"Das digitale Tagebuch" (21.07. - 22.07), No. 2
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Einundzwanzigster Juli. Samstagnachmittag. 14:22 Uhr.
Bin immer noch kaum zu beruhigen.
Was hier los ist, seitdem ich heute früh aus dem Schlaftabletten-Tran zu mir gekommen bin, es nicht zu fassen. Dabei bin ich auf keiner Abenteuerreise. Auf der mir alles passieren kann. Selbst die Möglichkeit eines plötzlichen Ablebens nicht ausgeschlossen. Sondern bin ganz bieder im Haus meiner Eltern daheim. Der Rechner ist angeschaltet. Wenn ich vom Drehstuhl aufstehe, könnte ich, hätte ich die Lust dazu, eine meiner Jazzscheiben auf den Plattenspieler legen. Selbst Studienunterlagen liegen bereit, müßten nur in die Hand genommen werden.
Für das alles fehlt mir jedoch der Nerv.
Total durcheinandergeraten ist mir meine kleine Welt.
Zuerst dieser Alptraum mit Manuela, aus dem mich der Schreck in aller Frühe erwachen läßt.
Dann sehe ich Manuela, als wäre sie, geradewegs meinem schlimmen Traum entstiegen, unten am Rasen im Garten, der zu meinem Elternhaus gehört. So, als stünde Manuelas Gestalt tatsächlich dort beim Nußbaum.
Irgendwas, das Manuela von mir will. Scheint es mir.
Dann bin ich zornig ins Freie hinausgelaufen, entdecke ich, daß keine Manuela da war, aber Manuela dagewesen sein könnte. Ein Auto ist abgefahren, in dem eine sich auf dem Beifahrersitz plazierte, die Manuela ähnlich schaute. So ist jedenfalls die Nachricht, die aus dem Mund der Zeitungsfrau mein Ohr erreicht.
Schließlich, zur Mittagszeit, die Geschichte mit Herrn Altdorf, dem Personalchef von Mauth ...
Daß ich bei Mauth nicht einmal für meine Semesterferien-Arbeit antreten würde, das hätte man mir bis vor ein paar Stunden ausführlich erzählen können - und ich hätte es nicht geglaubt.
Wenn eins auf der Welt für mich sicher schien, dann die Arbeit bei Mauth im Betrieb.
Zumindest das, daß ich während meinen Semesterferien werktags täglich bei Mauth auf dem Gelände in der Frühe vor- und später am Nachmittag wieder abfahren würde.
Über die Zeit meiner Semesterferien hinaus weitere Monate bei Mauth arbeiten zu dürfen, das wäre die Frage gewesen, die Schwierigkeiten aufgeworfen hätte. Darüber hätte man sich unterhalten müssen. Gespräche von mir mit Herrn Altdorf, dem Personalchef von Mauth.
Die eine, die einzige Möglichkeit, die ich in Betracht zog, daß sie mir ablehnend von den Oberen derer bei Mauth beschieden würde.
Und - jetzt?
Jetzt sitze ich hier am Drehstuhl, bin verzweifelt. Wie es aussieht, werde ich nicht einmal die Semesterferien durch bei Mauth arbeiten. Obwohl ich das müßte.
Echt wahr, ich weiß nicht, wohin mit mir, meiner Aufregung. Meiner Verzweiflung, Wut.
Warum liegt meine kleine Normalo-Welt mir nur derart in Trümmern? Wem, bitteschön, habe ich irgendwas Größeres getan, daß man es auf mich abgesehen haben könnte?
Was für irre Geschichten explodieren mir hier?
Die Frage, kurz hier am Platz in den Raum geworfen, mein Tagebuch: Mit wem hat das mit den Riesenunglücken für mich angefangen? Wer, bitteschön, hat mir den Horrorladen aufgesperrt?
Mit wem hat das zu tun?
Klare Antwort: Mit IHR, Manuela!
SIE, Manuela!
Seitdem ich das an jenem Nachmittag mit Manuela hatte, habe ich sämtliche Dämonen im Nacken sitzen.
Oder hat es doch schon mit dem Miststück Helen angefangen? Hat der ganze Mist nicht mit dem Drecksstück namens Helen seinen Anfang genommen?
Die letzten Ausläufer der erhöhten Wellen mit Helen, die haben schließlich dafür gesorgt, daß ich aus meiner Universitätsstadt heimwärts zu meinen Eltern hinunter abgefahren bin. Vor der eigentlich dafür angedachten Frist.
Ohne den Späßchen mit Helen wäre ich heute noch oben in der Großstadt.
Tagsüber würde ich den einen oder anderen Kurs besuchen, der der Vorbereitung auf mein nächstes Semester dient. Abends hätte es ebenfalls interessante Themen zur Kursbelegung gegeben.
Oder ich hätte sonst was droben unternommen, was mit dem heute - dem Hier und Jetzt - nicht das geringste was zu tun gehabt hätte. Nicht das kleinste bißchen. Nicht mal mit einem Minimalbezug.
Im Haus meiner Eltern hier unten bin ich jedoch vor der Zeit eingetroffen. Und das, was mir seitdem geschieht, das haut voll rein. Das geht in einer Tour ab.
Total mysteriöse Verwicklungen gibt es.
Undurchsichtige Dinge sind das, die ich erfahre, in Erfahrung bringe.
Der blanke Irrsinn ist allem Anschein nach über mich gekommen.
Dieser eine Nachmittag eines heißen Julitages. Blauester Himmel.
Nirgends drohte ein Gewitter. Nicht einmal das.
Nichts, das ich mir großartig dabei gedacht hätte, als ich von daheim abgefahren bin.
Ein wenig Aufriß hatte ich im Sinn, weiter nichts. Überhaupt nichts Verbotenes, fährt einer in das nächste Städtchen ab, nach Bräuten Ausschau zu halten. Die ihm ein paar Stunden, ein paar Tage oder die Monate der Ferienzeit durch bei Dingen helfen könnten, die einer nicht dauernd alleine machen muß, oder?
Und was passiert mir, während ich in solchen Absichten in der Stadt herummarschiere?
Antwort: Ich treffe SIE! SIE, das ist Manuela.
Manuela, eine Freundin aus längst vergangenen Tagen.
Voll verdrängt war Manuela bei mir. Hatte Manuela nicht eine Sekunde als Vorlauf in meinen Gedanken. Nicht mit dem kleinsten Fetzchen einer Erinnerung hatte ich zuvor an Manuela gedacht, obwohl ich Manuela schon für das Sexleben hatte. Vielerlei Bilder mit Manuela hätte ich im Kopf haben können. Auf-, erregend.
Dinosaurierzeitmäßig lang doch her, das mit der, Manuela. Zehn Jahre. Kaum mehr wahr heutzutage. Hätte gut gelogen sein, daß ich mit der einmal was hatte.
Dann war das, Manuela, daß ich wiederbegegnet war. Im Anschluß daran, kriege ich unmittelbar Dinge auf die Ohren. Erfahre ich, wie unmöglich das für mich oder irgend jemandem sonst sein kann, Manuela zu treffen.
Eine Begegnung mit Manuela, ein Ding der Unmöglichkeit. Total die Unmöglichkeit.
In der Gegenwart dürfte ich nirgendwo eine Manuela treffen. Für nichts und niemand kann es heute normalerweise ein Treffen mit Manuela geben. Nicht mal zufällig.
Weil Manuela ...
Und wenn Manuela das ist ...
Dann geht das nicht so einfach. Bedeutet das eher ...
Klopf mir einer das Schnitzel, es ist nicht zu glauben. Nicht zu begreifen, daß ich mit Manuela zusammentreffe, daß es immer noch weiter etwas mit Manuela für mich gibt.
Etwas anderes, Tagebuch: Mein Herr Vater, der hat mich tatsächlich angemacht. Vor einer halben Stunde. Drunten.
War auf dem Weg in die Küche.
Habe wegen Vater dann abgedreht, bin nicht in die Küche, sondern wieder zu mir hier hoch.
Ganz, als wäre es meine Schuld, daß Herr Altdorf, der Personalchef von Mauth, mich antelefoniert, kommt mir mein Vater daher. Als hätte ich zuvor Kleinigkeiten angestellt, daß mir Herr Altdorf beim Telefonat informativ erklärt, daß es sehr unwahrscheinlich wäre, daß ich demnächst mit meiner Semesterferienarbeit bei Mauth anfangen würde können.
Als hätte ich das letztemal, daß ich bei Mauth gearbeitet habe, Dinge gedreht, daß ich nicht bei wieder bei Mauth arbeiten dürfte, führte er, mein Vater, sich auf.
Unfaßlich, das, wie mein Herr Vater mich angemacht hat.
Dabei weiß Vater das noch gar nicht genau - wie ich das nicht ganz genau weiß -, ob ich nicht doch ab dem Ersten ...
Das endgültig letzte Wort in der Angelegenheit Semesterferienarbeit bei Mauth ist schließlich noch nicht gesprochen.
In den nächsten Tagen könnte ich doch noch mal von Mauth angerufen werden. Ein Telefonat, in dem mit mitgeteilt wird, daß sich plötzlich neue Möglichkeiten ergeben haben, in die Arbeit kommen soll ...
Das, warum ich kein Auto mehr habe, ist Vater, nebenbei hier erwähnt, immer noch nicht recht klar, liebes Tagebuch.
Sicherlich deswegen, weil Mutti nicht in sämtlichen Einzelheiten darüber Bescheid weiß.
Deshalb hat weiterhin keiner eine genauere Übersicht über die hübschen Sümmchen, die ich aufzubringen habe. Zum Beispiel mal zunächst nur für die Reparatur meines Autos.
Wie die Geschichte mit Autorep.Heinz weiter ablaufen soll, das ist zwischen dem Werkstattbesitzer und mir ebenfalls noch nicht abschließend geklärt.
Mein Verhältnis zu denen von Autorep.Heinz ist momentan, als hätten wir einander vergessen. Auf Pause geschaltet.
Anders kann ich das nicht beschreiben.
Nun, die von Autorep.Heinz haben nichts weiter von sich hören lassen, keinen Anruf in meine Richtung getätigt, nichts.
Übers Wochenende interessiere ich die nicht. Das Personal von Autorep.Heinz ist im verdienten Wochenende.
Autorep.Heinz, erst ab Montag wieder jemand persönlich für mich erreichbar. Für den Rest spricht man auf den Anrufbeantworter.
Das habe ich nicht machen mögen, denen da draufzusprechen. Keine Lust.
Autorep.Heinz, das eine. Das andere Problem sind die fälligen Reparatationszahlungen an den Staat. Nachdem Autoleitplankenteile ausgewechselt werden mußten, wie ich erfahren durfte.
Teure Dinger sind das, Autobahnleitplanken. Überhaupt, alles sehr, sehr teuer, beschädigt man auf einer Autobahn irgendwas.
Passieren einem Sachen auf den Autobahnen, kostet das etwas. Und das ist nicht wenig. Und wenn man keinen Vollkasko, sondern nur einen Teil- ...
Alles nur, weil ich hinterm Lenkrad Sekundenschlaf hatte. Mein Auto, das mir wegen einigen Sekundenbruchteilen Schlaf gegen die Planken geschrubbt, mehrfach dran angebockt ist ...
Jener Kostenfaktor, der ist ein Riesenproblem für mich. Ich meine, die im Raum stehende Summe, wenn die wirklich unvorstellbar hoch ist, wenn die von der Versicherung echt Mucken machen, daß ich höchstpersönlich restlos aufzubringen habe, dann ...
Die hohe Wahrscheinlichkeit besteht, daß die Versicherungsfirma so gar nichts dafür zahlt. Nicht einen müden Cent.
Das allerdings muß sich die nächsten Tage, Wochen noch endgültig klären.
Davon habe ich bis jetzt, in der Kürze der vergangenen Zeit, noch nicht genauer Bescheid gekriegt, wie es bei mir damit genau zugehen soll.
Nur eins ist mir jetzt schon sonnenklar: All das, das möchte irgendwann bezahlt werden. Es muß gezahlt werden. Eine nette Stange Geld. Von mir aufzubringen. Aus dem Hut zu zaubern.
Erörtere ich die Lage noch mal verschärfter in Dir, mein Tagebuch.
Sagen wir, ich überlasse der hochwohlgeborenene Herrschaft von der Automechanikerwerkstatt - Autorep.Heinz - mein ehemals hübsches, ziemlich neuwertiges Automobil. Für den Preis, den Heinz, der Mistkerl und Werkstatt-Scheffe, mir genannt hat.
Zehn Fünfhunderter-Scheine, blank auf die Kralle. Davon hat der Mann zu mir gesprochen, daß der Betrag gut für mich ist.
Das wäre demnach knapp eine fixe Summe, die ich in den Fingern hätte.
Anzahlen könnte ich gewissermaßen damit. Ersten gemeineren Druck von mir wegnehmen.
Nur, deswegen habe ich kein neues Auto gekriegt. Bin autolos.
Wer zahlt mir denn darüberhinaus irgendwelches Geld, Geld für ein nötig anzuschaffendes neues Werksfahrzeug? Eins, das nach Möglichkeit genauso nach was ausschaut wie das alte?
Wer drückt dafür was ab? Beziehungsweise, wer legt was für mich aus? Wer gibt mir Kredit, daß ich erträgliche Ratenzahlung hätte?
Vater?
Der?
Dahingehend dreht sich alles im Kreis.
Macht Vater überhaupt noch mal was für mich? Bei der fortgesetzt miesen Laune, die Vater hat, was mich anbetrifft?
Obwohl sich das mit Helen erledigt hat, will sich die Stimmungslage zwischen Vater und mir nicht aufhellen.
Das heißt, Vater tut nichts für mich. Vater, wenn der das Thema beibehält, mit mir gerne überkreuz zu sein. Vater, der übermittelt mir nicht einen Pennystock.
Vielleicht geht es um jemand ganz anders. Hat dieses Ding mit einer bestimmter Person zu tun.
Mit meiner hochgeschätzten Schwester Bettina.
Mylady Bettina, die hat bei Vater weitergemacht. Hintenrum, daß Mylady Bettina gegen mich bei Vater weiterhin hetzt. Mylady Bettina, die dafür sorgt, daß Vater weiter seine Abneigung gegen mich pflegt.
Dinge, die Vater im Grunde genommen noch nicht richtig herausgelassen. Bisher.
Das es Kleinigkeiten gibt, die erst noch fällig werden. Daß das bei Vater herauskommt, was er des weiteren gegen mich in der Hinterhand hat.
Dauernd Bettina, Mylady Bettina.
Mein hochverehrtes, geschätztes Schwesternherz Bettina. Meine Schwester Bettina, diese hochanständige Person.
Bettinaleinchen, die beste Freundin vom Pfarrer. Bettinalein, die mit dem Kirchenstammplatz. Bettinalein, die Pfarrhaus-Besetzerin.
Kaffeekränzchen mit dem Herrn Pfarrer, die Mylady Bettina in Wallung bringen. Ein Sexleben von Mylady Bettina mit ihrem Reini, seines Zeichens Mylady Bettinas Ehemann, nur schwer vorstellbar.
Mylady Bettina demnach, weiter fortgesetzt mit Anfragen bei Vater, mich anbetreffend, dabei.
Die Situation, kurz in Dir zusammengefaßt, liebes Tagebuch: Sollte ich nicht am besten unverzüglich hochfahren, dorthin, wo sich der Standort meiner Universität befindet?
Dafür bräuchte ich allerdings einen fahrtüchtigen Untersatz. Einen, der vier Räder hat.
Oder ich disponiere um, reise mit dem Zug.
Abreisen mit dem Zug, das könnte ich jederzeit. Auch jetzt sofort.
Eine Zugfahrt ist jederzeit drinnen.
Bahnhöfe und Züge - stehen für mich immer welche bereit.
Immer noch ist das Zugfahren drinnen. Eine Fahrkarte am Bahnhof kann ich mir momentan gut noch kaufen.
Nur, verziehe ich mich, deswegen sind verschiedene Dinge - wie hier oberhalb textmäßig erwähnt - lange nicht in sämtlichen Einzelheiten abgeklärt.
Nichts ist dadurch geregelt.
Das bedeutet, das mit der schnellen Abreise woandershin, das ist momentan trotz allem ein schwieriges Unterfangen für mich.
Wenn ich nicht haben möchte, daß Angelegenheiten, die im Momentchen aus den unterschiedlichsten Gründen Pause haben, mir nach dem Stopp schlimmer wie je zuvor hinterhergeflogen kommen. Mich praktisch mit explosionsartiger Wucht treffen.
Deshalb ist es vielleicht erst mal noch besser für mich, ich bleibe hier an Ort und Stelle.
Was ist mir in meinem Leben nur passiert?
*
Weiterhin der einundzwanzigste Juli, ein Samstagsnachmittag.
Die Tagebuch-Datei aufgeklickt. Uhrzeit: 16:13 Uhr.
Bin auf meinem Zimmer im Haus meiner Eltern.
Der einzige, der sich hier drinnen in der Räumlichkeit befindet, der bin ich.
Das heißt, ich meine, bis jetzt ist es dabei geblieben, daß mir nichts zurückgekehrt ist, was Manuela, kronetragend, rotes Mittelalterkleid an, anbetrifft.
Trotz allem, was ich heute schon an Erscheinungen mit IHR hatte, SIE läßt jetzt am Tag noch weiter auf sich warten.
Beeilt hat SIE sich nicht, wieder herzukommen zu mir. Bis jetzt.
Auch Mutti oder mein Herr Vater wollen momentan nichts Größeres von mir.
Eine meiner Schwestern, Bettina, Tanja, mag mich auch nicht aufsuchen, obwohl alle mit Kind und Kegel im Gebäude herumturnen.
Grillvorbereitungen im Garten vorm Haus habe ich vorhin bemerkt, als ich vom Klo gekommen bin.
Wovon ich spreche, Tagebuch, alles ist ruhig hier bei mir. Ich habe im dem Sinne nichts Besseres vor.
Weil dem so ist, setze ich das in Dir fort, texte darüber, was mir geschehen ist, an diesem einen bestimmten Nachmittag des zehnten Julis. Will das weitertippen, wie das zwischen mir und Manuela zuging.
Manuela und ich, Manuelas Bern-die, an jenem herrlichen Sommernachmittag.
So ein schöner Tag, blauester Himmel, sonnengeflutet, der, der mir derart monstermäßig zum Mittelpunkt geworden ist. Wegen seiner Nachmittags- und Abendstunden.
Um diese paar läppischen Stunden dreht es sich hier.
Jeder Wahnsinn, Alptraum, der bei mir ist, der ist das Resultat jenes Nachmittags. Nachdem ich Manuela getroffen hatte, Manuela, ehemals Freundin und Geliebte.
Fangen wir mit dem nächsten auf der Szene an ...
Bern-die und Manuela, die zwei Hübschen, waren aus dem Café Mezzolatte, in dem sie sich länger aufgehalten hatten, hinausgeschritten. In die Sonne. Mitten in den Sonnenschein.
Kleine Taumler bemerkte ich bei Manuela, ohne mich deswegen größer zu bekümmern. Schließlich hatte Manuela öfters an ihrem Tee mit Rum genippt; sogar am Pilsglas.
Unschlüssig, daß Manuela außerhalb des Café Mezzolatte weiter auf ihren wohlgeformten bleichen Beinen herumstand. Zu mir herstarrte. Weil sie ja die Richtung nicht kannte, nach der sie machen sollte.
Ich dachte dann, ich müßte Manuela informieren. Müßte Manuela mal informieren. Ich mache den Mund auf, ich sage: 'Müssen zur Totenkirche, Manuela. Mein Auto steht bei der Totenkirche.'
Manuela: 'Sehr schön, Bern-die! Ausgezeichnet! Bei der Totenkirche, da steht dein Auto also?'
Ich: 'Sag ich doch. Wir müssen zur Totenkirche.'
Losspaziert sind Manuela und ich.
Ein paar Meter weiter unterhalb vom Café Mezzolatte befand sich eine Bankfiliale. Bei der Filiale sind Manuela und ich nebeneinander am Vorübergehen, faßt Manuela mich unvermittelt mit ihrer kalten Hand am Unterarm. Manuela: 'Warte mal schnell, Bern-die.'
Ich bleibe stehen, gucke auf Manuela herunter. Ich: 'Ja, Manuela?'
Manuela: 'Muß da rein, Bern-die. In die Bank da.'
Ich: 'Schön! Wenn du dort rein mußt ... Warte hier draußen schnell auf dich, kein Problem.'
Manuela: 'Bin sofort wieder da, Bern-die.'
Nickte mit dem Kopf zu Manuela hin, Manuela, die sich daraufhin von mir abwandte.
Hatte echt nichts dagegen, besorgte Manuela sich ein paar eigene Geldscheinchen. Fürs Selberbezahlen irgendwann demnächst.
Das war auch interessant, hatte Manuela selber Geld für das Bezahlen ihrer Zechen.
Einem glatzköpfigen Mann mittleren Alters ist Manuela hinterher in die Bankörtlichkeit.
Auf Manuelas schwarze Sackkleidrückenansicht drinnen in der Bankwelt starrend, habe ich zu überlegen angefangen, wo Manuela denn ihr Plastikkärtchen reingeschoben haben könnte.
Fast nichts, das Manuela anhatte. Eben ihr schwarzsamtenes Art Sack Minikleid, einen weißen Schlüpfer, davon wußte ich.
Ansonsten, kein Büstenhalter bei Manuela. Auch keine Handtasche, die Manuela mit sich herumtrug.
Von etwas, das einem Geldbeutel ähnelte, daß ich bis dahin nichts bei Manuela zu Gesicht gekriegt hatte, nicht das bißchen von irgendwoher.
Mein total spannender Einfall war, daß Manuela sich eine Plastikkarte fürs Geldholen dazwischengeschoben haben könnte. Bis die Gelegenheit kam, daß Manuela das Kärtlein von Plastik doch brauchte, es sich mal dazwischen reinfabriziert, zwischen die Beine.
Das hatte das wohl zu bedeuten, was Manuela gemeint hatte. Das, wovon Manuela mir in ihrer Amsterdam-Geschichte im Mezzolatte andeutungsweise daherredete, daß sie das bei den Leuten, die sie und Rocko dann später die Stunden linkten, mit ovalen Dingern mit Drogeninhalt gemacht hätte.
Deshalb hatte ich Manuela scharf ins Auge gefaßt. Das ganz genau zu überblicken, was Manuela Schönes in der Bankinnenwelt trieb. Wollte schließlich wissen, ob irgendwas davon der Realität entsprechen könnte, was ich mir Schönes herdachte.
Am Ende fand ich es doch wahrscheinlicher, daß Manuela in den Unterstoff ihres schwarzsamtenen Sackminikleides irgendwo ein geheimes Täschchen eingenäht haben müßte. Eins, unauffällig Gegenstände drinnen zu plazieren. Zum Beispiel die Scheckkarte, Geldscheinchen. Oder auch die Sonnenbrille, die Manuela noch vorm Unteren getragen hatte, seitdem an Manuela spurlos verschwunden war. Wie durch Zauberei.
Reglos stand Manuela in der Bankpassage in der Gegend herum, obwohl Manuela sich längst alleine drinnen aufhielt.
Durch die Glasscheibe gaffte ich rein und fing an, mich zu fragen, ob ich mich nicht zu Manuela hineinbegeben sollte, Manuela beim Geldziehen ein wenig behilflich sein. Was hinderte Manuela daran, hinzumachen?
Unvermittelt kam Leben in Manuela. Ich beobachtete Manuela, die, ihre Rückansicht zu mir, bei den Kontoauszugautomaten plötzlich Papier zerriß.
Ziemlich minimiert, die Papierschnipsel, die Manuela in den Abfallkorb hinabregnen ließ.
Sicher keine Kontoauszüge Manuelas. Weil, Tatsache, ich konnte mich beim besten Willen nicht darauf entsinnen, daß ich Augenblicke zuvor eine Kleinigkeit davon mitgekriegt hätte, daß Manuela, vor einem Kontoauszugautomaten stehend, einen einzigen Kontoauszug gezogen hätte. Viel eher hatte ich den Eindruck, eine Schauveranstaltung zu erleben. Eine für mich, denjenigen, der von außerhalb Zuschauer war.
Schließlich trippelte Manuela endlich zu einem der in der Mitte plazierten Automaten, aus dem die Geldscheinchen gebrauchsfertig herauszuholen waren.
Ein blonder Kerl, der sich neu in die Bank hineinbegeben hatte, verbaute mir leider groß aufgewachsen die freie Sicht Blickfeld auf Manuela, daß ich nicht genau mitbekam, wie Manuela ihre Plastikkarte einschob, die Geheimzahl tippte, Papiergeld übernahm.
Alles ungefähre Tätigkeiten Manuelas, soweit es mich anbetraf.
Jedoch hatte Manuela nun auf einmal alles geschafft. Hinter dem vielleicht knapp fünfundzwanzigjährigen blondhaarigen Hünen tänzelte Manuela mir auf ihren nackten, bleichen Beinen heraus aus der Bankfiliale.
Bei mir gegenüber angekommen, zog Manuela eine Miene, als wäre es Manuela passiert, daß der Geldautomat ihr die Karte eingezogen hatte.
Ich: 'He, was passiert? Kein Geld gekriegt?'
Keinerlei Reaktion Manuelas.
Ich: 'Fünfziger gezogen, Hunderter? Fünfer, Zehner? Karte eingezogen?'
Ihre Sonnenbrille hatte Manuela in der Hand, setzte sie sich wichtig auf das Näschen. Kehrt machte Manuela, brachte Manuela sich in Bewegung. Eilig den Gehsteig hinunter führte Manuelas Weg.
Die schnelle Gangart, die Manuela an den Tag legte, hieß, daß ich mich nicht lange mit irgendwas aufhalten sollte. Manuela mußte hinterhergekommen werden. Ehe Manuela mir voraus um ein Straßeneck entschwand. Überraschend für viele Himmelsrichtungen, sobald ich in der Umgebung herumblickte und keine Manuela weit und breit sah.
Stumm latschten Manuela und ich dann nebeneinander her.
Nicht mißzuverstehen, der Gesichtsausdruck Manuelas an meiner Seite. Als hätte Manuela eine kleine Wut. Wegen irgendwas. Für mich nicht nachvollziehbar, solange Manuela nicht mit mir darüber redete. War Manuela doch die Scheckkarte vom Bankautomaten einbehalten worden?
Ich entschied mich, besser mal die Klappe zu halten; solange Manuela an meiner Seite blieb, war schließlich alles gut. Auch, weil ich mir Sorgen machte, bei einer falschen Tonart, die ich gegenüber Manuela anschlug, unbestimmt herbere Punkteabzüge bei Manuela zu erleiden.
Das mußte denn nicht sein, nicht wenn ich mich mit Manuela zusammen auf dem Weg zum Königweiher befand, und solange Manuela und ich nicht ein paar Geschichten hinter uns hatten.
Streß konnte es doch immer noch geben, morgen, übermorgen.
Aber - erst danach. Erst nach dem einen oder anderen Abenteuer, das ich mit Manuelas erlebt hatte.
*
Tagebuch-Datei, aufgeklickt. Weiterhin: einundzwanzigster Juli.
Es ist der Abend dieses Samstags. Uhrzeit: 20:11 Uhr.
Die Stunden seit meinem letzten Eintrag, Tagebuch, habe ich versucht, mich abzulenken. Mich zu entspannen.
Last, Bedrückung wollte ich von mir wegnehmen. Indem ich Dinge getan habe, die ich sonst immer gerne tue.
Zum Beispiel mir eine Jazzscheibe anzuhören. Oder in ein paar Kopien zu lesen, die fürs nächste Semester gut sind.
Habe ich ja auch, ein bißchen was fürs Reinschauen heimgebracht. Auch dafür gut, im weltweiten Netz die eine oder andere Recherche zu betreiben.
Ornette Coleman ist keine Hilfe. Miles Davies auch nicht.
In der Musik finde ich keinen Halt. Sie nützt nichts. Die Gedanken, die kreisen mir zu im Kopf.
DAS, es läßt mich nicht in Ruhe. Einfach nicht in Ruhe.
Ohne Unterlaß, daß ich die Szenen mit Manuela vor meinem geistigen Auge habe. Als gäbe es nur noch das oder die, an die ich im Leben zu denken hätte.
Echter geistiger Einlauf.
Zornig bin ich wegen allem zwei-, dreimal geworden.
Einmal habe ich die halbleere Eineinhalbliterflasche Mineralwasser gegen die Zimmerwand geschmissen.
Meine kleine Telefonie ist frei geflogen. Zwar lediglich aufs Bett. Aber einigermaßen knapp, daß mir das Teil dabei nicht gegen die Wand abgeprallt ist.
Da hatte ich mal Glück. Hätte zu Bruch gehen können, das gute Stück. Ein Systemausfall am Gerät geschehen.
Mann, Selbstmitleid.
Das Selbstmitleid.
Regelrecht, daß mich mein Selbstmitleid einäschert.
Immer das ewig gleiche Lied, das ich singe: Warum nur - ich? Warum ich? Warum denn ich?
Warum das mir, das mit Manuela? Wie kann ich das, Manuela treffen? Wie komme ich zu dem Ganzen? Ausgerechnet ich - wie komme ich dazu? Wenn vorher nichts das geringste mit DER in meinem Leben war - wie kann das mit der derart über mich kommen?
Alles Fragestellungen, die hatte ich gestern. Vorgestern. Vorvorgestern.
Seit dem Nachmittag, daß mir das mit Manuela passiert ist, seitdem ich das mit Manuela noch dazu genauer weiß - habe ich diesen Dreh unter der Schädeldecke im weißen Brei des Gehirns.
Immer dasselbe. Dauerschleife.
Ich sehe Manuela.
Immer SIE, Manuela.
Manuela. Und noch mal SIE: Manuela.
Manuela habe ich vor mir. Nur noch Manuela.
Der Mittelpunkt meines Lebens ist Manuela geworden.
Ma-nu-ä-la!
Weshalb mir das nur, das mit Ma-nu-ä-la?
Dieses große Thema, das die zweite Geige spielt: Wie hätte ich denn irgendwas dort bemerken sollen, während meines Zusammenseins mit Manuela? Welche weiteren Ideen haben sollen, als die, die ich an dem Nachmittag hatte?
Kann nur immer und immer wiederholen: Zu keinem Zeitpunkt dieses nachmittäglichen Geschehens war mir irgendein Gedanke gekommen, der in eine makabere Richtung gegangen wäre.
Nie. Nie, an diesem besagten Nachmittag unterwegs mit Manuela. Nie.
Das mit Manuela, das war für mich eine Geschichte mit mir und einer, mit der ich demnächst Sex haben konnte. Sex.
Dahingehend wollte ich mit Manuela zu Potte zu kommen.
Wie ich es in Dir, Tagebuch, schon tausendmal geschrieben habe, für ein paar Nummern. Oder für eine Liebelei paar Tage länger. Je nachdem, wie sich das Ganze mit Manuela in der Folgezeit für mich entwickelte. Ausgeschlossen war nichts.
Konnte man das je irgendwo ausschließen? Alles stand immer und überall mit im Raum.
Überhaupt nichts war das absehbar, was mich heute, hier, jetzt, an meinem klaren Verstand zweifeln läßt. Nichts davon.
Bittesehr, mein hochverehrtes Tagebuch, stellen wir uns diese flachmatte Normalität vor: Miteinander sind wir, Manuela und ich, bei meinem Auto auf dem Parkplatz bei der Totenkirche angekommen.
Prahlhans hoch zehn, Manuela breitest ins Gesicht grinsend, habe ich den Arm mit dem Funkschlüssel langgestreckt, gedrückt - und das Schnappen erklang, das nichts anderes bedeutete, als daß ich, der Besitzer, in mein vierrädriges Fahrzeug hineinkönnte. Offen war mein Fahrgeschäft nun, für mich und meine Begleiterin.
Manuela, ich sehe Manuela mich angucken. Manuela mit herabgezogenen Mundwinkeln. Manuela meint: 'Schönes Auto, Bern-die. Kann man Gas geben mit.'
Ich: 'Würde ich auch sagen, daß ich damit höheres Tempo fahren kann, wenn die Strecke frei ist. Bitte, alles eingestiegen ... Bitte, das Anschnallen nicht vergessen. Laßt uns zum Königweiher fahren, Leute!'
Manuela steht auf ihren Beinen jedoch weiterhin rum, guckt auf meine Karre. Manuela: 'Aber hallo! Ein echt schönes Auto. Kann man sich so was als armer Student so leisten?'
Ich: 'Hat mich schon eine hübsche Stange an Scheinchen gekostet. Hatte das Geld aber mal.'
Manuela: 'Da sagt man immer, Studenten wären arm ...'
Ich: 'Mein Vati hat beim Bezahlen schon noch ein bißchen mitgeholfen. Einen Teil dazu beigetragen. Der Rest stammt von meiner Abfindung. Komm, steig ein. Sonst stehen wir noch Stunden hier rum. Je schneller du drinnen sitzt, desto schneller sind wir am Königweiher.'
Manuela rührt sich nicht. Manuela: 'Ts! Ts! Ts!'
Ich: 'Willst du wohl einsteigen, du -. Wenn du dich nicht beeilst, brauchen wir noch Stunden, um an den Königweiher zu kommen.'
Die Beifahrertüre habe ich Manuela mit breitem Grinsen aufgehalten.
Als hätten sich ihre bleichen Beine am Gehsteig festgesaugt, war Manuela am Dastehen.
Ich: 'Kommst du nun bald? Oder hast du doch keine Lust?'
Endlich, daß Manuela mit einem komischen Grinsen losgemacht hat, dem Angebot, einzusteigen, Folge zu leisten. Mit ihrem Hinterteil hat Manuela sich geziert auf dem gepolsterten Sitz meines gelobten Automobils niedergelassen.
Im Dasitzen, Parallelstellung der Beine, präsentierte Manuela mir ihren weißen Schlüpfer. Für ein Momentchen, ehe Manuela ihr prächtiges, nacktes Beinpaar anhob, alles Vielversprechende ins Fahrzeuginnere reinschwang. Um es drinnen langzustrecken.
Die Autotüre warf ich zu. Das war glücklich mal geschafft, daß Manuela im Innern hockte
Mann, wenn ich das nicht immer haben wollte.
Das mit dem sexy Höschen Manuelas schärfte mich an. Wenn ich nicht noch viel mehr von dort wollte. Wenn ich das Ganze nicht noch ein paarmal haben wollte. Den ganzen Rest. Frei von jeglicher Bedeckung und ganz weit für mich auseinandergemacht.
Der Überschwang der Begeisterung war total in mir geweckt. Im Laufschritt bin ich ums Automobil herum, habe mir die Fahrertüre aufgemacht, mich hinter das Lenkrad geklemmt.
Unterdessen, daß Manuela sich darangemacht hatte, draufzudrücken, daß das Seitenfenster auf ihrer Seite heruntergefahren ist.
Mit der Hand, daß Manuela ihr langes, dunkelblondes Haar zurückwarf.
Wie geil Manuela ausgesehen hat!
Ein Anblick für die Götter war Manuela. Am liebsten hätte ich Manuela sofort angepackt, den Beifahrersitz heruntergeklappt, und mir Manuela auf der Stelle küssend vorgenommen. Runde eins, ab dafür.
Manuela hat mich so angesehen, mir was hergegrinst. Genau schien Manuela über meine Gedankengänge Bescheid zu wissen. Manuela: 'Was ist denn los, Bern-die? Fahren wir nicht hier weg? Dachte, du hast es eilig. Je schneller du losfährst, desto schneller sind wir am Königweiher. Hast es doch vorhin selber gesagt.'
Ich: 'Stimmt, Madame! Schauen wir zu, zum Königweiher zu kommen. So schnell wie möglich sollten wir am Königweiher ankommen.'
Habe angelassen, kurz geschaut, und weil die Fahrbahn beidseitig frei war, bin ich mit durchdrehenden Reifen aus dem Parkplatz raus. Auf dem Gas zur nächsten Ampel. Vor der ich abrupt abgebremst habe, daß Manuela aufschrie, auf dem Sitzplatz Wucht hatte.
Hübscher Kraftaufwand für Manuela, obzwar im Sicherheitsgurt und mit beiden Händen am Rand des Armaturenbretts oben, unten die Füße gegenstemmend, sich abzufangen, nirgendwo dagegenzuküssen.
Muß ziemlich knapp gewesen sein, daß uns, Manuela und mir, die Aufprallkissen nicht aufgingen.
Manuela, in die sitzende Ausgangsstellung zurückgekehrt, schaute mich großäugig an. Manuela: 'Du bist aber rasend unterwegs, Bern-die. Schöner Bleifuß. Diese Eile, was? Du hast es wirklich eilig, nicht?'
Das Herz schlägt mir, ich blinzelte Manuela neben mir an. Kühl jedoch, daß ich was daherrede. Ich: 'Ja, habe es eilig. Hab es wirklich eilig mit uns. Wenn ich draufsteige aufs Gas, sind wir im Nu am Königweiher. In einer Sekunde sind wir am Königweiher, liegen wir zusammen im Sand.'
Grün war. Als wäre ich Fahrer in einem Autorennen, bin ich mit Kreischgeräusch aus meiner Polepositon an der Ampel losgeklotzt.
Allerbeste Reaktion, der Start.
Kein Polizist, der das mitansehen hätte dürfen.
Leicht möglich, daß der Kollegen von sich informiert hätte. Ihnen meine Autonummer aufgesagt, Fahrzeugstyp. Polizeiwägen, die die Verfolgung aufgenommen hätten. Und wenn ich angehalten worden wäre, pusten hätte müssen.
Wäre sicher mies für mich gelaufen, die Geschichte. Tee mit hochprozentigem Rum, Pils, das ich getrunken hatte.
Null Promille war das gewiß nicht.
Ich: 'Fahren wir auf die Autobahn rauf, Manuela?'
Manuela: 'Wart mal! Habe mir gerade eben schnell was überlegt, Bern-die. Weißt du, ich habe so überhaupt nichts dabei, Bern-die. Kein Badezeug, nichts. Handtücher, Badematten will ich aber unbedingt dabei haben. Ohne geht das nicht. Hättest du was dagegen, Bern-die, mich kurz zu mir nach Hause zu fahren? Mache ich schnell ins Haus rein, hole, was ich brauche, ja? Du weißt ja noch, wo ich wohne, oder? Dort fährst du uns jetzt kurz hin, ja? Ich besorge mir oben alles, bin dann - eins, zwei, drei - wieder bei dir unten zurück.'
Ich: 'Ja, klar, das können wir schnell machen, Manuela. Kurz zu dir heimzufahren, geht in Ordnung. Holst dir die Sachen, die du brauchst, kommst dann in einer Sekunde wieder zu mir runter.'
An das alles erinnere ich mich ganz deutlich.
Und die Zeilen Gespräch finde ich in der Umsetzung nahe dran an dem, was Manuela und ich an dem Nachmittag des zehnten Juli auf der Fahrt geredet haben.
*
Einundzwanzigster Juli, Tagebuch-Datei, aufgeklickt.
Weiterhin Samstag. Später am Abend. Uhrzeit: 22:03.
Nicht mehr lange, dann bin ich in Dir beim Punkt, Tagebuch. Dann überblickst Du die ganze Problematik.
Warum es mir kalte Schauer den Rücken herunterjagt, es mich fröstelt. Das ist dann in Dir beantwortet.
Draußen hat es die schönsten abendlichen Plusgrade, in meinem Zimmer herrscht eine hübsch drückende Schwüle.
Trotzdem ist der Rolladen heruntergelassen, der Vorhang zugezogen.
Tatsache, liebes Tagebuch, Manuela, Manuela, SIE bedrängt mich.
In mir ist das Empfinden, Manuela wäre wieder da.
Im Freien draußen. Unten, im Garten.
Ich müßte mich nur vom Drehstuhl auf die Füße hochschaffen, hinaus aus meinem Zimmer machen. Den Gang hinunter. Die Stiege abwärts mich begeben. Zur Haustüre, diese in einer Sekunde aufgemacht - und hinaus aus dem Haus treten ...
Ginge ich ein bißchen herum, würde mir Manuela irgendwann gegenüberstehen. Könnte Manuela mir gegenüber ankommen.
Heute früh war Manuela für mich anwesend - jetzt ist Manuela zu mir zurückgekommen.
Wenigstens ist es das, was ich als Gewißheit in mir spüre. Das, daß Manuela sich nicht weit von mir entfernt irgendwo aufhält.
Eigentlich erwartet Manuela von mir, daß ich irgendwas losmache, zu ihr zu kommen. Oder ich dafür sorge, daß SIE, Manuela, zu mir herkommen kann.
Wie auch immer, irgendwas sollte ich anstellen, daß Manuela zu mir gelangen könnte.
Beispielsweise indem ich Manuela herbeirufe. Das müßte nicht mit Geschrei sei. Das Fenster aufmachen, warten, bis Manuela sich zeigt. Manuela mit einer kleinen Geste zu bedeuten, daß SIE willkommen ist, das würde reichen.
Manuela könnte, hätte ich IHR das erst zu ihr hin gemacht, unverzüglich zu mir herein- oder heraufkommen. ohne, daß ich lange hier aus dem Haus hinausgehen müßte.
Mann, Mann, Mann, Tagebuch!
Fertig macht mich das. Dieses Drängen in mir. Dieses Verlangen.
Es ist, als ob ich einen Ruf Manuelas hören. Als ob Manuela mich ruft.
Irgendwas, das ich endlich dafür anstellen soll, daß SIE das endlich kann, darf, zu mir hereinzukommen. Um mit mir zusammenzusein.
Nur, bisher habe ich nichts in dieser Hinsicht unternommen. Nichts, daß Manuela zu mir hereingelangen hätte können.
Das heißt, bis jetzt konnte ich dem von Manuela her widerstreben. Bisher ist es nicht damit, daß Manuela bei mir drinnen wäre. Zu mir hereingelangt.
Ich leiste demzufolge Widerstand. Ich trotze. Gebe dem Drang nicht nach. Und Manuela ist weitehin darauf angewiesen, daß ich etwas anstelle. Daß ich ihr eine Hilfestellung bin.
Es ist, wie wenn es mich juckt. Kratzen möchte ich, mich kratzen. Mich nur noch dort kratzen. Aber ich kratze mich nicht. Gebe dem nicht nach, mich mit den Fingernägeln an der juckenden Stelle zu kratzen. So schlimm das auch ist.
Bis jetzt konnte ich das aushalten. Obwohl ich davon ziemlich fertiggemacht bin.
Nein, ich bleibe doch lieber dem Monitor gegenüber sitzen. Besser, hier auf dem Drehstuhl vorm Rechnertisch zu sitzen. Statt ... Statt ...
Sitze hier. Bin ich nicht woanders.
Weil, werde ich bei dem mit Manuela nachgiebig, weich ...
Viel Ahnung habe ich nämlich nicht davon, wie es mit mir bei Manuela weitergehen würde.
Da sind sicher manche Sachen gesünder für mich. Solange ich am Stuhl hier hocke, ist nicht viel was anderes mit mir. Angesichts dieser bedrohlichen Unübersichtlichkeit, die Manuela heißt.
Ich sag Dir was, Tagebuch: Solange ich diesen Lockruf höre, etwas aus eigenen Stücken unternehmen muß, ist SIE auf Kleinigkeiten von mir angewiesen.
Immer noch, daß Manuela das nötig hat, daß ich etwas ihr Gefälliges mache.
Bleibe ich unnachgiebig, beweise meinen Willen, hat SIE außerhalb zu bleiben. Solange ich nichts Größeres aufführe, ich IHR nicht gefällig bin, hat SIE draußen zu bleiben und zu warten.
Solange bleibt Manuela außerhalb. Scheint es.
Echt der Wahnsinn, was ich tippe.
Warum kannst DU das nur mit mir machen, Manuela? Wie geht das zu?
Hättest DU DIR mit DEINER schrecklichen Gegenwart nicht jemand anders aussuchen können, Manuela? Einen, der DIR näher war als ich die vergangenen zehn Jahre?
Voll von Leuten ist die Welt, die DIR die letzten Jahre näher waren als ich. So voll von solchen Leuten.
So viele Leute, denen DU, Manuela, eher als mir ...
Aber DU - mir trittst du gegenüber in den Weg. Mich triffst DU. Als wären wir uns die letzten zehn Jahre irgendwie verbunden gewesen. Wovon ich jedoch bewußt nicht das Allergeringste weiß.
Mit mir treibst DU DEINE Späße, Manuela.
Oder, Manuela, ich sehe hier was falsch.
DU kommst von jemandem anderem. DU willst aber mich auch noch. Mich auch noch.
Nein, nein! Nein, nein!
Ich stehe hier nicht auf. Ich bleibe hier am Drehstuhl sitzen.
Ich bleibe hier am Drehstuhl vorm Monitor hocken.
Willst DU was, Manuela, mußt DU schon hier zu mir hier ins Zimmer rauf- und zu mir reinkommen. Ohne, daß ich DIR helfe, hereinzukommen.
Ich gehe auf keinem Fall raus aus dem Haus zu DIR. Verziehe DICH mit DEINER Hypnose woandershin, Manuela, sage ich dir.
Ich tippe, ich tippe ... Wenn ich tippe, kann nicht viel was anderes sein.
Tippen, tippen.
Die Fortsetzung der Geschichte dieses Nachmittags, mit dem geht es weiter. Mit sonst nicht..
Die Situation ist mein Tagebuch ich und Manuela, wir waren beide in meinem Auto unterwegs ...
Zu mir hatte Manuela gemeint, ich sollte sie kurz zu sich nach Hause fahren. Damit sie sich daheim Handtücher, Badematten holen könnte. Ohne so was wollte Manuela nicht an den Weiher..
Um zu dem Mietshaus zu gelangen, in dem - wie ich mich erinnerte - Manuela früher gewohnt hatte, mußte ich quer durch die ganze Stadt kutschieren. Zig Ampeln waren zu bewältigen.
Das war gut fürs Dauerschimpfen und die Flucherei, bedeutsames Lenkradschlagen.
Habe ich auch wichtig mit ausschweifender Gestik gemacht. Auf der Fahrt war ich mit meinem Getue der Alleinunterhalter.
Das Gebäude, zu dem ich hinfuhr - eine Route, die Manuela nicht zu ändern einfiel -, befand sich am oberen Ende der Stadt, Stadtrandgebiet mit ein paar verschiedenen mehrstöckigen Wohnklötzen. Würfel, Quader. Diese Formen. Ausformungen.
Die Ankunft vor Ort - dem Wohnhaus, in dem, meines Wissens nach, Manuelas Alten wohnten - stand unmittelbar bevor.
Texte ich in Dir wieder Ungefähres vom Gequassel zwischen Manuela und mir, verehrtes Tagebuch. So könnten die Worte zwischen Manuela und mir dort gewesen sein.
Ich: 'Mist! Mist! Diese Ampeln - warum schalten sie alle nicht schneller?'
Manuela: 'Die letzte Ampel, Bern-die. Die letzte. Sind dann da. Beim Haus. Dauert alles höchstens fünf, zehn Minuten oben. Höchstens so fünf, zehn Minuten, Bern-die. Ich komme sofort zu dir runter, wenn ich alles habe, ja?'
Ich: 'Gehst du gern an die Weiher, Manuela? Fahre jeden Sommer viel an die Weiher der Umgebung. Kann mich aber nicht erinnern, daß ich dich mal wo an einem gesehen hätte.'
Manuela: 'Wohne erst kurz wieder bei meinen Eltern. Bei Vater, Mutter. Seit ein paar Wochen eigentlich wieder erst.'
Ich steige gemäßigt aufs Gas, lenke meinen Vierräder nach dem Ampelstopp endlich wieder voran. Ich: 'Ach ja! Du hast ja gesagt, daß du im ... warst.'
Manuela: 'Genau, Bern-die! Genau! Ja, das stimmt. Dort war ich länger. Hier sind wir, Bern-die, fahr nicht vorbei ...'
Auf die Bremse steige ich, steuere nach links rüber.
Manuela: 'Jetzt wärst du bald vorbeigefahren, Bern-die. Hier sind wir dann jetzt. Gehe kurz rauf. Bin dann aber schnell wieder bei dir zurück. Nur kurz ein paarmal von dir geschaut, dann bin ich schon wieder bei dir zurück, wart mal ab.'
Die Parkplätze gegenüber von dem Haus, in dem Manuelas Eltern vor Jahren drinnen wohnten, waren allesamt frei. Mein Fahrzeug habe ich dort hingeparkt, den Motor abgestellt und Manuela am Beifahrersitzpolster rechts von mir angeguckt.
So seltsam verquer erwidert Manuela meinen Blick. Wie jemand mit Hunger. Als würe sie gern hungrig über mich und mein Fleisch herfallen, müßte sich die Idee aber aus irgendeinem Grund verkneifen. Zunächst.
Fand, Manuela könnte das doch, ruhig augenblicklich losmachen, wenn sie es nötig hätte. Wegen mir mußte Manuela auf nichts warten. Ich konnte die Sitze überall runtermachen.
Statt etwas Besonderes zu unternehmen, blieb Manuela am Platz sitzen, redete, redete. Manuela: 'O ja, Bern-die! Hansi hat mich im Gefängnis sitzen lassen. Hansi läßt mich einfach im Gefängnis. Hat ein großes Bauernhaus, oben in Geiersdorf, er, Hansi. Anderswo auch Immobilien. Hansis Geschäfte waren sehr einträglich, die letzten Jahre. Weiß einiges von Hansis Geschäften. Könnte ich dir ein bißchen was erzählen, Bern-die. Schlimm böse könnte Hansi werden, würde Hansi erfahren, daß ich Leuten viel was erzähle, Bern-die. Glaube aber nicht, daß Hansi was davon erfährt, daß ich was zu dir etwas sage. Ist gut, daß du Hansi nicht für irgendwas kennst. Das kann ich wirklich nicht brauchen, daß Hansi mir echt böse wird. Überhaupt nicht. Vier Jahre waren Hansi und ich ein Paar ... Hm ja, auch heute hat das noch was zu bedeuten. Auch für Hansi was zu bedeuten. So leicht wird Hansi mich nicht los. Nachdem ich Hansi verlassen hab müssen, wohne ich nur wieder bei meinen Eltern droben. Bin wieder bei meinen Eltern eingezogen, wo ich mich auskenne. Glaubst du doch, Bern-die. oder?'
Ich: 'Ist doch was Brauchbares, wenn man Eltern hat. Bin auch hier runter zurückgekommen. Bis zum Ende der Semesterferien wohne ich wieder bei meinen Eltern. Sehe nicht, daß das ein Problem ist. Eins zwischen uns ist das sicher nicht.'
Manuela: 'Sehe ich auch so. Wir haben kein Problem. Keins. Außerdem hast du ein Auto, kannst wo hinfahren. Mit mir neben dir ...'
Ich: 'Ganz schön lange Zeit, Manuela. Vier Jahre, eine schön lange Zeit, daß du mit diesem Hansi zusammen warst ...'
Manuela: 'Jaja, vier Jahre sind schon lang. Voll lang. Eine lange Zeit. Dabei ist Hansi so ein Mistkerl. Voll ein gemeiner Verbrecher ist Hansi. Könnte dir richtig viel erzählen von Hansi, Bern-die. Könnte ich gut machen. Am Königweiher, Bern-die, könnte ich dir das eine oder andere erzählen. Wir beide, du und ich, am Königweiher ... Hm, hm! Du sagst, du fährst heute gern an die Weiher? Kann ich mich von früher her gar nicht so daran erinnern, Bern-die ... Ich meine, wir sind damals lieber ins Freibad, wenn wir ...'
Ich: 'Stimmt! Waren öfters zusammen im Freibad. Heute fahre ich, wenn heißes Wetter Sommer fahre ist, es zeitlich paßt, lieber an die Weiher hier in der Umgebung. Freibad ...? Bin ich heute eigentlich selten. Wenn es an den Weihern auch geht. Bin heute eher so ein Weiher-Typ. Ist man auch freier, am Weiher, würde ich sagen, Manuela. Oder, was sagst du?'
Manuela lächelte, so verständig, nahm meine Hand von ihrem kühlen Oberschenkel weg. Manuela: 'Hätte ich dich heute nicht getroffen, Bern-die, weiß nicht. Hätte ich das schon früher gewußt, das mit dir ... Gestern zum Beispiel ... Hätte ich dich gestern schon gehabt. Nicht erst heute.'
Ich: 'Meine ich auch. Gestern hätten wir uns auch schon gut treffen können ... Jetzt bin ich aber da. Ich kann mit dir zusammensein, du mit mir. Schauen wir mal, was heute noch weiter mit uns ist. Ob uns beiden am Königweiher viel langweilig sein wird, Manuela ...?'
Manuela: 'Nee! Glaube nicht, daß uns am langweilig sein wird. Wenn wir erst am Königweiher sind.'
Ich: 'Denke ich auch, Manuela. Bin ich mir sogar sicher.'
Manuela: 'Du bist so ein ganz andrer Typ als Hansi, Bern-die ...'
Ich: 'Tja, mit Hansi und dir ist's heute leider aus, Manuela ... Das hat sich, das mit Hansi ...'
Manuela: 'Ah - ja! Hansi, der macht dich irgendwie an, Bern-die, nicht? Hansi, der macht dich an.'
Ich: 'Nein, eigentlich macht mich Hansi nicht an, Manuela. Wie kommst du da drauf? Kenne diesen Hansi ja überhaupt nicht. Aber jetzt, wenn du dich vom ihm getrennt hast ...'
Manuela: 'Am Königweiher, Bern-die ... Viel, viel Zeit haben wir am Königweiher. Am Königweiher werden wir viel, viel reden ... Auch von Hansi erzähle ich dir noch ein bißchen was, ja?'
Ich: 'Bist du wieder bei mir zurück, werden wir in einer Sekunde dort sein, am Königweiher, Manuela. Wenn du wieder heruntergekommen bist, sind wir in einer Sekunde am Königweiher.'
Manuela: 'O Bern-die! Du bist so ein Süßer. Komm, Bern-die, gib mir ein Küßchen. Zum Abschied.'
Ich: Was soll das heißen - Abschied?'
Manuela: 'Jetzt gehe ich doch weg, Bern-die. Aber, wart es nur ab, in ein paar Minuten, in ein paar Minuten bin ich wieder bei dir unten. Bin ich wieder bei dir unten. Zu dir zurückgekommen. Wenn du mir kein Küßchen geben magst, Bern-die, gebe ich dir schnell eins.'
Einen lauen kühlen Kuß patschte Manuela mir auf die Wange, fauchte daraufhin wie so eine Raubkatze in meine Richtung. Dann wandte sich Manuela abrupt grinsend von mir ab, machte die Beifahrertüre auf, um sich wieder mir zuzuwenden.
An meinem Ohr flüsterte Manuela heiser. Manuela: 'Du bist so ein Süßer, Bern-die. Voll von süßem Blut. An dir könnt ich knabbern. Stundenlang. Beißen könnt ich dich. Dich immer und überall beißen. Ob ich dich wieder schnell loslassen würde können, würde ich in dich reinbeißen, Bern-die? So schnell könnte ich dich sicher nicht wieder loslassen. Besser, ich warte jetzt noch damit ... Ich komme wieder, Bern-die ...'
Ich: 'Ich will dich haben, Manuela. Ich muß dich wieder haben. Ist so lang her, seit wir. Seitdem wir ... Seitdem wir zuletzt ... Wirklich viel zu lange. Du bringst mich um den Verstand, Manuela, du machst mich rasend. Ich könnte dich, hier und jetzt - sofort ...'
Manuela: 'Nein, Bern-die. Jetzt wart mal bitte mit deinen Händen, Bern-die. Mußt sie wegnehmen. Wir müssen warten. Ich mache jetzt schnell, ganz schnell, daß ich oben bin. Bin schneller bei dir zurück, als du glaubst, Bern-die. Bis so in zehn Minuten, Bern-die, ja?'
Ich: 'Zehn Minuten soll das dauern? Zehn Minuten sind eine verdammt lange Zeit, Manuela ...'
Manuela: 'Zehn Minuten sind nichts, Bern-die. Nicht mal, wenn es Tage wären, wäre das viel. In zehn Minuten, Bern-die, ja?'
Ich, die Hände bei mir im Schoß zurück, ein unzufriedenes Gesicht ziehend.
Manuela: 'Bis in zehn Minuten, Bern-die. Zehn Minuten ...'
Ich: 'Gut, bis in zehn Minuten, Manuela.'
Manuela: 'In zehn Minuten, Bern-die. Bis dahin ..."
Die Autotüre auf ihrer Seite, die Manuela weit aufmachte. Ein Momentchen drauf war Manuela aus meinem Wagen draußen. Außerhalb sehe ich Manuela stehen. Mit so Art fiebrigen Augen, daß Manuela gierig zu mir im Wageninnern hereinstarrte. Das angenehmere Grinsen, das Manuela ins Gesicht zurückkehrte.
Für mich war das alles während dieser flüchtigen Momente vielversprechend. Schönste Welt, unbekümmert.
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