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Blog von TeddeMehr

"Das digitale Tagebuch" (18.08. - 28.09.), No. 4

27. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #T-Rixi

Achtundzwanzigster September, meine Tagebuch-Datei aufgeklickt.

Freitag am schon wieder späteren Nachmittag. 17:03 Uhr.

 

Heute mittag. Jedes Mittagessen muß vorbereitet werden. Wollte ich Angelika mal in der Küche beim Gemüseschnippeln helfen. Zwiebeln, Karotten, Tomaten schneiden, das.

Das ist mir nicht gut bekommen.

Hat Angelika mir klargemacht, daß in ihrer Küche nur eine Platz hat, sie. Sie bräuchte mich nicht in der Küche. Für nichts. Für das, was ich lustig fände, hätte sie kein Verständnis. Meine dummen Späße sollte ich sonstwo behalten. Das große Messer sollte ich außerdem weglegen, und zwar sofort. Und, sollte die Spitze noch mal in ihre, Angelikas, Richtung zielen, riefe sie auf der Stelle bei Frau Doktor Hella an. Damit ich den nächsten Termin bekäme, obwohl ich heute gegen zehn Uhr bereits bei Frau Doktor Hella war.

Was für ein Tonfall Angelikas!

Ansonsten ist Angelika zu nett, zu freundlich. Dauernd räumt Angelika hinter mir her. Für die Ordnung sorgt Angelika bei mir.

 Tatsache, lasse ich was fallen, bückt Angelika sich danach. Dabei kramt Angelika so nebenher manchmal in meinen Sachen rum. Angelika glaubt, daß sie sich dabei so geschickt anstellt, so wenig Spuren hinterläßt, daß ich das nicht merke.

Sicher, sicher, das ist momentan nicht bloß Angelika. Auch Frau Doktor Hella hat schwer damit zu tun. Mir gegenüber hat Angelika das ja durchaus erwähnt, daß Frau Doktor Hella das von ihr, Angelika, verlangt hat, daß meine Freundin Angelika sich bei mir umtut.

Sehr schön.

 

Chemical up - ein neues Spiel für mein Läppie. Hat Angelika mir heute vormittag, während ich bei Frau Doktor Hella in der Praxis war, im Spieleladen gekauft.

Kein Pokerspiel. Sondern was fürs Denken.

Daß meine Gehirnwindungen frisch an Schwung gewinnen könnten, laberte Angelika mir daher, als sie mir Chemical up unter die Nase hielt. Dann hat Angelika ungefähr das zu mir hinterhergemeint, ob ich mich nicht bald wieder mit meinen Studierfächern beschäftigen möchte. Ich hätte sicher eigentlich mehr für mein Studium zu tun, als mich demnächst neu an der Uni zu immatrikulieren. Müßte ich nicht langsam Wissen auffrischen? Eventuell könnte ich Abendkurse belegen, die der Semestervorbereitung dienen. Sie, Angelika, würde mich zum Vorlesungssaal begleiten, dann mich dort am Saaleingang wieder abholen.

Bedächtig, daß Angelika das zu mir gesprochen hat. Angelächelt hat Angelika mich, als hätte Angelika sonst was Nettes zu mir gesagt. Nehme ich Angelika in den Arm, küsse sie. Angelika erwidert meinen Kuss. Nach Sex oder daß es für Zuschauer gut wäre, schaute das Ganze trotzdem anschließend nicht aus. Weil, Angelika befreit sich aus meiner Umarmung, um mir zu sagen, daß sie gerade einen Text am Läppie offen stehen hätte. Um den müßte sie sich kümmern; daran weiterarbeiten. In ihr Arbeitszimmer macht Angelika auf flotten Beinen, bekleidet mit einem weiten weißen Jogging-Anzug, der kaum was von Angelikas weiblichen Reizen entdecken ließ.

Laut und deutlich spreche ich Angelika hinterher, während ich ihre Rückansicht im Blick habe, ich gehe dann auch auf mein Zimmer.

An der Tür zu ihrem Arbeitszimmer wandte Angelika sich mir wieder zu. Guckte lächelnd zu mir her, laberte mir, daß sie da nichts dagegen hätte, würde ich auf mein Zimmer gehen.

Daß ich Chemical up ausprobieren werde, sondere ich ab; würde mir Chemical up dann auf mein Läppie drauftun. Überdies würde ich dann nachschauen, was meine gespeicherten Unterlagen, Aufzeichnungen fürs Studium so miteinander trieben. Wie die sich in der Zwischenzeit in der Population vermehrt hätten.

Die Schulter zuckte Angelika, drehte sich mir weg, war drinnen bei sich, schloß die Türe hinter sich zu.

 

Eh, daß ich das hier - meine Tagebuch-Datei - von meinem alten Wohnheim-Läppie auf Stick gezogen hatte, die Datei damit hier draufgetan habe - davon hat Angelika keine Ahnung.

 Ist eine Sache, das mit der Tagebuch-Datei.

Bin mir nämlich sicher, daß Angelika das augenblicklich Frau Doktor Hella verpetzen würde, bekäme sie, Angelika, das mit, daß diese Datei von mir wie ein Tagebuch geführt wird.

Frau Doktor Hella würde darin bestimmt gerne lesen wollen.

Frau Hella hat das mir gegenüber gestern vormittag deutlich zum Ausdruck gebracht, daß ich vor ihr keine Geheimnisse haben dürfte. Jedes Problem müßte ich sofort mit ihr besprechen. Jedwede Kleinigkeit, die mir komisch ankommt, mit ihr, Frau Doktor Hella, teilen. Das heißt, sie, Frau Doktor Hella, als meine Ärztin über alles informieren. Nur das trüge zu meiner geistigen Genesung bei. Dinge nicht anzusprechen oder zu verheimlichen, das würde mir nicht großartig weiterhelfen.

Das fand ich also klasse. Erste Klasse. Sagte mir, wenn ich keine Geheimnisse vor ihr haben darf, sollte ich Frau Doktor Hella das offen mitteilen, wie sehr ich sie hasse. Sie, Frau Doktor Sybille Hella, darüber aufklären, daß ich sie am liebsten in ihren Praxisräumlichkeiten aus einem der Fenster in die Tiefe hinunterstürzen würde. Daß es derzeit bloß einen einzigen Grund gibt, warum ich mir das nicht erlaube. Und der heißt Angelika. Angelika könnte mir das übelnehmen. Das mit einen gewalttätigen Angriff auf sie, Frau Doktor Sybille Hella, könnte meine Beziehung zu schlagartig Angelika beenden. Richtig brauchen kann ich das im Moment nicht, bei den vielen Vorteilen, die Angelika mir bringt.

 

Geheimhaltung ist angesagt.

Weil gewissermaßen der Feind überallhin nachschauen kann, habe ich mich vorhin endgültig entschieden, daß bei mir eine höhere Geheimhaltungsstufe herrschen soll.

Tagebuch-Datei, das ist heute kein sicheres Läppie-Fenster mehr, keins, das keiner aufklickt. Aus dem Grund mußte ich die Datei von der Bildfläche verschwinden lassen.

Die alte Tagebuch-Datei ist nun unter downloads zu finden.

Dort heißt die Datei nicht länger lapidar, einfallslos Tagebuch-Datei. Sondern foxy.jpg.. In foxy.jpg. wurde das Ding von mir umbenannt.

Aber nicht nur das.

Klickt mir einer, eine auf foxy.jpg., habe ich ihm, ihr eine laufende Szene vor hingesetzt.

Habe mir überlegt, daß ich ein Mann bin. Was hat ein Mann im Kopf? Weiber. Titten. Das.

Wer - er, sie, es - mir foxy.jpg öffnet, kriegt es also zu seiner Befriedigung mit einer spitzenmäßig gebauten Blondine zu tun.

Die auf dem weißen Laken des Bettlagers oben ihre Beine weit auseinander macht. Dichte Muschi, die Süße, dralle, volle Brüste. Geil, die Frau, im wahrsten Sinne des Wortes.

Betrachtet man sich die am Bett sogar länger, hat die Behaarung zwischen den Beinen der blonden Schönen einen kreisförmigen Umriß ... Die Blonde - meine Miss Foxy - hatte die etwas dazwischenstecken gehabt?

He, vielleicht bilde ich mir ein, ich wäre der, derjenige, der ...

 

Immer nur nichts als Sex im Kopf, der Idiot. Daß er sein Teil wo reinstecken kann.

Typisch Mann; ganz klar, in welchem Körperteil der sein Gehirn sitzen hat.

Daß er es nötig hat, sich solche eine Szene mit einem sich spreizenden Weib draufzutun, das sagt alles. Ist ja direkt Pornografie.

Erst wenn auf meine erste Klasse Miss Foxy mit dem breiten Fahrwerk und der dichten Muschi zweimal draufgeklickt wird, öffnet sich der Rest der Datei. Ist für jemand die alte Tagebuch-Datei mit meinen Tagebucheinträgen seit dem zehnten Juli dieses Jahres aufgemacht. Dann tauchen die Zeilen auf.

Ist das nichts?

 

foxy.jpg. - paßt haarscharf, der Name.  

Hat jedoch eigentlich nichts mit einer blonden, nackten Dame namens Foxy zu tun, zeigefreudig für alles. Das kommt vielmehr von fix und foxy her. Wenn einer fix und foxy ist.

Mit foxy.jpg. bringe ich zum Ausdruck, daß ich fix und foxy bin. Fix und foxy - fertig. Fertig, vor allem im Kopf.

Oder kenne ich mich etwa wirklich noch großartig aus auf der Welt? Daß ich das nicht so ausdrücken könnte? Daß ich fix und foxy bin.

Bin ich denn nicht fix und foxy?

Obwohl Frau Doktor Hella mir rüberlabert, ich sei auf einem guten Weg, kann ich meinen Geisteszustand nicht anders bezeichnen. Der Rest von Frau Doktor Sybille Hella ist Gesülze, etwas, das lediglich meiner Beruhigung dient.

Obwohl mir das Meinhardt-Sanatorium dauernd droht. Das Meinhardt-Sanatorium mit seiner Schar von Ärzten, Pflegepersonal, männlich, weiblich.

 

Prozac people ...

Du weißt nicht, Tagebuch, wie ich jetzt auf prozac people komme.

Prozac people - nichts weiter als eine amerikanische Bezeichnung für Leute, die Stimmungsaufheller nötig haben, durch den lieben langen, schönen Tag zu kommen.

Ist damit alles erklärt?

Zu der Gruppe von prozac people gehöre ich nämlich nun gewissermaßen auch.

Ich bin ein prozac people. Jeder, der Psychopharmaka lädt, ist ein prozac people.

Erst vor einer Stunde habe ich eine der mir von Frau Doktor Hella verordneten Stimmungsaufheller gefressen. Unter der Aufsicht Angelikas. Angelika, die mir zuschaut, daß ich auch schlucke.

 

Trotz der Pille fühle ich mich hoffnungslos. Pure Tristesse.

Als ob ich von Angelika ein Placebo rübergereicht gekriegt hätte. Könnte gut ein weiteres, vielleicht besseres Pillchen hinterherschmeißen.

Bloß ist der Dreck, daß Angelika achtgibt, daß ich keine Pille zu viel fresse. Die Packung verwaltet Angelika, Angelika merkt sich alles ganz genau.

Unbestechlich ist Angelika. Tätig im Auftrag Frau Doktor Hellas, Angelika.

Selbstmedikation, das verbietet die Frau, Frau Doktor Sybille Hella. Der Inhalt der Schachtel ist überprüft, die Vollständigkeit sicher. Die Pille muß mir dargereicht und unter Beobachtung von mir genommen werden. Aufsichtsperson: Angelika. Alkohol dazu: für mich strengstens verboten. Haben Angelika und ich vor, abends auszugehen, können wir dabei nicht auf Alkoholisches verzichten, wird nichts in Pillenform eingeworfen. Und, sollte es passieren, daß es vorkommt, daß trotzdem was getrunken wird, möchte Frau Doktor Hella später was davon Mitteilung kriegen. Entweder vorher oder danach.

 

Gut, ich trinke kein Bier. Hole mir auch keine Flasche Wein, um mir ein Gläschen einzuschenken.

Hat Angelika, die Adleraugen hat, die Anzahl jeder Dose im Kopf, keine Sorgen.

Wüßte das Frau Doktor Hella allerdings, daß ich bei Angelika im Küchenschrank an Pillen dran bin. Und daß ich, weil ich mich ein bißchen mit den verschiedensten Pillchen auskenne, jetzt auch was andres als Multivitamintabletten zum Lutschen und zum Zusatzschlucken habe ...

Andererseits: Bisher hatte ich vor Angelika Schiss. Nur, Angelika kümmert sich eigentlich nicht um diese Pillen droben Fach im Küchenschrank.

Vorgestern habe ich mittags die Schranktür aufgemacht, unter den Augen Angelikas hinaufgefaßt, die gelbfarbene Tüte hergetätschelt und -gestreichelt. Als ob ich kurz den Inhalt prüfe. Was Tüteninhalt sein könnte. Aber ... Kein Gemeckere Angelikas in meine Richtung, keine Art von Angeschnauze. Als wüßte Angelika überhaupt nichts vom Tüteninhalt beziehungsweise hätte den total vergessen.

Ich meine: Angelika merkt nichts. Angelika schaut nicht nach. Was bedeutet: Angelika fehlt bis jetzt keine einzige Tablette oder Reihe aus einer der Verpackungen in der Plastiktüte. Obwohl Angelika mich an der Tüte gesehen hat, ist nichts.

 

Aus dem Grund frage ich mich, ob die Pillenschachteln in der Plastiktüte im Schränkchen droben viel mit Angelika zu tun haben. Könnte gut die Möglichkeit sein, die stammen sogar von dem Mann her, der vor Angelika in Angelikas Mietwohnung gewohnt hatte? Daß der nicht restlos ausgeräumt hatte. Zumindest nicht dort, eigentlich ganz oben im Schrank. Für eine von Angelikas Körpergröße schlecht zu greifen, diese Tüte mit Pappschachteln samt Inhalt.

Habe das Ganze am Montag auch eher durch Zufall entdeckt. Weil ich ein kleines Keramikkännchen für die Kaffeesahne gesucht hatte. Dabei habe ich neugierig hochgelangt, schnell die gelbe Plastiktüte heruntergeholt, neugierig hineingeschaut. Ein paar der Aufschriften auf den Arzneischachteln habe ich mir durchgelesen. Anschließend eine Tablettenreihe Filmtabletten mit Inhaltsstoffen für die rosaWeltsicht entnommen, den Rest in der Tüte eiligst zurückgetan, daß es ungefähr wie zuvor ausschaute.

Nichts, das Angelika seitdem vernehmen hätte lassen, daß Angelika irgendwie Tabletten abgingen. Die gelbe Tüte oben im obersten Fach erweckte bei Angelika, wenn sie die Küchenschranktür aufmachte, nicht das geringste Interesse.

Jedenfalls ist das einiges an Pillenzeug aus dem Stimmungsaufheller-Laden. Voll Psycho.

Zwar sehr knapp am oder nach dem Ablaufdatum. Trotzdem gut für mich, zum Hinterherschmeißen, reicht mir das eine nicht. Mit Mineralwasser hinterhergespült.

 

Demnach könnte ich, jetzt sofort, nachdem mir danach ist, in die Küche rübermachen. Die eine einzelne Reihe hervorholen, die ich zwischen Tüte und Schränkchenseitenwand dazwischengeschoben habe.

Oder?

Wenn Angelika mich aber auf frischer Tat ertappt ...

Zufällig, daß Angelika ebenfalls die Idee hatte, in dem Sekündchen in die Küche zu spazieren - und Angelika sieht mich. Mit der Tablettendoppelreihe in den Fingern.

Daß die Küchenschranktüre offen ist, daß ich wo drangegangen bin. Am Schluß, entdeckt Angelika den Inhalt der gelben Plastiktüte, werden die Schachteln schneller von Angelika entsorgt, als ich mich überhaupt für irgendwas rechtfertigen kann. In Nahzeit, daß Frau Doktor Hella eine telefonische Übermittlung hat. Frau Doktor Hella erfährt, daß ich außer den ihren noch andere Tabletten schlucke. Ich würde ihr, Angelika, nicht sagen, was das für Tabletten sind.

Obwohl das so nicht stimmt. Habe mich nämlich bisher bloß getraut habe, eine einzige Filmtablette der Zehner-Reihe herauszudrücken, einzuwerfen und kurz mit mehreren Schlucken Wasser nachzuspülen ...

Wie die Wirkung war? Wenig prickelnd. Etwas, das sich bei zweien, dreien, vieren vielleicht bei mir schnell ändert.

 

Was ich hier an Text ablasse, ist doch egal.

Wenn ich mich nicht in die Küche rübertraue, erwischt Angelika mich ohnehin nicht. Muß ich schon festhalten ...

Scheiße, daß Angelika da ist.

Wäre Angelika nicht in der Wohnung, hätte ich freie Schußbahn.

Könnte alles. Nach Herzenslust ...

 

Nach Herzenslust könnte ich ohne Angelika im Meinhardt-Sanatorium einsitzen.

Zwar aufgeräumte und geordnete Welt dort. Einigermaßen nettes, behandelndes Personal. Freiheit ist aber was anderes.

In mir der Wunsch, mir den Autoschlüssel Angelikas aus Angelikas Handtasche herauszufingern.

Angelikas schönes, kleines Stadtverkehrsauto aus der unterirdischen Dauermietgarage ans Tageslicht zu fahren. In dem Auto durch die Straßen der Stadt zu kurven.

Auch ohne Führerschein kann man fahren, wenn man Autofahren kann. Irgendwo gehts immer rauf auf die Autobahn. Vollgas. Voll Stoff draufsteigen auf das Gaspedal. Was die kleine Karre hergibt, ihre Grenzbereiche austesten.

Möglich, ich entschließe mich, unvermittelt mitten auf der Autobahn anzuhalten.

Eine Minute lang passier nichts, links und rechts drücken sich die Karren an mir vorüber. Vielleicht, daß einer, eine den Notruf gewählt hat, demjenigen am anderen Ende der Leitung mitteilt, daß einer auf der Autobahn auf der Fahrbahn quersteht. Drinnen sitzt der, guckt nur blöde herum.

Dann, ich, mit durchdrehenden Reifen eine Kehrtwendung.

Die Schnauze nun in entgegengesetzter Richtung, brause ich los. Habe jede Menge Gegenverkehr.

Bis ... Bis ... Da ist ein Einschlag, Zusammenprall ...

Wahrscheinlich wäre ich dann woanders. Wüßte nichts weiter von der Welt.

Großer Nachteil an der Geschichte: Man könnte mit dem Leben davonkommen. Sobald man aus dem Dämmer erwacht, Umrisse wiedererkennt. Immer mehr, daß einem klar wird ...

Damit wäre alles schlimmer, als es im Augenblick für mich ist. Am Schluß, zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt, könnte ich den Antrag stellen, in ein bestimmtes Gefängnis zu kommen. Zu Hans-Georg Tabert in die Zelle. Oder auf den Zellentrakt.

 

Hui, seit zwei, drei Minuten sehe ich Manuela vor mir.

Manuela, die grinst mich an.

Obwohl das Bild Manuelas nur ein Trugbild sein kann, eine ernste Sache: Ich bin nicht in der Lage, Manuela aus dem Kopf kriegen.

Auf zittrigen Beinen war ich vorhin unterwegs, aufgestanden, zu meinem Zimmersofa getapst ... Auf gut Deutsch: Ich habe mich nicht einfach nur so auf die Füße hochgeschafft. Sondern bin nachschauen gegangen, ob Manuela - Manuela Dombrowski - nicht in Wirklichkeit bei mir im Zimmer am Sofa sitzt. So überdeutlich war mir die Erscheinung Manuelas.

War Manuela nun nicht. Keine körperliche Präsenz Manuela Dombrowskis.

Kein Mensch bei mir drinnen außer mir.

Glücklicherweise nichts als die reinste Einbildung.

 

Sollte ich mein Smartie nehmen, Frau Doktor Hella anrufen? Frau Doktor Hella bei einem Telefongespräch erzählen, daß sich mir Manuela Dombrowski beinahe im Zimmer materialisiert hätte. Nur so eben, daß das Manuela noch nicht war. Daß ich Manuela nicht anfassen habe können.

Keine Ahnung eigentlich, warum Manuela dann plötzlich fort war. Dabei war Manuela schon so körperlich da.

Manuela hätte ruhig dableiben können, mir was zu erklären.

 

Sollte ich von selbst dafür sorgen, wieder ins Meinhardt-Sanatorium zu kommen?

Daß unten vorm Haus ein aufschriftfreier weißer Transporter aus dem Meinhardt-Sanatorium vorfährt. Zwei vom Pflegepersonal kommen hoch in Angelikas Wohnung, von einem aus der Ärzteschaft begleitet, falls bei mir Unruhe aufkommt und ich eine Spritze brauche ...

Mit Angelika unterhalten die drei sich. Angelika stimmt meinem Abtransport ins Meinhardt-Sanatorium zu. Für ein paar Wochen, vielleicht Monate wars das für mich bei Angelika ...

 

Das ist eine der Forderungen Frau Doktor Hellas, daß wir, ich selber oder Angelika, sie auf der Stelle verständigen, bemerke ich oder ist an mir ein kritischer Zustand zu bemerken.

Lese ich  die obigen Zeilen gegen, läßt es sich nicht leugnen ...

Daß bei mir Probleme entstanden sind.

 

Was soll ich tun?

 

Ich will Manuela nicht, daß Manuela mir erscheint. Ich möchte Manuela überhaupt nicht in meinem Kopf haben. Manuela, sie soll wegbleiben.

Wegbleiben soll Manuela.

Nur, Manuela macht das nicht. Manuela ist zu mir zurückgekehrt. Schon wieder sitzt Manuela mir am Sofa. Breit grinst Manuela mich an.

 

 

*

 

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