hübsch war, daß sie dir gefallen hat? Sag es noch mal, daß ich hübscher bin als diese Helen. Sag es.'

Das wollte ich nun nicht mehr, Manuela das noch mal wiederholen, um wieviel hübscher wie Helen sie wäre. Den Rest, den wollte ich Manuela auch nicht weiter erörtern, irgendwie. Ich sang lieber dieses Lied. Ich: 'Hübsch bist du, Manuela. Fast würde ich sagen, du bist noch viel, viel hübscher geworden. Noch viel, viel hübscher als damals. Kann dir nur sagen, wie ich das gerade bereue, das, wie das damals zwischen uns gelaufen ist. Vielleicht hätte ich doch über das nachdenken sollen, was du gewollt hast. Hätten uns jedenfalls nicht total aus den Augen verlieren müssen, Manuela. Schlimm, daß das passiert ist.'

Manuela: 'Tja, Bern-die, ist aber passiert. Wir haben uns aus den Augen verloren. Das ist nun wirkliche Tatsache, daß wir seit Jahren nichts mehr voneinander wissen. Seit zehn Jahren.'

 

Hört sich nichts allzu schrecklich an, nicht wahr? Du nennst es Wiederholung, Tagebuch, nicht?

Wie ich das Geplapper da zwischen Manuela und mir im Mezzolatte in Dir ungefähr umsetze, mein Tagebuch, das verbreitet nicht viel Schrecken in Dir.

 

Aber - mich ... Mich schüttelt's.

Vor Entsetzen.

Total auf Horror bin ich eben.

 

Pause.

 

*

 

 

Zwanzigster Juli, mein Tagebuch.

Uhrzeit: 05:04.

 

Ich war auf Horror. So richtig auf Horror.

Der blanke Horror, der mich angefaßt hatte, Tagebuch.

 

Anders ist das nicht zu nennen, was mich erwischt hatte, als - Horror!

Der Horror, minutenlang hatte mich der im Griff.

 

Die Brust war mir wie zugeschnürt. Schwierigkeiten hatte ich, Luft zu kriegen. Für lange, lange Minuten.

Geschüttelt, daß es mich hat. Am Fußboden unten war ich herumgelegen. Weil ich nicht mehr am Drehstuhl droben sitzen konnte.

Im wahrsten Sinne des Wortes, daß es mich vom Stuhl heruntergeschüttelt hatte.

 

So hat es mich im Leben noch selten angepackt, Tagebuch.

Nachdem ich vom Boden aufstehen hab können, habe ich unter die Dusche müssen.

Neue Klamotten habe ich mir angezogen ...

Auf meinem Zimmer mit dem Wassereimer und so ...

Das hatte ich vorgestern, gestern auch. Das gleiche.

Eine Heldengeschichte ist sie nicht gerade, die meine.

Alles zu wahrheitsgemäß zu tippen ist nicht leicht.

 

Das mit Manuela - die Manuela-Geschichte -, die muß trotzdem weitergehen. Egal, wie sehr ich die Hosen voll habe.

Es muß in Dir fortgesetzt werden, liebes Tagebuch.

Kann einigermaßen tippen ... Ich meine, Worte werden mir autovervollständigt, Satzzeichen gesetzt.

Paßt schon, das Programm.

 

Ob das mit Manuela nun möglich sein konnte oder nicht, hochgeschätztes Tagebuch, Manuela war am zehnten Juli da bei mir. Während den Nachmittagsstunden des zehnten Juli war Manuela mir gegenwärtig.

Manuela, eine körperliche Präsenz.

Ich hatte sie vor meinen Augen, sie, Manuela. Ganz unmittelbar.

Berührt hat Manuela mich, denke ich. Ich Manuela auch. Ab und an mal so kleine, flüchtige Berührungen.

Gespürt habe ich Manuela, Manuela gespürt; nicht durch sie durchgefaßt oder so.

Weiß nicht, es ist unbegreiflich.

 

Überlegt man sich das, waren Manuela und ich ziemlich lange im Mezzolatte, Tagebuch. Manuela und ich, wir beide im Café Mezzolatte.

Normal gewirkt hat im Café Mezzolatte alles mit und bei Manuela auf mich. Immer.

Das Geschehen mit Manuela, auch eins mitten unter Leuten.

Darauf, daß was mit mir oder Manuela falsch sein könnte, wäre ich nie gekommen. Bin auch nicht auf so was gekommen.

Nichts war für mich absonderlich, Tagebuch. Nichts absurd.

Fast unerträglich alles dagegen heute. Kaum auszuhalten.

Es bringt mein Herz zu Aussetzern, so regt mich das auf. Herzrhythmus-Störungen habe ich davon.

Ständig versuche ich, den Spaß mit Manuela kühl zu betrachten. Trotzdem entdecke ich mich, die Faust links gegen die Brust gedrückt, Herzhöhe.

 

Bleiben wir weiter in der Reihenfolge der Geschehnisse, Tagebuch ...

Immer schön eins nach dem anderen. Wir kommen schon noch am Ort an.

 

Tief durchatmen, Bernd. Langsam ein und aus.

Ruhig werden, Bernd. Ganz ruhig.

Das Geschüttle, wieder weniger ...

Im Café Mezzolatte, Manuela und ich. Ich, zusammen mit Manuela im Café Mezzolatte.

Was war als im Café Mezzolatte als nächstes?

Einen Moment habe ich mich von Manuela verabschiedet, um aufs Klo zu machen.

Als ich Richtung WC latschte, habe ich im Vorbeigehen der weiblichen Bedienung im Mezzolatte hingesprochen, daß ich zwei Pils wolle, der dicken Dame zwei Finger gezeigt.

Als ich zurückgekommen bin vom Klo, befand sich die dickliche Dame im Livree und mit weißer Schürze vorgebunden bei Manuela am Rundtisch. Kein Wort, das die wulstlippige Mezzolatte-Angestellte mit Manuela gewechselt hätte. Beachtet wurde Manuela nicht von der.

Zwei Bierflaschen und die Gläser dazu hatte die Mezzolatte-Bedienung auf die Tischfläsche in der Mitte nebeneinander hingestellt. Und ich fragte mich beim Hingehen, worauf die Dicke wartete, wieder von meinem und Manuelas Tisch wegzugehen. Statt dessen blickte die mir seltsam entgegen.

Möchte das Miststück was? Meine Frage.

Kopfnickend zu Frau Oberin hin habe ich mich, am Tisch zurück angekommen, auf meinen Stuhl niedergehockt. Ich erwartete, daß die Mezzolatte-Bedienung ihren Arsch für den Abgang in Bewegung schaffte. Oder die erste Pilsflasche griff, Manuela oder mir einzuschenken.

Alles ganz anders. Das feiste Weib, das im Mezzolatte bediente, griff sich den Flaschenöffner von der Tischfläche, machte mir und Manuela die Bierflaschen klar. Dann nahm sich die meiner an, sprach zu mir herunter, daß ich, wenn ich mich vollaufen lassen wollte, auch in eines der Wirtshäuser der Umgebung aufbrechen könnte. Bringen würde sie mir jedenfalls keine weiteren alkoholischen Sachen mehr. Zudem hätte sie den Wunsch, daß ich auf der Stelle zahle, zweimal Tee mit Rum und zweimal für die Flaschen Pils.

Habe ich denn, weil Manuela regungslos, stumm blieb, keine Anstalten machte, selbsttätig sich nicht ranschaffen wollte, Geldwertes hervorzubringen, die Rechnung für uns beide, für Manuela und mich, bezahlt.

Danach, daß die Mezzolatte-Oberin es zufrieden war, abmarschierte.

Ich, nach der Seite zu Manuela hinüber, als ich sicher war, daß Frau Oberin fort war, nicht zu Manuela und mir zurückkehren wollte: 'Was bildet die sich denn ein, die fette Schlampe? Redet uns hier drinnen schief an, nicht zu glauben. Beschweren würde ich mich am liebsten über die. So mit Gästen zu reden ...'

Manuela zuckte die Schulter.

Ich: 'Paßt dir das etwa, wie das Miststück uns anschaut und oberblöd anredet?'

Manuela wiederholte ihr Schulterzucken. Manuela: 'Soll ich mich jetzt deswegen aufregen? Fällt mir überhaupt nicht ein. Ist ja fort, oder?'

Mit dem Papiertaschentuch aus meiner Hosentasche wische ich mir die Stirn her, die Wangen. Der Tag mit seinen hohen Temperaturen; dazu der gezuckerte Tee mit Rum, der heiß war und mir ziemlich rasant die Kehle hinabgelaufen war. Währenddessen Manuela, die an ihrer Glastasse eher herumgenippt hatte, keine solchen Probleme zu kennen schien.

Ich: 'Ich würd' sagen, Manuela, wir verschwinden auf der Stelle von hier. Scheiß auf das Mezzolatte. Gehen wir zu Joeys.'

Manuela guckte mich bloß so seltsam starr an. Ihre Schulterzuckerei wiederholte Manuela mir.

Vor sich hinstarrend, blieb Manuela am Stuhl sitzen. Anscheinend hatte Manuela trotz des Vorfalls mit der Mezzolatte-Bedienung kein Interesse daran, ohne Verzug zu Joeys aufzubrechen.

 

Wäre die Welt für mich heutzutage nur auch so belanglos banal, mein hochgeschätztes Tagebuch, wie der Text droben gegengelesen daherkommt - alles wäre für mich weltweit in allerbester Ordnung.

Leider jedoch ist das Ganze für mich nicht mit einer wegwerfenden Handbewegung abzutun. Für mich bleibt es dabei, daß alles nur sehr schwer für mich erträglich ist.

Sehr schwer ist das für mich erträglich, daß mir - MIR - irgendwas mit Ma-nu-ä-la widerfahren konnte. Wo immer Manuela und ich an dem Nachmittag des zehnten Juli waren. Wenn die ...

Wenn die ...

 

*

 

 

Zwanzigster Juli, mein Tagebuch.

Mittagszeit. Genaue Uhrzeit: 13:07.

 

Hatte mit eineinhalb Schlaftabletten ein wenig Schlaf.

Fühlte mich zehn Minuten nach meinem Erwachen und einer kalten Dusche sogar frisch und erholt.

Einigermaßen erweckte alles einen Eindruck, wie normal. Nur, daß bei mir nichts normal ist.

Meine Mutti hat wenigstens, als ich heute gegen halb zwölf bei ihr in der Küche aufgetaucht bin, nicht viel davon dahergeredet, daß ich schon mal besser ausgesehen hätte.

Zu Mittag habe ich Gemüseeintopf mit Würstchen gegessen.

 

Das mit meinen Panik-, Angstattacken, erst mal abgeklungen.

Der Schweiß tropft mir nicht mehr nur so die Nase herunter, aus Angst vor irgendwas Namenlosem.

Die Zitterei hat ein Maß, daß ich Dinge machen kann. Als wäre nicht viel was bei mir los. Mein Herzschlag, relativ normalisiert.

Nicht einmal, daß mir beim Essen in der Küche der Löffel aus der Hand gefallen war. Mußte weder die eine noch die andere Hand wegtun oder gar festhalten, um meine Zitterei vor Mutti zu verbergen.

 

Der Schüttelzustand, der gegen halb fünf in der Früh allerdings, der war beinahe wie ein epileptischer Anfall.

Minutenlang, daß der bei mir angehalten hatte.

Beängstigend, Tagebuch.

Nie früher erlebt, ähnliches, was mich da im Griff hatte.

 

So ein Worterkennungsprogramm, das einem bei der Zeichensetzung hilft, so oder so immer eine gute Sache.

Jetzt, hier, in Dir, Tagebuch, nun die nächste Fortsetzung der Geschichte zwischen Manuela und mir im Café Mezzolatte.

Im Café Mezzolatte waren Manuela und ich noch für ein kleines Weilchen. Rausgeschmissen aus dem Mezzolatte hat keiner Manuela und mich.

Leider.

Diese Aufregung mit der dazugehörigen Aufmerksamkeit der Menschen rundum im Café-Umkreis hat es nicht gegeben.

 

Ihre Flasche Pils befingerte Manuela, machte sich allerdings nicht daran, es mir gleichzutun, sich den Bierinhalt ins Glas einzuschenken. Bis ich das dann zuvorkommend für Manuela gemacht hab. Ich hab mich am Tisch rübergebeugt, mir die Pilsflasche Manuelas gegriffen, Manuela das Pilsglas mit Inhalt gefüllt.

Manuela eröffnete die nächste Gesprächsrunde: 'Amsterdam, Bern-die. Amsterdam ...'

Was sollte ich dagegen haben, wenn Manuela mir von Amsterdam daherschwatzen wollte? Ich schaute blinzelnd von Manuelas Gesicht fort, um meinen Blick zu Manuelas nackten Oberschenkelpartien hinabwandern zu lassen.

Nennt sich Faszination, so was. Bei jeder Gelegenheit suchte mein Blick diese Landschaft heim. Dort hatten meine Augen längere Weile, um fortzuhuschen.

Manuela: 'Meine absolute Lieblingsstadt, Amsterdam. War letztes Jahr das letztemal in Amsterdam, Bern-die. Im Januar. Mit Rocko. Für Hansi. Kennst du Rocko noch, Bern-die?'

Den Kopf habe ich geschüttelt. Rocko, bei dem Namen war ich in dem Moment blockiert; daß mir irgendwas zu einem eingefallen wäre, der Rocko genannt wurde und mir bekannt sein sollte, nicht das bißchen was.

Manuela: 'Hihi! Hihi, Bern-die! Rocko, er war mein zweiter Liebhaber, damals, Bern-die. Mein zweiter damals, damals nach dir. Nachdem wir uns getrennt hatten. Erst war da Timmi für zwei, drei Tage, dann Rocko. Dann Beppi. Dann ... Du hast Rocko doch damals gekannt, Bern-die ... Du erinnerst dich wirklich nicht an Rocko?'

Die Mundwinkel hatte ich herabgezogen; hatte weiterhin total die Blockade, was jemand mit dem Spitznamen Rocko anbetraf.

Manuela: 'Müßtest dich aber noch an Rocko erinnern ... Rocko hatte früher immer eine Sicherheitsnadel in der unteren Lippe. Daran eine Silberkette, die er am Ring im Ohr festgeklippt hatte. Hat Rocko heute aber alles nicht mehr. Die letzten Jahre hat Rocko nur noch normal ausgesehen. Ziemlich einen Bierbauch hat Rocko gekriegt hat und voll die Glatze ... Alt, Rocko, hihi, Bern-die, obwohl er auch nicht viel älter wie du ist. Da hat einer wirklich mal besser ausgesehen in seinem Leben. Hihi! So kanns kommen.'

Doof, daß ich Manuela angeguckt habe. Andererseits, jetzt kannte ich Rocko wieder. Jetzt konnte ich Rocko bei mir wo hintun. Von Rocko hatte ich schon mal eine auf die Nase gekriegt. Einiges an Nasenbluten danach.

Manuela: 'Also, Rocko, mit Rocko war ich damals zusammen. Dann mal wieder ab und zu. Rocko und ich sind die ganze Jahre weiter gute Bekannte geblieben. Rocko und ich, wir haben uns nicht aus den Augen verloren. So wie ich dich. Rocko war mal wieder bei Hansi oben. Gebuckelt hat Rocko bei Hansi. Hat Hansi gefragt, ob er nichts für ihn, Rocko, hätte. Einen Job. Im Dezember vor eineinhalb Jahren war das. Rocko wollte was für Hansi machen, weil Rocko Schulden hatte und voll klamm war. Hansi hatte dann was für Rocko. Hansi hat Rocko gefragt, ob er nicht eine Tour für ihn machen wolle. Eine größere Tour fahren. Das erste Mal für Rocko eine Tour für Hansi. So was hatte Rocko noch nie gemacht. Zwei andere, die das sonst für Hansi machen hätten können, auf dieser Tour zu fahren, waren Hansi kurzfristig ausgefallen. Mensch, ich hab gehört, wohin Rocko die Tour machen sollte: Amsterdam. Da hab ich Hansi mal wieder von Amsterdam vorgeschwärmt. Zu Hansi gesagt, wie gern ich mal wieder nach Amsterdam machen würde. Eine Reise nach Amsterdam, das wäre doch was. Da hat Hansi mich plötzlich gefragt hat, wie das denn wäre, das mit mir. Hätte doch nichts dagegen, Rocko zu begleiten. Mit Rocko mitzufahren. Zusammen mit Rocko nach Amsterdam, für zwei, drei Tage. Wenn es für Rocko das erste Mal war, daß Rocko nach Amsterdam fährt. Ich war total Feuer und Flamme, wieder mal nach Amsterdam zu kommen. Das einzige dabei, was mich gestört hat, war, daß das keine Vergnügungsfahrt war. Daß Rocko nicht zum Vergnügen nach Amsterdam fahren sollte, sondern für eine Tour. Und ich bei Rocko am Beifahrersitz. Mit Rocko auf einer Scheiß-Tour. Und Rocko, der war doch eigentlich ein Affe für Hansi. Sagte Hansi öfters von Rocko, was das für ein blöder Affe wäre. Ein blöder Affe, dieser Rocko, den hätte er gefressen.'

Ich, mir mit dem Papiertaschentuch in meiner Hand das Gesicht herwischend - es war heiß an dem Nachmittag; ein heißer Sommernachmittag, der Tee mit Rum war heiß gewesen, der Tran war bei mir ein klein wenig am Ankommen -, mal dumm gefragt, obwohl ich mir ungefähr etwas andachte: 'Was ist das denn, eine Tour, Manuela ...?'

Die Augen hat Manuela mir gegenüber verdreht. Manuela spricht: 'Die hat mich ins Gefängnis gebracht, die Tour. Die Scheißdreck-Tour mit Rocko. Fünfzehn Monate sollten es ursprünglich für mich sein. Davon habe ich letztes Jahr sechseinhalb absitzen müssen. Gute Führung, Bern-die, deswegen kam ich früher raus. Hansi hatte einen guten Anwalt für mich. Die letzten beiden Monate hatte ich schon wieder Freigang. Bin heute bin ich eigentlich immer noch nur auf Bewährung draußen. Alles bloß, weil sie Rocko und mich abgefischt haben. Bei der Heimfahrt. Schöne Bescherung war das. Die Halunken da in Amsterdam, die haben Rocko und mich auflaufen lassen. Voll Stoff auflaufen. Was das sollte, hat Hansi mir nie recht erklärt. Mir nie richtig erklären mögen. Bis heute verstehe ich das nicht so ganz. Obwohl ich, seine Freundin, in den Knast gewandert bin, hat Hansi das mit den Amsterdamer Brüdern nicht auf Eis gelegt, seine Geschäfte mit denen zu machen. Konnte das nicht verstehen, habe ich Hansi auch gesagt. Sage zu Hansi, wenn die schon einmal link waren, könnten die einwandfrei wieder link werden. Müßte Hansi doch klar sein, das. Aber Hansi hat zu mir hin nur mit den Schultern gezuckt. Mit den Amsterdamer Leuten ist Hansi bis heute im Geschäft. Nichts, das sich für Hansi verändert hatte. Nicht wegen Rocko. Auch das nicht, daß ich zufällig mit Rocko mitgefahren bin. Mich hat Hansi angeschaut, als ich ihn dann noch mal drauf angeredet hab, so Augen, daß ich doch selber an allem schuld wäre. Weil ich unbedingt mit Rocko mit hätte müssen. Obwohl er Pläne mit Rocko hatte, hätte ich mit Rocko mit müssen.'

 

Angeguckt habe ich Manuela. Manuela, bei der sich zwischendurch das Glas mit ihrem Pils ziemlich geleert hatte. Meines war dagegen noch gut gefüllt.

Das Bild habe ich dann mal abgeändert.

 

*

 

 

Zwanzigster Juli, mein Tagebuch.

Früher Nachmittag. Es ist 14:43 Uhr.

 

Weiß nicht, Tagebuch, das, was Manuela da im Café Mezzolatte in meiner Umgebung daherplapperte, meine Welt war das nicht.

Sonst, viel empfunden habe ich bei dem, was Manuela mir dahergeschwatzt hat, nicht.

Wollte Manuela schließlich nicht heiraten. Sondern Manuela nur für ein paar unverbindliche Sexgeschichten haben.

Sex hatte ich im Kopf. Deswegen war ich unterwegs. Und Manuela konnte mir gut bei der Sache Sex helfen, wenn sie wollte. Für diesen Tag. Oder auch die nächsten Tage. Sogar die folgenden Wochen durch. Bis ich wieder zum Studieren hochfahren mußte.

Je nachdem, wie es immer so zugehen würde zwischen Manuela und mir, konnte Manuela mir eine Hilfe sein.

 

Wie das mit Manuelas Gerede im Mezzolatte dann weiterging?

Manuela hat mir das mit ihrem Aufenthalt in Amsterdam weiter erläutert. Frei aus dem Gedächtnis geht das ungefähr so ...

Bitte, mein hochgeschätztes Tagebuch, das mußt Du sehen: Woher sollte ich das denn sonst haben als von Manuela?

Manuela spricht das zu mir, Manuela gibt mir diese Informationen. Von Manuela weiß ich das, bitteschön.

Wirklich, ich kann das nur von Manuela persönlich haben. Das, was ich jetzt in Dir tippe.

Ich bitte Dich, Tagebuch!

Die Brüder in Amsterdam, Rocko, Manuela, in Hansis Auftrag nach Amsterdam gefahren, Rocko, Manuela kam mit Rocko mit. Dummerweise, weil ...

 

Manuela und ich an dem Tisch im Café Mezzolatte ...

Manuela: 'Diese Drecksärsche da in Amsterdam. Diese Drecksärsche. Solche Drecksärsche waren das. Kaum die gesehen, waren die mir unsympathisch. Von Anfang an hatte ich bei denen so ein Gefühl, Bern-die. So ein Gefühl, sage ich dir. Rocko, der doofe Sack, dem habe ich auch was davon gesagt, was ich bei denen fühlte. Aber Rocko, der Doofsack, der hat das nicht einsehen wollen, daß an der Geschichte was faul sein könnte. Haben Rocko und ich gestritten deswegen. Den Finger hält Rocko mir auch direkt unter die Nase, ist wütend. Das Ding wollte Rocko durchziehen, bis zum Schluß. Für Hansi. Komme, was wolle, wollte Rocko Hansis Auftrag erledigen, sich bei Hansi als verläßlich zeigen. Und dann ab, zusammen mit mir, Hansis Freundin, für die Heimreise. Dann war alles gut für Rocko. Weiter hatte Rocko keine Gedanken. Weil ich dabei war, dachte Rocko sich nichts Böses, ich, als Hansis Freundin. Hätte besser auf mich vertraut, der leibe Rocko. Wie Leute einem ankommen, welchen Eindruck sie machen, Rocko echt egal. Schließlich kannte Hansi die, und Hansi wußte das am allerbesten, ob die vertrauenswürdig waren oder nicht. Ich hätte, als Hansis Braut, ja auch daheim bei Hansi bleiben können. Nicht mit nach Amsterdam mitfahren müssen. Hätte er, Rocko, nichts dagegen gehabt. Er, Rocko, hätte keinen Aufpasser-Wauwau gebraucht, der ihm Geschichten erzählte, die am Schluß bei Hansi nicht gut kommen würden, wenn er, Rocko, wieder bei Hansi zurück war, und er nicht das getan hätte, was Hansi wollte. Ihn, Rocko, liebte er, Hansi, nicht, wie Hansi mich liebte. Mir würde er, Hansi, wieder Küsse schenken, ihm, Rocko, nicht. Und er, Rocko, er brauchte das Geld. Dringend. Den Lohn von Hansi, den mußte er haben.'

Schweigen am Tisch im Café Mezzolatte zwischen Manuela und mir. Nichts fiel mir ein, was ich großartig in Manuelas Richtung zu reden gehabt hätte.

Manuela: 'Na ja, aufmerksamer habe ich Rocko gemacht. Trotzdem war Rocko schnell beruhigt, als sie ihm und mir tags drauf schulterklopfend gekommen sind. Eine Vorführung haben sie für Rocko und mich gemacht. Ein Labor und Maschinchen hatten sie, zum Vorzeigen. Zeigten Rocko und mir verschiedene chemische Mischverhältnisse. War schon interessant. Am Schluß, wie das Runde, Ovale oder Würstchen im Plastik gepreßt und verschweißt wird. Scheiße, Bern-die, als ob die alles nicht ratzfatz  abbauen hätten können, das wieder woanders hinschaffen. Scheiße war auch das, daß ich mir einen Anteil genommen hab. Bin tatsächlich bei denen in der Hütte nach nebenan, habe mir ein paar der Dinger dazwischen reingetan. Wie ich da drauf gekommen bin, was mich da geritten hat? Weiß ich nicht. Ich muß nicht richtig ticken. Da hat Hansi vielleicht gelacht, sag ich dir. Verlangt hat das von mir keiner, hat Hansi gemeint. Verlangt hat das von mir wirklich keiner. Hansi hat nichts davon gesagt, daß ich so was tun sollte. Für mich hätte es einfach eine Reise nach Amsterdam sein sollen, weiter nichts. Zwei, drei Tage Amsterdam. So aber war ich unglaublich. Einfach unglaublich. Wäre ich nur so einwandfrei bei Rocko mit dabei gewesen, als Beifahrerin. Nüchtern, ohne alles, einfach nur bei Rocko mit dabei am Beifahrersitz ... Verstehst du, was ich sage, Bern-die? Ja, alles hätte nicht so schlimm für mich kommen müssen, wie es gekommen ist.'

Ich, blöd die Runde geguckt: 'Nö! Versteh nicht viel, was du da redest ...?'

Manuela: 'Im Tran war ich leicht, habe ja davon eine Nase probieren müssen. Im Tran bin ich auf die Idee gekommen. Tranig. Obwohl ich nichts gemußt hätte, Bern-die. Nichts hätte ich gemußt. War alles eigentlich alles alleine Rockos Sache und die von Rockos Wagen. Ich meine, ich würde sagen, so sehr war ich doch auch plötzlich von denen getäuscht. Daß ich plötzlich Vertrauen zu denen gefaßt hatte. Obwohl mir da immer noch was anstank, da bei denen dort. Man muß sich vorstellen, eigentlich war Rocko für alles verantwortlich. Ich wäre nur so bei Rocko dabei gewesen, daß Rocko, der Idiot, sich nicht dauernd verfährt. Auch wenn Rocko Navi hatte. Die Brüder da in der Bude in Amsterdam haben dann so gescherzt, daß ich doch eigentlich noch mehr bei mir unterbringen könnte. Wenn ich schlucke ... Ein Häuflein schlucke. Runterschlucke. Mageninhalt. Doch auch kein Problem; nichts ein Problem, oder? Haben sie mir einen Beutel Dinger rübergeschoben. So viele, wie ich Lust hätte, könnte ich schlucken. Und ich habe das auch gemacht, einzeln ... Mit Wasser habe ich das hinuntergetrunken. So glotzend, daß Rocko mir dabei zugeschaut hat. Fünfzehn von den Ovalen waren es, Bern-die. Dann hab ich nicht mehr gewollt. Schließlich war an Rockos Wagen in der Garage nebendran alles soweit, konnten Rocko und ich abfahren. Aber ich brauchte noch mal eine Viertelstunde, weil ich aufs Klo mußte. Haben die Brüder gemeint, als ich bei Rocko und ihnen zurück war, daß ein Wagen von ihnen mich und Rocko begleiten würde. Uns den Weg zeigen. Wenigstens eine Viertelstunde. Habe ich gemeint, daß ich doch bei Rocko dabei wäre, ich mich gut genug auskennen würde, in und um Amsterdam. Navi hätten wir auch im Wagen, Rocko und ich. Haben die da so nett drauf bestanden, voll nett, freundlich gelabert, daß alles kein Problem für sie wäre, uns noch eine Viertelstunde zu begleiten. Sie würden uns einfach vorausfahren, dann wären wir schneller. Rocko war wie auf heißen Kohlen, Rocko war alles eins. Total piepegal, solange er nur endlich wegkam, es wieder auf Fahrt und in die Heimat zurückging. Die Schultern hat Rocko zu mir hin gezuckt, ehe wir ins Auto eingestiegen sind. Zwei von den Kerlen sind uns in ihrem Wagen vorausgefahren. Oder hinter uns her. Je nachdem. Nahe von ... (habe den Namen der niederländischen Ortschaft vergessen, die Manuela mir genannt hat, Tagebuch) ... war unser Geleitfahrzeug plötzlich verschwunden. Dafür war da plötzlich ein Motorradpolizist beim Auto mit Rocko am Steuer nebendran. Der niederländische Bulle auf dem Motorrad hat Rocko signalisiert, wir sollten in den Rastplatz für Lastwägen einfahren, der voraus in Sicht kam. Das hat Rocko ohne weiteres gemacht. Zunächst haben sie Rocko und mich nur ins Röhrchen blasen lassen, als wäre gewöhnliche Alkohol-, Drogenkontrolle. Eigentlich war nur ich ein bißchen hacke, daß ich mir keine größeren Sorgen gemacht hab. Hab kein Auto chauffiert; echt nicht. Dann haben Rocko und ich einem Polizeihund zugeschaut, der bei uns an der Karre herumgeschnüffelt hat. Der Köter hat schnell gebellt und sich wild aufgeführt. Dabei haben unsere Amsterdamer Freunde uns versichert gehabt, alles wäre einwandfrei. Keine schnüffelnden Straßenköter, die wir zu fürchten hätten. Nicht die kleinste Brise eines Geruchs, den Schnüffelviecher in die Nasen kriegen würden. Voll die Lüge. Angelogen haben die Rocko, mich. Die von der Polizei haben angefangen, Rockos Auto haarscharf zu untersuchen. Dauerte echt nicht lange, bis die das erstemal etwas zum Vorschein brachten. Etwas, das sie Rocko und mir unter die Nasen gehalten haben. Haben gefragt, was wir, Rocko und ich, dazu zu sagen hätten. Rocko schwieg, und ich wußte auch nicht recht, was ich auszusagen gehabt hätte. Bei der Eindeutigkeit der Lage. Weitere Funde hatten die schließlich, mußten Rocko und ich nicht lange warten. Alles war sonnenklar. Für die von der Polizei. Für Rocko und mich. Rocko und ich, wir fuhren einzeln ab, in den Knast da. Wurden weiter verhört. Meine Hinterlassenschaften dort auf dem Klo haben sie sich angesehen, das, was bei mir hinten rauskam. Das, was vorne drin reingeschoben war, hatten sie da bereits. Mann, Mann! Rocko und ich, wir sind von den Amsterdamer Brüdern geradewegs dorthin geleitet worden, wo die Polizei gerade Fahrzeugkontrollen gemacht hat. Hatte Rocko und mich gelinkt, Hansis Amsterdamer Kontakt. Rocko und ich, für die niederländische Polizei waren wir ein Volltreffer. Mich haben sie nach einem Monat auf deutsches Gebiet abgeschoben. Rocko sitzt als Fahrer und Hauptverantwortlicher heute noch da im Gefängnis ein. Ich konnte meine Freiheit daheim nicht lange genießen, weil ich sowieso Bewährung hatte, hat mich der Polizeitransporter abgeholt. Das Delikt in den Niederlanden war ein Bruch der Auflagen. Für mich wurde eine neue Verhandlung angesetzt. Wurde verurteilt. Mußte einsitzen. Monatelang. Sechseinhalb lange Monate. Habe Hansis Bruder am Telefon gefragt, was das sollte. Warum passiert Rocko so was, wenn ich bei Rocko Copilot bin? Hat Hansis Bruder mir keine meiner Fragen richtig beantworten mögen. Bis heute nicht. Hansi, der hat die Verbindung zu diesem Amsterdamer Kontakt nämlich nicht etwa abbrechen mögen, wegen dem mit mir und Rocko. Weiter läßt Hansi Touren fahren, zu denen. Auch heute noch tun das welche, für Hansi. Bloß Rocko, dem haben sie übel mitgespielt. Rocko, der ist aufgelaufen. Bis heute. Und, wie der Zufall so spielt, ich war mit Rocko mit auf der Tour dabei. Bei Rocko mit an Bord. Ich hatte da was Schönes von. Monatelang Gefängnistage. Wenn Hansi was davon gewußt hat, daß da was beabsichtigt war, so ein Manöver, um den Bullen was Handfestes zu geben ... Wenn Hansi mich dann bei Rocko im Wagen mitfahren läßt ... Warum hat Hansi das mit mir gemacht? Habe ich nicht immer alles für Hansi getan? So, wie ich Hansi liebe ... Keine liebt Hansi wie ich Hansi liebe.'

 

Wußte im Mezzolatte nicht recht, Tagebuch, was ich mit dem ganzen Geschwätz Manuelas anfangen sollte.

Den Kopf habe ich zu Manuela hin geschüttelt, bin stumm vom Stuhl im Mezzolatte aufgestanden. Um das nächstemal aufs Klo zu latschen.

Bitte, Tagebuch! Das ist Wissen, das ich von Manuela habe. Aus Manuelas Mund.

Auf die Art hat Manuela das im Café Mezzolatte ungefähr zu mir gesagt, das Obige.

 

Dieser Hansi zum Beispiel, wie wäre ich denn sonst auf den gekommen? Woher könnte ich von diesem Hansi viel wissen, wenn nicht von Manuela?

Aus welchem Nasenloch würde ich mir Hansi und das mit dem herausziehen, wenn ich vorher kein bißchen was von Hansi und dem Zeugs mit Hansi gewußt hab? Nicht für irgendwas.

 

Ich weiß das von Hansi, weil Manuela mir das von Hansi und diesem Müll mit Hansi, der Rocko und sie, Manuela, auflaufen hat lassen, erzählt hat.

Im Mezzolatte habe ich das aus Manuelas Mund erlauscht, erfahren dürfen. Drinnen im Mezzolatte. Als wir an jenem Nachmittag zusammen waren. Manuela und ich, im Café Mezzolatte ...

 

Es ist zum Wahnsinnigwerden, Tagebuch.

Das kann nicht sein, das, daß ich was von diesen Dingen weiß, hätte ich mir das mit Manuela im Mezzolatte bloß eingebildet. Das Gelaber Manuelas, das hat schließlich geradezu was von Internas. Etwas, was nur einer wissen kann, der irgendwo einem inneren Zirkel angehört.

 

Woher denn hätte ich diese realen Kleinigkeiten vorher haben sollen, Tagebuch? Von wo?

Wenn Manuela mir das nicht mitgeteilt hätte, hätte ich bis heute von nichts etwas gewußt. Etwas solches, das mit diesem Hansi was zu tun hat, den es wirklich gibt, der Manuelas Freund, Geliebter war, schon überhaupt nicht.

Vor dem zehnten Juli viel von diesem Hansi zu wissen ...?

Nichts habe ich vor dem zehnten Juli von Manuela gewußt, von diesem Hansi ...

Wenn Manuela nicht bei mir dagewesen wäre, am zehnten Juli, würde mich keine Manuela, kein Hansi, kein anderer Name heute beschäftigen.

Ohne Manuela wäre nichts davon.

 

*

 

 

Zwanzigster Juli, mein Tagebuch.

Weiter Nachmittag. Es ist so halb vier.

 

Schwer zu sagen, Tagebuch. Der zehnte Juli, ein herrlicher Sommertag. Hell schien die Sonne. Blauester Himmel.

Hier, in Dir, liebes Tagebuch, wird das das schon noch klar werden, was mein Problem ist. Das, mit dem ich seit dem zehnten Juli zu kämpfen habe.

 

Alles nur mehr schwer zu verstehen, seit dem zehnten Juli.

Für mich ziemlich unerträglich, die Erinnerung an diesen Nachmittag. Und das, was ich im Laufe des späteren Abends des zehnten Julis erfahren mußte.

Daß ich vielleicht wirklich dran denken sollte, an meiner geistigen Gesundheit zu zweifeln. Vielleicht sollte ich einen Termin beim Psychiater klarmachen.

 

Doch, doch, mein Tagebuch. Das eine oder andere, das war da im Café Mezzolatte in meinen Gedanken.

Erinnere mich, ich hatte im Café Mezzolatte einen kleinen gefühlsmäßigen Absturz. Der mit Manuela zusammenhing. Mit dem Zeugs, das Manuela mir gelabert hatte.

War am Klo, wieder auf dem Weg zum Tisch mit Manuela, da hatte ich die Überlegung im Kopf, ob ich nicht darauf verzichten sollte, Manuela weiter herzubaggern. Überlegte, ob ich mich schnell von Manuela verabschieden sollte. Wegen den Geschichten, die Manuela bei mir anbrachte.

So Runterzieher-Sachen waren das, die es immer mal überall gibt. Stellte mir die Frage, ob das mit Manuela wirklich sein mußte. Ob ich nicht doch lieber meine Ruhe hätte, vor Manuela und allem, mit dem Manuela zu tun hatte.

Wäre ich heimgefahren, hätte ich daheim Musik hören können. Miles Davies, Ornette Coleman, Charlie Parker ... Den Rechner anwerfen, chatten ... In Schwatz-Buden nach Regional-Weibern Ausschau halten ... Spätere Treffen nicht ausgeschlossen.

War das mit dem Sex eben erst morgen, übermorgen ... Irgendwann Tage später, wenn man sich getroffen hatte, besser miteinander bekannt war.

Brauchte keine Manuela, für nichts.

 

Dann war ich bei Manuela am Café-Mezzolatte-Tisch zurück, und die Welt schlagartig eine andere für mich. Weil Manuela zu mir hergelächelt hat.

Manuela mit ihrem Lächeln, von ihrem Sitzplatz am Tisch so zu mir herauf.

Daraufhin habe ich mich wie vorhin zu Manuela an den Tisch gesetzt. Meine Augen habe ich über Manuelas Oberschenkel drüberschweifen lassen.

Über Manuelas Beine ... Manuelas Elfenbein-Haut ...

Manuela, die Beine weit auseinander - ah! Daran erinnerte ich mich, wie weit Manuela die Beine für mich spreizen konnte.

Irgendwo an einem lauschigen Plätzchen, ich zusammen mit Manuela, und Manuela machte die Landschaft dort weit für mich auf, weit, weit. Oder ich kam von hinten in Manuela rein.

 

Manuela, die lächelte weiter zu mir hin. Oder schon wieder, nachdem ich ihr zurück ins Gesicht hochschaute.

Dieses Lächeln Manuelas. Dieses Lächeln Manuelas.

Eins, das es in sich hatte.

Ganz entwaffnet hat mich das. Die Rüstung ist nur so von mir heruntergeflogen. Daß es gescheppert hat.

Was immer ich an frevelnden Gedanken im Kopf hatte, die Manuelas Person anbetrafen, damit hatte sich das auf einen Schlag erledigt. Mit diesem Lächeln Manuelas. Weiter wollte ich bei Manuela machen, trotz all dem Mist, den Manuela zuletzt in meiner Nähe zu mir rübergeschwatzt hatte.

 

Manuela, sie grinste mir ins Gesicht, als wüßte sie was. Beinah kleinlaut klang Manuela, als sie den Mund aufmachte. Manuela: 'Ich will mich ja bessern, Bern-die. Bessern will ich mich. Jemand Besseres werden, Bern-die. Hansi und ich, wir sind heute ganz auseinander. Kein Paar mehr. Heute lebt Hansi in seiner Welt, ich in meiner. So einfach kommen Hansi und ich nicht wieder zusammen. Es ist mir verboten, zu Hansi zu kommen. Bei Hansi vorbeizuschauen. Darf das nicht. Ich soll Hansi ja nicht behelligen, sonst ...'

Ich hab die Schulter gezuckt. Von welcher Bedeutung war diese Hansi-Geschichte Manuelas für mich? Was mit Manuela bei diesem Hansi war oder nicht, mir war das so was von gleichgültig.

Manuela: 'Ich hab eine gute Sozialperspektive. Hat man zu mir gesagt, Bern-die. Eine gute Sozialperspektive.'

Ich höre das nur mit halben Ohren, starre schließlich dorthin, wo Manuela ihre Beine aufs neue überschlagen hatte.

Dieser weiße Schlüpfer Manuelas. Dieses Weiß war nicht blickdicht. Da ahnte ich was ...

Manuela: 'Glaubst du mir nicht, Bern-die? Glaubst du mir das nicht, wenn ich sage, daß ich das versprochen habe, ein besserer Mensch zu werden? Ich will mich bessern, Bern-die.'

Ich zucke die Schulter. Ich: 'Warum soll ich dir das nicht glauben? Hab mich auch schon mal bessern müssen ...'

Manuela: 'Hm! Du glaubst mir das also, wenn ich sage, daß ich ein besserer Mensch werden möchte?'

Zu Manuela hinüber entwickle ich ein Lächeln, voll wert-, aussagefrei, hoffte ich wenigstens.

Manuela: 'Doch, doch, Bern-die. Doch, doch. Kann jeder mir ruhig glauben, wenn ich sag, ich will mich bessern. Demnächst gehe ich vielleicht auch arbeiten. Frau Bach, sie hat hier am Stadtrand einen kleinen Nähereiladen. Oberzwirn heißt der. Frau Bach - eh, Vivienne - ich besuche sie auch abends, bei ihr daheim, Bern-die. Auf Viviennes Kinder passe ich auf. Vivienne sagt, ich könnte über der alten Lagerhalle in einem der Räume dort wohnen, Bern-die. Der Raum neben ihrem Lager. Der steht leer. Vivienne ist geschieden, hat drei Kinder. Da habe ich sogar Familienanbindung, Bern-die. Das ist was, oder? Wenn das nichts ist, weiß ich nicht. Muß sich keiner Sorgen machen wegen mir. Beste Perspektive ist das.'

Ich: 'O ja, stimmt schon. Wenn du Arbeit hast ...'

Manuela: 'Wenn ich dir das sage, Bern-die, ich will mich ein besserer Mensch werden. Hinter Gittern, so Zeiten brauch ich nicht. Will ich nicht wiederhaben. So schnell nicht wieder, daß ich mich irgendwo einsperre lasse. Nicht über oder unter der Erde. Auf keinen Fall lasse ich mich so bald wieder einkerkern. Freiwillig geh ich nirgendwo mehr rein. Will frei sein. Tun und lassen können, was ich will.'

Ich: 'Verstehe ich gut, Manuela.'

Manuela: 'Ich mag dich, Bern-die. Du bist so lieb. Du bist ein Lieber, Bern-die. So ein Lieber. Dir meine Küsse zu schenken, Bern-die ... Dich könnt ich glatt auffressen.'

 

Mann-da, von Manuelas Beinlandschaft kam ich fast nicht mehr los mit den Augen.

Ein weißes Unterhöschen hatte Manuela an.

So ein kleines Dreieck Weiß unter dem Saum oberhalb von Manuelas überschlagenen Beinen hab ich von diesem Schlüpfer praktisch dauernd sehen können.

Ein wenig abrupt, daß Manuela die Position ihrer Beine ändert, ihre Füße parallel auf den Fußboden aufsetzt.

Damit hatte ich noch größeren Einblick. Echt den Blick dazwischen.

 

Mensch! Mensch! Das mußte mich anspitzen. Das hat mich auch angespitzt. Und zwar verschärft.

Mit diesem Anblick war wirklich endgültig alles Störende bei Manuela hinweggefegt. Was immer Mannuela an Geschwätz absonderte, es war egal. Piepegal. Solange ich bei Manuela nur dazwischen hinein schaute, störte mich nichts. Nichts an und bei Manuela. Manuelas Gerede am allerwenigsten.

Näher, daß Manuela grinsend an mich rankam, mir ihre Hand auf mein Knie legte. Zu mir, daß Manuela sich herbeugte.

Ein Küßchen, das Manuela mir mit ihren kühlen Lippen auf die Wange gedrückt hat. Ein weiteres Küßchen hinterher.

Meinen Handrücken streichelte Manuela mit ihren Fingern.

Kühl fühlten sie sich an, Manuelas Finger. Manuela hatte eine kalte Hand.

Lächelnd, daß Manuela, die sich zurückgesetzt hatte, noch mal vorbeugte. Um mich zu küssen.

Aus allernächster Nähe zeigte Manuela mir ihr schönstes Lächeln.

 

Hin und weg war ich von Manuelas Lächelmiene, ihren Küssen. Anders kann ich das nicht beschreiben, was mit mir los war, Tagebuch.

Nichts nützte was, ich wollte Manuela haben. Ob Manuelas Kußlippen, ihr Hände sich kühl anfühlten, kalt zu nennen waren - das war totalegal.

Manuela: 'Weiß das doch, Bern-die, wenn ich wieder ein bißchen mit dir zusammen bin, muß ich mir bei dir keine Sorgen machen. Wegen nichts. Weil ich bei dir bin, werde ich deswegen morgen nicht sofort wieder irgendwo eingesperrt werden. Nirgends werde ich eingesperrt, festgehalten. Weiß ich doch, o ja!'

Ich, heiser: 'Wirst du sicher nicht, Manuela ... Warum sollte ich dich wo einsperren wollen? Wenn du mit mir irgendwo sein willst, wir beide zusammen. Nur du und ich, Manuela ... Du und ich, Manuela ... Wir ...'

Ihr nacktes Knie schiebt Manuela zwischen mein behostes Beinpaar.

Manuelas schönes Gesicht, bleich wächsernes, ebenmäßig geschnitten, an mich kommt das ran. Die Nasenspitze küßt mir Manuela mit ihren vollen Lippen.

Manuela: 'O Bern-die! Bern-die! Du bist einfach keiner, der was Größeres anstellt auf der Welt. Du bist lieb. Du tust keiner Fliege was zuleide. Nur im Bett ... Im Bett, Bern-die, nicht wahr? Im Bett ... Im Bett ...'

Ich: 'Stimmt, Manuela! Könnten wir das nicht - jetzt sofort?'

Manuela: 'Bei dir könnte ich auch in Sicherheit sein, Bern-die. Nur, daß du wieder bei denen Eltern daheim wohnst ..."

Ich: 'Tja, meine eigene Bude, das müßten wir weiter wegreisen von hier ... Muß aber nicht sein, daß Vati, Mutti uns stören ...'

Manuela: 'O ja! Bei dir, da werde ich deswegen morgen nicht irgendwo in Ketten gelegt. In einem Verlies, aus dem ich kaum mehr rauskomme. Hansi dagegen, der ... Da gibt's echt welche, Bern-die, da bei Hansi ... Trotzdem ist Hansi gefährlich. Bei Hansi weiß man nie, was einem noch blühen kann. Für jede Überraschung ist Hansi gut. Wirklich für jede.'

Ich: 'Vergessen wir ihn hier jetzt einfach, diesen Han-si, ja?'

Manuela: 'Ja! Vergessen wir Hansi.'

Ich: 'Wenn Hansi dich vergißt, Manuela, vergißt du ihn einfach auch, diesen Hansi!' 

Das nächste Küßchen patschte Manuela mir auf die Wange.

Ich: 'Vergiß ihn, diesen Hansi!'

Manuela: 'Du bist so lieb. So lieb bist du. Eh, Bern-die ...?'

Ich: 'Ja-a, Manuela?'

Manuela: 'Du gehst also morgen auf das Volksfest da, Bern-die? Mit deinem Vati, Freunden, Bekannten, ja? Denen von deinem Verein? Deinem Kegelverein? Das macht ihr alle abends erst nicht, nicht? Vielleicht könnte ich doch morgen abend auch ... Vielleicht könnten wir uns morgen abend dort treffen. Ich könnte morgen auch dorthin kommen, Bern-die. Was meinst du, Bern-die, treffen wir uns? Muß nicht immer so hell sein wie heute. Geht sicher auch später, oder? Gegen zweiundzwanzig Uhr? Oder muß das sein, das gegen sieben ...?'

Feuer und Flamme war ich. Ich: 'Würde mich sehr freuen, Manuela. Würd mich wirklich freuen. Das wäre echt prima, wenn wir uns morgen treffen könnten. So um halb sieben Uhr abends rum dort. Oder, wir treffen uns zuerst erst mal nur so in der Innenstadt ... Wenn du magst.'

Manuela: 'Können wir gut machen, Bern-die, uns treffen. Ja, können wir. Um halb sieben wäre schon sehr gut, Bern-die. Aber, zweiundzwanzig Uhr wär besser. Zweiundzwanzig Uhr wär auch ganz gut, denk ich. So neun, halb, dreiviertel zehn. Um den Dreh rum, ja?'

Ich: 'Halb sieben, Manuela! Vater fährt um neunzehn Uhr von daheim weg. Wenn ich alleine fahr, dich zu treffen, dann ist doch sechs, halb sieben nicht schlecht. Warum neun, halb zehn, zehn, Manuela? Warum erst so spät?'

Manuela: 'Du hast gesagt, daß du derzeit noch keine Arbeit hast. Erst mal hast du noch frei ... Kannst du doch gut, die ganze Nacht durchmachen. Oder nicht? Da ist doch einundzwanzig, zweiundzwanzig Uhr nichts, oder? Keine Zeit, nicht wahr?'

Ich: 'So gesehen stimmt das auch wieder.'

 

 

Bin wieder zurück in meinem Zimmer, vom Klo, Tagebuch.

Mich hat es mehrere Male gehoben gehabt, vorhin. Dann mußte ich schnell laufen. Gerade noch rechtzeitig, daß ich aufs Klo gekommen bin. Über der Schüssel war. Ehe ich ...

 

Manuelas Küsse, Tagebuch ...

Echt üble Sache, Manuelas Küsse ...

Der Nachmittag dort im Mezzolatte, da waren Manuelas Küsse noch irgendwie gut. Paßte es mir, daß Manuela mich mit ihren kühlen Lippen geküßt hat.

Aber - heute, Tagebuch. Heute ist das ganz was anderes.

 

Heute sind die Manuelas Küsse ganz was anderes für mich. Die Küsse von einer ...

Ganz anders, die heutige Welt. Eine totalveränderte Welt, von der aus der ich auf das mit Manuela an dem Nachmittag am zehnten Juli zurückblicke.

 

Mich würgt es schon wieder. Muß ...

 

*

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