"Das digitale Tagebuch" (27.07. - 07.08.), No. 2
Siebenundzwanzigster Juli, Tagebuch-Datei aufgeklickt.
Freitag der Vormittag, Uhrzeit: 10:53 Uhr.
Das stimmt, Tagebuch: Hans-Georg Tabert, dem genügte das nicht einfach mehr, bloß reich zu sein und bei irgendwelchem dumbem Volk der Mittelpunkt zu sein. Hans-Georg Tabert, der wollte mehr. Viel mehr.
Was sollte das mit dem ganzen angehäuften Besitz schließlich, wenn man sich mit dem nirgends richtig präsentieren konnte?
Das heißt, es ging bei Hans-Georg Tabert nicht anders zu, wie bei so Bossen der Cosa Nostra. Auch die gaben gerne Abendgesellschaften. Verschickten Einladungen. Nur, der geladen war, der sollte auch von Interesse sein, was darstellen. Der Pöbel, den man an jedem Straßeneck aufsammeln konnte, der reichte dafür wirklich nicht hin.
Echte Adelsleute neben denen vom Geldadel unter den geladenen Gäste, das mußte sein. Politiker, egal welcher Couleur, Hauptsache, der oder die hatte einen Namen und war bereit, zu erscheinen.
Gesellschaftliche Anerkennung. Einlaß in die bessere Gesellschaft zu finden, das war das Begehr. Mitglied in der Welt der Schönen und Reichen zu werden.
Bei Hans-Georg Tabert war das tatsächlich keine andere Geschichte.
Hans-Georg Tabert, dem wollte es nicht hinreichen, reich zu sein. Parties für irgendwelchen Unterschichtspöbel zu schmeißen, daß der was zu saufen und zu fressen hatte. Und Jedermann-Bräute im Bett zu haben.
Die Qualität seiner Bräute, die war anscheinend ein Punkt bei Hans-Georg Tabert. Anders war die Geschichte Hans-Georg Taberts mit Gina, der hübschen, blonden Moderatorin des privaten Lokalradios. Gina, die Radiomoderatorin.
Gina am Morgen - der Name von Ginas Hör-Show.
Beliebt, Gina, bei der Zuhörerschaft. Schaffte im Einzugsgebiet ihres privaten Regionalsenders immer mehr Spitzenquoten.
Werktags, daß Gina das ihr vorm Radio lauschende Volk von Montag bis Freitag von fünf Uhr in der Früh bis zehn Uhr am Vormittag durch die Morgenstunden begleitete.
Vor allem Gina war es, die es brachte, dem Lokalsender zu erhöhter Quote zu verhelfen. Stabil der Anteil von fünfundvierzig Prozent an weiblichen Zuhörern im Sendegebiet des Lokalradios.
Gina war ein Knaller. Gina, die verhalf zu Werbekunden.
Sehen lassen konnte Gina sich wirklich auch. Gina, der man mittels mehrerer Netzkameras aus verschiedenen Perspektiven auch im Studio im Stehen oder sitzend zuschauen.
Dabei war oft ein Blick auf Ginas lange Beine zu erhaschen, weil Gina nur selten lange Hosen trug.
Überdies war Ginas Oberbekleidung des öfteren alles andere als blickdicht und es gut möglich, daß Gina keinen Büstenhalter anhatte. Daß es bei Cam-Szenen, wenn Gina sich durch die Gegend beugte, dazu kommen konnte, daß einiges von Ginas Brüsten zu überblicken war.
Auf der Höhe von Ginas Popularität diskutierte man auf Leserseiten der Lokalpresse und im Internet schon mal so etwas ähnliches wie das Thema, daß Gina grellweiße Schlüpfer mochte. Weil: Im Sitzen oder beim Aufstehen machte Gina gerne Fehler. Viel zu weit, daß Gina ihre Beine auseinandermachte, daß man ihr gut dazwischen hinein sehen hatte können.
Gina passierten diese Dinge einfach, wie Ungeschicke. Daß wegen der Häufung Kalkül dahinterstecken könnte, davon war bei Gina irgendwie nie die Rede.
Für ein paar Tage wurde in den örtlichen Pressemedien sogar die Frage aufgeworfen, ob Gina am Morgen wirklich mit nichts anderem als einen oberschenkellangen Morgenrock an im Sendestudio erschien. Gina ohne ein Höschen. Mit Billigkeit wurde das bei Gina jedoch nicht in Verbindung gebracht.
Zu weiterer Zuhörerschaft verhalf es Gina, als Gina vor einem Jahr auf die Idee gekommen war, sich in ihrer Radio-Show selber als Preis auszuloben. Sie, Gina, war es, die ein Mann, der bei ihr am besten ankam, gewinnen konnte. Ein ganzes Wochenende alleine mit Gina.
Zwischen neun und zehn Uhr am Montag bei sich in dieser Angelegenheit anrufen, eröffnete Gina eine neue Runde. Die Männer hatten die Aufgabe, Gina das klarzumachen, warum Gina ausgerechnet mit ihnen ein Wochenende verbringen sollte. Mit dem Versprechen von allem, was sich zwischen einem Mann und einer Frau abspielen konnte. Wirklich nichts, das Gina nicht versprach und, war das einer, der ihr gefiel und darüberhinaus gut bei ihr ankam, nicht halten wollte. Keine Küsse, auch nicht die Kissenschlacht.
Alle vierzehn Tage, drei Wochen, daß Gina, die Radiomoderatorin, von Freitag am Nachmittag bis Sonntagabend mit dem traf und herumtrieb, der sie für sich gewonnen hatte. Mit dem, der es ihr am plausibelsten, nettesten rüberbrachte, warum er ein persönliches Treffen mit ihr, Gina, nötig hatte. Dabei einiges an Charme, Witz und Schlagfertigkeit besaß. Denn, nebenbei, überall, wo er und Gina sich aufhielten, lief ein Aufnahmegerät mit. Die Sprungfeder des Bettes, die nachts quietschte, die zeichnete das Gerät auf.
Wenn das mit der Wochenendbegegnung Sonntag am Abend vorüber war, arbeitete Gina die besten Bonmots des am Wochenende Erlebten von Montag bis Mittwoch in der werktäglichen Hör-Sendung auf. Und Gina schaffte es, ihre wißbegierige Zuhörerschaft zu fesseln.
*
Siebundzwanzigster Juli, Tagebuch-Datei, offen gestanden.
Früher Freitagnachmittag, Uhrzeit: 14:17 Uhr.
Mein nächster Eintrag hier ...
Erst mal, war zum Mittagessen in der Küche. Dann habe ich Mutti an der Spüle beim Abtrocknen der Teller, Tassen und Gläser geholfen. Mutti hat gemeint, ich könnte dann noch, mit dem Rasenmäher, wenn ich Lust hätte ...
Normales Leben, das, oder? Nichts Besonderes nirgendwo. Als wäre meine kleine Welt in bester Ordnung, alles wie sonst auch.
Ist aber nicht.
In keinster Weise ist bei mir irgendwas Okydoki. Und Mutti weiß, daß etwas bei mir nicht stimmt. Etwas ist los.
Mit komischen Blicken nervt Mutti mich an, als müßte ich ihr was sagen.
Bloß habe ich ihr eigentlich längst was gesagt. Einige Sachen, die mit Manuela zusammenhängen. Nur, ernst, ernst nimmt Mutti das mit Manuela nicht. Hält es nicht für wirkliches Problem. Deswegen möchte Mutti tiefer bohren. Und Mutti nervte tatsächlich, auf Helen zu sprechen zu kommen. Nur mühsam, daß ich in der Küche dann meine Aggression zügeln konnte. Schnellstens bin ich dann aus der Küche rausgelaufen, ehe was schlimmer bei mir losging.
Immer das gleiche, oder?
Eigentlich wollte ich heute vormittag noch Altdorf von Mauth anrufen. Für eine endgültige Absage oder so.
Dazu habe ich mich allerdings nicht aufraffen können. Im Moment habe ich überhaupt keine Lust, Personaler Altdorf anzutelefonieren.
Verflucht soll der Mann sein!
Anscheinend warte ich doch lieber auf den Anruf von denen von Mauth. Bisher sind die leider noch nicht wieder auf die Idee gekommen, meine Nummer für ein Telefonat mit mir zu wählen.
Kann ich aber morgen noch machen, was mit Mauth telefonieren, wenn ich das nötig habe. Bei Mauth ist auch samstags nicht arbeitsfrei.
Das heißt, ganz genau weiß ich das gerade nicht.
Voriges Jahr war dem noch so, daß am Samstag bei Mauth zu arbeiten war. Heuer, ein total anderes Jahr ...
Texte ich weiter was mit Gina und Tabert, liebes Tagebuch ...
Gina und Tabert ...
Gina am Morgen. Die Radiohör-Show Ginas von fünf früh bis zehn Uhr am Vormittag.
Ab neun Uhr kümmerte Gina sich in ihrer letzten vormittäglichen Moderationsstunde dann um die Kerle, die eine Begegnung mit ihr gewinnen konnten. Wenn sie gut waren. Schlagfertig, witzig.
Auch Frauen riefen während der Stunde an. Fragten bei Gina an, was das mit der Gleichberechtigung zu tun hätte, wenn Gina sich an einem Wochenende alle vierzehn Tage, drei Wochen immer mit einem Kerl traf. Gina könnte sich doch auch mit einer Geschlechtsgenossin treffen, oder? Oder wollte Gina nur Männer?
Ende Oktober letzten Jahres war das dann, daß Hans-Georg Tabert als einer der Kandidaten der ersten Woche zu Gina ins Moderatoren-Studio hinein weitergeleitet wurde. Und Hans-Georg Tabert - das konnte meine Mutti, die täglich von früh am Morgen an bei Gina am Morgen zuhörte, mir bei meinen Unterhaltungen mit ihr, Tagebuch, glaubhaft machen, besaß einiges an hörbarer Schlagfertigkeit und Witz. Hans-Georg Tabert, der wußte zu reden und zu unterhalten.
Mußte ein männlicher Teilnehmer in der Runde mitten unter den anderen Kerlen aber auch gut draufhaben, so was. Sonst war der Ofen für ihn bei Gina sehr schnell aus, und der nächste in der Leitung war mit Gina im Studio verbunden. An Anrufern bei Gina in der Hör-Sendung mangelte es nicht. Mit ordinärem Dahergelaber, einem Auftritt der Marke Dumpfbacke, war bei Gina nichts zu gewinnen. Und wenn einer Gina am Wochenende dann gewann, das sollte der sich das ebenfalls gut überlegt haben. Daß es bei ihm nach was ausschaute, wenn Gina zu ihm heimkam. Gina, die neben einer Mikrophonverkabelung auch eine Handkamera hatte. Zwar nicht für alles, was mit einer Kamera am Ende ging, aber für den Netzauftritt auf der Heimatseite des Senders reichte der Rest auf alle Fälle.
Einem, der Gina überzeugt hatte, für ein Wochenende ihm zu kommen, war es passiert, erinnerte sich Mutti, daß Gina, kaum war Gina bei ihm eingetroffen, ein paar Minuten drauf schon wieder in ihr Auto gestiegen war, um die Abfahrt zu machen. Kurz nur, daß Gina in der Gegend herumfotografierte, filmte. Der Mann hatte Gina tatsächlich in allem belogen, wie er äußerlich ausschaute und was bei ihm los wäre.
Mit sieben Herren, die als Auswahl übriggeblieben waren, ging Hans-Georg Tabert bei Gina am Morgen von neun bis zehn Uhr am Vormittag schließlich in die zweite Woche.
Sieben, das waren nicht viele. Gina hatte keine ergiebige erste Woche.
Am Dienstag bereits erwählte Gina die vier, die ihr per e-Briefsendung ein paar Fotos von sich und ihrer Umgebung nach Ginas Sender-Netzpostfach schicken durften.
Hans-Georg Tabert, der schaffte es schließlich in die alles entscheidende Donnerstagsvormittag-Hörsendung. Einer von dreien war Hans-Georg Tabert, der Gina zwischen neun und zehn Uhr heiß umwerben durfte. Am Ende der Stunde verkündete Gina bereits, nicht wie bei Gina am Morgen üblich erst am Freitag, daß Hans-Georg Tabert derjenige sein würde, mit dem sie, Gina, das darauffolgende Wochenende verbringen wollte. Gegen siebzehn Uhr am späten Nachmittag, daß Gina bei ihm, Hans-Georg Tabert, in Geiersdorf vorbeischauen würde. Einen derartig positiven Eindruck hatte Hans-Georg Tabert da im Verlauf der Sender-Stunde auf Gina gemacht. Vor Hans-Georg Tabert war das überhaupt noch keinem der Kandidaten bei Gina am Morgen gelungen, daß sich Gina schon am Donnerstag live auf Sendung für ihn entschieden hätte.
Hans-Georg Tabert, wohnhaft in Geiersdorf, war derjenige, der das Wochenendabenteuer mit Gina, der Moderatorin von Gina am Morgen gewonnen hatte.
*
Siebenundzwanzigster Juli, meine Tagebuch-Datei stand offen.
Jetzt ein neuer Eintrag. Freitagnachmittag. Genaue Uhrzeit: 15:12 Uhr.
War in den Flur hier oben hoch, wollte den Gang runter, in mein Zimmer zu kommen - hat Mutti mir von unten herauf hinterhergeschrien, daß das Telefon für mich läutet.
Habe ich auf dem Absatz kehrtgemacht, bin wieder hinunter, um zum Haustelefon zu machen.
Mutti ist dort bei der Anlage herumgestanden, hat mir mit glänzenden Augen entgegengeblickt.
Schon der erste Blick auf die Telefonanzeige genügte: ein Werbeanruf. Mit solchen Nummern rief keiner von Mauth bei mir an. Trotzdem bestand Mutti darauf, obwohl ich zu ihr sagte, daß das eine teure Nummer wäre, daß ich sofort zurückrufen sollte.
Ergebnis meines Rückrufs: Ein Zeitungs-Abo wollten die verkaufen. Eine Zeitung noch dazu, die mit der Gegend hier nicht das geringste zu tun hatte. Nicht mal, daß ich dort studierte.
Obwohl ich das Abo abgelehnt habe, regte sich Mutti sich auf. Weil von Mauth immer noch keiner bei mir anrufen hatte wollen, mir Bescheid zu geben, ob ich nicht ab dem Ersten doch bei Mauth anfangen könnte.
Wegen dem Druck, den Mutti mir gegenüber aufbaute, daß ich in ihrer Gegenwart sofort bei Mauth anrufen sollte, hatte ich extra keine Lust, mir das Telefon noch mal zu greifen. Statt dessen habe ich mich von Mutti abgewandt, bin hoch, hierher auf mein Zimmer.
So, Tagebuch, hier sind wir wieder.
Will jetzt in Dir weitertippen. Von dem Texten, wie das zwischen Gina, der Radiomoderatorin, und Hans-Georg Tabert weiterging.
Bei Gina war das Wochenende mit Hans-Georg Tabert gelaufen - und hatte irgendwie einen bleibenden Schaden bei Gina, der Moderatorin des Privatradios, hinterlassen. Hans-Georg Tabert, ein echtes Erlebnis für Gina. Gina, eine eigentlich welterfahrene, mit allen Wassern gewaschene Frau. Trotzdem war Gina richtig hin und weg von Tabert.
Gina, das heißeste Pferdchen im Stall des privaten Radiosenders, Gina, die die werktäglichen Morgenstunden von fünf Uhr in der Früh bis zehn Uhr am Vormittag moderierte, die überraschte ihr lauschendes Publikum, brachte es richtig zum Staunen: Mit Hans - Hans-Georg Tabert - zusammen ging Gina ab Montag fünf Uhr früh bei Gina am Morgen in die darauffolgende Woche.
Das erste Mal, daß Gina das mit einem ihrer Wochenendkerle anbrachte, und zwar die vollen Stunden durch ununterbrochen Hans-Georg Tabert. Von fünf Uhr früh bis um zehn vormittags bei Gina am Morgen Ende war. Hans hier, Hans dort. Es war beinahe unfaßlich, nicht zu glauben, wie Hans-Georg Tabert Gina erwischt hatte.
Der ganze Rest an Männern, mit denen Gina die Monate zuvor mal ein Wochenende verbracht hatte, der war bis dahin bei Gina am Morgen für Gina höchstens für die nachträgliche Aufbereitung der Wochenenderlebnisse Ginas gut. Sonst für nichts. Auch was für die Möglichkeit böserer Lacher. Hans-Georg Tabert jedoch - Ginas Hans -, der stand gemeinsam mit Gina hinterm Mikrophon. Wie eine Eins witzelte Hans-Georg Tabert, sprach prominent mit Gina. Und öfters hörten die draußen an den Radioempfängern, ob per Internet, Kabel oder Antenne übertragen, Schmatzer: Hans und Gina, die sich innig den nächsten Kuß schenkten. Einmal stürzte sogar die Cam-Übertragung im Internet ab, weil zu viele das sehen wollten, was Hans und Gina im Studio miteinander trieben. Obwohl darüberhinaus überhaupt nichts los war.
Ganze Wochen durch, daß Hans-Georg Tabert bei Gina am Morgen mitmoderierte. Sogar über die Musik, die bei Gina am Morgen gespielt wurde, entschied Ginas Hans.
Nicht daß Hans-Georg Tabert bei Gina in Ginas Hör-Show Gina am Morgen andere Musikstile eingeführt hätte als die üblichen. Hans-Georg Tabert, der ließ von den Gruppen, Sängern, -innen, die sonst vormittäglich mit ihren musikalischen Werken über den Äther gingen, lediglich unbekanntere Werke spielen, die nicht die Dauergeläufigkeit hatten, wie der Hauptredakteur der Lokalzeitung in einem Resümee-Artikel, der Gina am Morgen zum Thema hatte, schrieb.
Angesichts ihrer Begegnung mit Hans-Georg Tabert und Hans' Präsenz bei ihr in der Umgebung, brach Gina das mit der Neun-bis-zehn-Uhr-Stunde mit der Männersuche für Ein Wochenende mit Gina bis auf weiteres dann ab.
Fest waren Gina, die blondhaarige, bildhübsche Morgensendungsmoderatorin vom Privatradio, und Hans-Georg Tabert miteinander verbandelt. Ein Liebespaar. Mit den schönsten, vorteilhaftesten Fotos von sich in den Ausgaben regionaler Zeitungsmedien und deren Internet-Auftritten. Gina und Hans mit einem Auftritt in der bunten Sendung des örtlichen Regionalsfernsehsenders.
Bei dem, was zwischen Gina und Hans an Liebestraum abging, da war die große, weite Promi-Welt für den Fernsehsender irgendwie plötzlich ganz nah gekommen. Jedenfalls war das ein innig verliebtes Paar dafür, eins, von dem der eine Teil eine beliebte Radiomoderatorin und der andere ein Mann mit großem unternehmerischen Erfolg war.
Zu sehen war vor der aufnehmenden Kamera, daß hier zwei waren, die sich nicht nur zur Schau herzten, sondern anscheinend wirklich liebten.
Ein hübsches, unpräzensiöses Liebespaar, Gina und ihr Hans. Echt nichts, das wie hergeschauspielert rüberkam
Habe mir die oben erwähnte Sendungsaufzeichnung gerade noch mal angeschaut, Tagebuch. Jetzt schon zum fünften Mal.
Ist für jedermann, der daran Interesse hat, bis heute im Internet geblieben. Auf der Heimat-Seite des Senders. Jederzeit für jeden herunterladbar, Du siehst also, auch für mich.
Dreieinhalb Minuten Gina und Hans. Mit toller Kußsequenz knapp vorm Ende. Wirklich ein toller, inniger Hollywood-Filmkuß, den Gina und Hans bei der Studiotür miteinander tauschten.
Gegen Ende des Filmchens spazieren Gina, die Vormittagsradiomoderatorin, und Hans, ein erfolgreicher Selfmademann und Börsenmakler, Arm in Arm, dick eingemümmelt in lange, graue Winterpelzmäntel vom artengeschützten Tier, unter stahlblauem Himmel im Schein der Wintersonne auf weißem Neuschnee der Straßenampel entgegen. Dort, an der Ampel, bleiben Gina und Hans, wie zwei Vorbilder für Kinder und Jugendliche, stehen, warten gemeinsam auf das Moment, daß das grüne Gehsymbol für die Fußgänger kommt, am Zebrastreifen auf die andere Straßenseite hinübergehen zu dürfen. Als die beiden, Gina und Hans, losgehen - war das der Schluß der kleinen Filmaufnahme.
Wer oder was sollte dieses Glück Ginas und Hans' je trüben können? Würde selbst auf dieser bösen, gemeinen Welt jemals der Hauch eines Schattens auf Gina und Hans' Glück fallen können?
*
Siebenundzwanzigster Juli, meine Tagebuch-Datei, für einen neuen Eintrag.
Freitag am späteren Nachmittag. Uhrzeit: 17:49 Uhr.
Bernd, tu bitte dies, Bernd, tu bitte das - das ist momentan Muttis Tenor.
Dachte, es wäre freiwillig, das Rasenmähen. Hat Mutti mir nicht mitgeteilt, daß ich den Rasen gemäht haben muß, bis Vater von der Arbeit nach Hause kommt.
Aber dann hat Mutti mir das Gegenteil hingesprochen. Daraufhin, als ich das begriffen hatte, daß der Rasen das Mähen nötig hatte, bin ich, obwohl Mutti auch gemeint hat, ich würde aussehen wie mein eigenes Gespenst, aus dem Haus rausgegangen.
Eine dreiviertelte Stunde habe ich damit verbracht, den Rasenmäher zu schieben.
Langsam sollte bei Vater mal an einen Mähroboter gedacht werden. Der mäht dir auch dreimal am Tag den Rasen, ist der Akku neu geladen und gibst du dafür den Befehl.
Wirklich, Mutti hat mir gegenüber so was Nerviges, ich kann das überhaupt nicht richtig in Worte fassen. Um es so ausdrücken, Mutti ist wegen mir so komisch in Sorge. Daß ich mich frage, wem außer Vater und Mutti darüberhinaus noch der Schuh drückt.
Wer spricht mit Mutti, hat bei Mutti seine kleinen Besorgungen, was meine Person betrifft?
Aber klar. Die Antwort kann nur Mylady Bettina oderTanja heißen, samt männlichem Gefolge, das ebenfalls das Maul aufreißt.
Sei dem, wie ihm sei: Gerade versuche es wieder mal, das mit dem Musikhören.
Miles Davies spielt Trompete. Zeit: die fünfziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts.
Die Nacht in Tunesien hört sich in meinen Ohren kaum orientalisch an ...
Gina und ihr Hans, Hans-Georg Tabert ... Will weiter in Dir, Tagebuch, ein paar Dinge reflektieren, die mit den beiden, Gina und Hans, zusammenhängen.
Nach jener Zeit also, daß Tabert täglich vormittags von fünf bis zehn Uhr bei Gina im Sendestudio herumhockte, passierte es, daß Gina Gina am Morgen wieder alleine moderierte.
Bloß war das eine Tatsache, daß Tabert jede Stunde bei Gina in der Sendung anrief. Wirklich öfter als oft, die Anrufe Taberts bei Gina auf Sendung. Und jedesmal gingen die Worte zwischen Tabert und Gina auch über den Äther, durfte geneigtes Publikum mitlauschen.
Mit ihrem Hans diskutierte Gina die Kleinigkeiten, die bei Gina am Morgen auf der werktäglichen Agenda standen, am liebsten. Irgendwelchen anderen Anrufern hatten Gina nicht mehr viel zu sagen, als ein paar müde Worte Gemeinplätze, ihn, sie abzuwimmeln. Richtiggehend kurzangebunden, daß Gina zum anrufenden Rest des Hörer-Volkes geworden war. Wie nebenbei, daß abgefertigt wurde. Bis endlich wieder Hans in der Leitung war, womit bei Gina die Sonne aufging.
Alles hatte immer mehr eine ganz andere Atmosphäre, als zu der Zeit, als Gina und Tabert noch nicht herausragend miteinander bekannt waren. Regelrecht, daß Gina ihre charmant-sexy Ausstrahlung abhandenkam, je länger das mit Ginas Bekanntschaft mit ihrem Hans - Hans-Georg Tabert - andauerte. Etwas, das darin gipfelte, daß die nächste Erhebung der Quote für Gina am Morgen ergab, daß Gina gut die Hälfte ihrer täglich lauschenden Zuhörerschaft verlorengegangen war.
Um das an der Stelle mal kurz in Dir klar festzuhalten, Tagebuch: Gina war die Braut. Die Braut, eine ganz nach dem Gusto Hans-Georg Taberts.
Eine wie Gina, die wünschte Hans-Georg Tabert sich allem Anscheine nach schon die ganze Zeit. Gina, die mit dem Prestige für den, bei dem Gina am Schoß hockte.
Gina, keine der doofen Tussen aus der Niederung dumpfer Alltäglichkeit. Die Tabert im Dutzend billiger hatte. Sobald Tabert winkte, daß eine von denen für ihn herbeikam und Tabert von den Augen ablas.
Oder - um es auch aus einem anderen Blickwinkel zu sehen -: Gina entstammte einer für Tabert anderen Welt. Einer, die mit der Taberts nun so überhaupt nichts zu tun hatte.
Gina, keine mit einer unbestimmten Unübersichtlichkeit. Keine, die es für Tabert schwierig machte, ihr den Rücken zuzudrehen. Eine wie zum Beispiel Manuela Dombrowski, Manuela Dombrowski, mit der Tabert schon ewig auf der Reise war.
Mit nichts, das bei Tabert war, hatte Gina direkt irgendwas zu schaffen. Die wirkliche geschäftliche Unternehmensart, Tatsache, daß Gina nicht im geringsten irgendwas davon überblickte. Obwohl mit Hans zusammen, voll unwissend, naiv, ahnungslos, Gina.
Erklären wir das mal so: Sollte die verliebte Gina mal beiläufig irgendwas mitbekommen haben, was bei Hans los war, mit welchen Geschäften ihr Hans sich in Wirklichkeit umtrieb, setzte sich das nicht in Ginas Kopf fest. Nichts, das Gina von dieser Realität begriff. Es ging schlichtweg an ihr vorbei. Möglich war auch, daß Tabert den Auftritt der Irritation bei Gina mit ausgewählten Worten und der Entfernung des Belästigenden augenblicklich abbügelte. Daß eine wie Manu Dombrowski möglicherweise nur eine flüchtige Erscheinung bei Gina war.
Dabei frage ich mich, was das wohl für ein Erlebnis für Manu Dombrowski war, das mit Gina damals. Das mit Gina, der Radiomoderatorin, bei Hansi. Gina, die überall an der Seite Hansis herumtanzte. Alle Vorzüge genoß Gina, die eine an Hansis Seite nur genießen konnte. Und Gina hatte Hansis uneingeschränkte Aufmerksamkeit. In Watte eingepackt, Gina.
Nichts, das Hansi an Gina herankommen ließ, das seine Beziehung zu Gina stören oder sich zerstörerisch auf sie auswirken hätte können. Während Manu Dombrowski, auf einem beruhigten Neben- oder sogar Abstellgleis ihre Runden drehte.
Ewige Tage, Wochen zogen ins Land, und Gina, die trug jenen Hans - Hans-Georg Tabert - in ihrem Herzen. Das Glück Ginas, der blondhaarigen, sexy fröhlichen Moderatorin vom privaten Lokalradio, mit Hans-Georg Tabert, dem Selfmademan, reichen Unternehmer, Börsenmakler, ungetrübt. Ganz ungetrübt, überlegte man sich alles genau.
Wäre da nicht irgendwann Ginas Hundchen gewesen. Ginas kleines Hundchen, das plötzlich in den Fokus geriet. Wuschi, der kleine vierbeinige Terrorist. Wuschi, der Frauchen manchmal nicht stubenrein ankam.
Auch nicht im Sendestudio, daß Wuschi das Beinchen nicht hob. Daß das Frauchen böse schimpfen mußte. Was von Frauchens teurer Wohnungseinrichtung zerstörte Wuschi, zerbiß Frauchen teure Pumps und Sportschuhe. Überdies, daß es Frauchen zuletzt öfters passierte, daß Frauchen, das nach längerer Abwesenheit nach Hause heimkam, angefletscht wurde. In die Hand gezwickt wurde Frauchen von Wuschi ein paarmal. Am Schluß mit echtem Blut, das aus einer kleinen Bißwunde lief.
Es ereignete sich bei Gina am Morgen jene Morgenstunde, daß Gina das mit Wuschi, ihrem Hundi, anleierte.
Die Sache mit Wuschi. Dem schlimmen, schlimmen Wuschi.
Hergeben wollte Gina Wuschi. Für Wuschi einen neuen Besitzer besorgen. Bei einem Hundeliebhaber sollte Wuschi ein schönes, neues Zuhause finden.
Und die Idee, bei Wuschi für ein neues Frau-, Herrchen sorgen zu wollen, die änderte nicht nur Wuschis Welt, sondern vor allem die von Gina. Und zwar so was von total. Eine Veränderung von Ginas Welt, an Brutalität für Gina kaum zu überbieten.
Alles nur wegen Wuschi. Dem kleinen Wuschelkopf Wuschi.
Alles hatte mit dem Wuschel Wuschi zu tun. Aber auch alles.
Nur mit diesem Wuschel.
*
Siebenundzwanzigster Juli, meine Tagebuch-Datei für einen neuen Eintrag.
Freitag am späteren Abend. Uhrzeit: 22:48 Uhr.
Heute wieder viele Einträge in Dir geschrieben, Tagebuch ...
Draußen, unter freiem Himmel, ist es mittlerweile ziemlich dunkel geworden.
Hinausgehen, ins Freie, das möchte ich nicht. Obwohl ich meine, SIE wäre nicht da für mich. Noch nicht da.
Das Gefühl dafür fehlt mir ...
Mensch, Mensch, Mensch!
Mensch, Mensch, Mensch - warum habe ich mir nicht lange eine andere Schwatzbude gesucht? Warum bestehe ich seit längerem darauf, daß es nur diese eine Rolle mit ihren Nebenräumen, Separees und so sein muß?
Als gäbe es nicht Tausende davon weltweit im Netz?
Überall könnte ich mich anmelden. Do you speak English, my dear?
Ist es ein Muß, daß ich mich dort einwähle, in den einen?
Für welche Duelle nur?
Brauche ich das denn? Habe ich das nötig?
Sind laser04, kleinesHäschen und die Freunde, die die dabeihaben, etwa längst eine Notwendigkeit für mich? Wie die Luft zum Atmen?
Wo ist mein Problem, mir was Neues zum Schwatzen und so zu suchen?
Schon die Frage. Gut, daß ich sie mir hier mal stelle. Vielleicht kriege sogar ich von der Fragestellung was mit.
Wie wäre es mit Räumen ohne Hohn und Spott für mich? Ohne dumme Sprüche, dumbe Anmache in meine Richtung? Ohne allem, was da kübelweise über mir ausgeschüttet wird?
Was rege ich mich auf, wenn nur eins tun müßte: einem Ort fernbleiben?
Wie hirnverbrannt ist das, daß ich eingewählt bleibe! Um immer hinterherzulesen - oder sogar selber aufzuscheinen, einen Kommentar abzugeben. Womit die nächste Lawine losgeht. Dann kommt es dicht angeknallt.
Muß sadomaso sein. Daß ich es im Dauerverkehr besorgt haben will. Hinten und vorne. Oben und unten. Als hätte ich es nötig, devot.
Themenwechsel. Ist auch gut.
Möchte in Dir, mein geschätztes Tagebuch, wieder auf Hans-Georg Tabert, den Selfmademan, Börsenmakler und Unternehmer, und Gina, die Moderatorin, zurückkommen.
Gina, die Radiomoderatorin, die wußte auch sonst nichts von Hans-Georg Tabert, als daß sie den Charakter sah, als den Hans-Georg Tabert sich ihr gegenüber gab. Jenseits davon war Gina nichts bekannt.
Gina also, die werktags täglich Gina am Morgen am Lokalradio moderierte - Gina am Morgen, ein erfolgreiches Format, für das hauptsächlich Gina selbst verantwortlich zeichnete -, war nun Hans-Georg Taberts feste Freundin und Geliebte geworden. Total hin und weg von Hans-Georg Tabert, jene Gina.
Eines Mittwochs hatte Gina früh am Morgen in ihrer Hör-Show Gina am Morgen die Absicht, ihrem kleinen Hund Wuschi bei netten Menschen zu einem guten Platz zu verhelfen. Einfach Wuschi ins nächste Tierheim zu fahren, ihn dort abzuliefern und schnell zu vergessen, das plante Gina nicht als Wuschis Schicksal. Deshalb sollten Leute bei Gina in der laufenden Sendung im Studio anrufen, ihr, Gina, erklären, warum es Ginas Wuschi bei ihm, ihr gut haben könnte.
Bestens kann meine Mutti sich an jenen Mittwoch erinnern. Als Gina nach den Sieben-Uhr-Nachrichten mit dem Wetterbericht, Verkehrsmeldungen und dem ersten Lied Wuschi erwähnte.
Nachdem sich Gina bereits den einen oder anderen Namen als potentiellen neuen Wuschi-Besitzer für den Rückruf im Verlauf der folgenden Sende-Stunde notiert hatte, wurde mittendrinnen in der Hör-Sendung Hans-Georg Tabert zu Gina durchgestellt. Nach einer längeren Pause wieder mal Hans-Georg Tabert für Gina an dem Morgen. Hans-Georg Tabert hatte fast schon gefehlt.
Ganz unververständig, daß Hans-Georg Tabert sich gab. Hans-Georg Tabert fragte Gina, warum sie, Gina, nicht schon längst was davon zu ihm, Hans, gesagt hätte, daß sie, Gina, Wuschi nicht mehr behalten, sondern an jemand anders abgeben wollte. Die ganze Zeit über, während der sie zusammen gewesen wären, hätte Gina nie irgendwas in diese Richtung erwähnt. Das wäre doch selbstverständlich, daß sie, Gina, nicht mehr lange zu telefonieren bräuchte. Er, Hans, er nähme Wuschi, den Hund. Keine Frage sei das. Ein besseres Plätzchen als bei ihm, Hans-Georg Tabert, könnte Wuschi nirgendwo finden. Jede Menge Auslauf, den Wuschi bei ihm, Hans-Georg Tabert, auf den Grundstücken hätte, vormittags, mittags, abends Futter in der Schüssel. Besser als bei ihm, Hans, könnte es Wuschi nirgends gehen.
Nach dem Anruf Hans-Georg Taberts, spielte Gina ein paar Lieder, als würde sie jetzt ohne horchendes Publikum mit Hans-Georg Taber reden. Bei ihren folgenden Ansagen erwähnte Gina Wuschi nicht mehr mit einem einzigen Wort. Daß jemand Wuschi bekäme, wenn er Wuschi ein nettes Heim anböte, davon war nicht länger die Rede. Als ob Gina die Entscheidung bereits gefällt hätte, daß es Hans-Georg Tabert wäre, der das neue Herrchen Wuschis würde.
Nun brachen die Dämonen richtig los. Es begann damit, daß eine Anruferin zu Gina ins Moderatorenstudio durchgestellt wurde. Die aufgeregte Frau meinte zu Gina, daß sie das überhaupt nicht verstehen könnte, daß sie, Gina, auch nur die Idee haben konnte, einem solchen Verbrecher wie Hans-Georg Tabert ihren kleinen Wuschi anzuvertrauen. Sie, Gina, müßte das doch wissen, daß dieser Tabert ein übler Verbrecher wäre. Ein durch und durch verdorbener Mensch wäre Tabert, einer ohne jeden Skrupel. Menschen hätte Tabert schon auf dem Gewissen.
Jene Frau, die ließ sich von Gina noch aus der Leitung schmeißen. Nur erreichten immer mehr Anrufe den lokalen Sender, die etwas zu Hans-Georg Tabert zu sagen hatten. Gina, die Gina am Morgen weitermoderierte, wurde mehrfach aufgefordert, daß sie nur bei der Polizei anzurufen bräuchte, schon würde Gina genauer über Tabert Bescheid gesagt. Die Polizei würde Gina schon richtig informieren, was das für ein sauberes Bürschchen wäre, dieser Tabert. Dem Tabert, dem könnte sie, Gina, doch nicht im Ernst Wuschi, ihr süßes, kleines Hundi Wuschi, anvertrauen. So einem Unhold, Bandenboß; nie und nimmer.
Was soll man nun dazu sagen, Tagebuch? Echt der Hammer, das, eigentlich.
Das, daß Gina, die werktäglich ihre morgendliche Hör-Show Gina am Morgen von fünf bis um zehn Uhr am Vormittag moderierte, seit Wochen ganz offiziell mit Tabert zusammen war, das interessierte nicht so. Aufregung gegen Null.
Das mußte man sich echt vorstellen: Ein Liebespaar waren Gina und Hans-Georg Tabert. Ausschließlich mit Hans-Georg Tabert, daß Gina sich in ihrer Freizeit herumtrieb. Mit Hans-Georg Tabert, daß Gina ins Bett stieg. Gina am Morgen mit Gina die letzte Zeit beinahe nicht mehr denkbar war ohne Hans-Georg Tabert und seine Anrufe bei Gina. Immer, wenn Tabert für Gina im Sender anrief, daß Tabert augenblicklich zu Gina am Moderatorentisch hineingezappt wurde. Hans-Georg Tabert, die Nummer eins bei Gina. Die Promi-Nachrichten kommentierte Hans-Georg Tabert bei Gina in der Hörsendung, ließ sich ausschweifend über die täglichen Geschehnisse an den Aktienbörsen weltweit aus. Alles, was Gina die Stunden durch in ihre Show für die Zuhörer einbrachte, dazu gab Tabert seinen Senf ab ... Das alles interessierte jedoch kein Schwein. Nicht für irgendwas. Niemand echauffierte sich deswegen. Kein Mensch von denen, die von der Studiotechnik außer Tabert zu Gina hinein weitergeleitet wurden.
Aber das, als bestimmten des lauschenden Volks aufging, daß Wuschi, das nicht stubenreine, kneif- und beißfreudige kleine Hundchen Ginas zu Hans-Georg Tabert kommen würde, das ging denn doch zu weit. Das regte auf. Das brachte Dampf in den Kessel. Daß es plötzlich den Anschein hatte, eigentlich wußte alle Welt lange über Hans-Georg Tabert Bescheid. Wußte jeder das, was Hans-Georg Tabert eigentlich für einer war.
Echt komisch, wie es manchmal kommen konnte. Wegen eines Hundchens. Wegen eines armen Hundchens, das das falsche Herrchen bekam, wenn man nichts dagegen unternahm.
*
Achtundzwanzigster Juli, meine Tagebuch-Datei.
Samstag nach Mitternacht. 01:14 Uhr.
Wieder eine Mitternachtsstunde vorüber.
Wenn ich mir überlege, daß ich solche Stunden schon mal schlafend verbracht habe. Dann waren das noch Zeiten.
Statt dessen spielt das in meinen Gedanken eine Rolle, daß SIE mir fehlt.
Die Empfindung fehlt mir, daß SIE da wäre.
Weiter habe kein Gefühl von einer Präsenz.
Über das sinniere ich, Tagebuch. Das geht ab bei mir. Als könnte ich mich nicht glücklich schätzen, daß da nichts ist.
Apropos, um das hier in Dir zu erwähnen: Das mit der neuen Schwatz-Kiste, das habe ich in die Tat umgesetzt. Ganz neu habe ich mich angemeldet. Neuer Spitzname, all das.
Muß ich mich erst dran gewöhnen, daß ich anders heiße.
Bin jetzt aber dort auf der Text-Rolle. Wenn ich im Moment auch schweige, zu nichts meinem Senf dazugebe.
Alles bestens an der Stelle.
Tagebuch-Datei aufgeklickt. Eine Stunde jetzt später.
Weiter geht es. Gina und Hans, das ist noch nicht zu einem Ende gebracht.
Der Weltuntergang fand statt. Zumindest was die Liebesbeziehung zwischen dieser Gina, Moderatorin des privaten Lokalradios, und Hans-Georg Tabert, dem selfmademan, anging, war dann schnell alles aus und vorbei.
Mutti hat mir erzählt, daß Gina an jenem Mittwochvormittag auf Sendung vor dem Mikrophon des Sendestudios öfters lautstark kreischte, Schrillaute von sich gab. Die von der Studiotechnik, daß Gina anschrie, sie sollten sie mit dem Scheißdreck in Ruhe lassen. Trotzdem wurde der nächste Anrufer zu Gina ins Studio durchgestellt, durfte was zu Gina sagen, was Hans-Georg Tabert anbetraf.
Die Texte, die Gina bis ins Mark erschütterten, wiederholten sich: Sie, Gina, sei in Wirklichkeit mit einem vorbestraften Verbrecher zusammen. Seine Geschäfte, die wickle Hans-Georg Tabert nicht an der Börse ab. Das Kerngeschäft Hans-Georg Taberts wäre der Drogenhandel und die Prostitution. Einigen Schlepperbanden würde Hans-Georg Tabert vorstehen. Die volle Palette an Verbrechen, die fände sich bei Hans-Georg Tabert.
Natürlich, daß Gina die Anschuldigungen gegen ihren Geliebten abschmettern wollte. Gina befolgte den Ratschlag, der ihr von einigen Anrufern gegeben wurde, doch einfach selber bei der Polizei anzurufen, wenn sie keinem glauben wollte, was Hans-Georg Tabert für einer wäre. In ihrem Namen, daß Gina aus dem Sender bei der örtlichen Polizei anrufen ließ.
Alles kriegten die geneigten Zuhörer von Gina am Morgen weiterhin mit. Der Sprecher der Polizeiinspektion - ein Kommissar -, gab Gina schließlich in all ihren Fragen, die Kausa Hans-Georg Tabert angehend, gerne Auskunft. Der freundliche Kommissar erklärte Gina, daß alles, was die anrufenden Damen und Herren bei ihr in der Hör-Show zu Gina sagten, der Wahrheit entsprach. Herr Hans-Georg Tabert sei mehrfach vorbestraft. Öfters bereits, daß Hans-Georg Tabert sich in Haft befunden habe. Die längste Strafe, die Hans-Georg Tabert in der Zelle verbüßt hätte, sei eineinhalb Jahre gewesen. In der Gegenwart, daß gegen Hans-Georg Tabert gerade hauptsächlich in der Sache bandenmäßigen Drogenhandels, Schleusertums und der gewerblichen Geldwäsche ermittelt würde.
Nach ihrem Telefonat mit dem Kommissar, daß Gina minutenlang hinter dem Studiomikrophon schluchzte. Schließlich, daß Gina wie irre geworden durch die Gegend gellte. Zeug, das bei Gina in der Nähe herumlag, schien durch die Gegend zu fliegen. Die webcams, die sonst bei Gina in der Studiowelt alle eingeschaltet waren, waren schon länger dunkel, so daß für den schadenfreudigen geneigten Zuschauer nicht zu beobachten war, was Gina genau im Studio anstellte. Plötzlich spielte jedoch für die Leute an den Radiogeräten wieder die Musik. Von Gina war bis um zehn Uhr am Vormittag, dem Ende von Gina am Morgen, kein einziges Wort mehr zu hören.
Ab jenem Mittwochvormittag erklang die Telefon-Stimme Hans-Georg Taberts nie wieder in Ginas vormittäglicher Hör-Sendung Gina am Morgen. Hans-Georg Tabert, er war für Gina gestorben. Toter wie tot.
Drei Wochen nachdem Gina die Wahrheit über Hans-Georg Tabert auf Sendung bei Gina am Morgen um die Ohren flog, ereignete es sich, daß Gina aus ihrem Job beim Radiosender ausstieg.
Wie es in einer Pressemitteilung des privaten Lokalradios hieß, hatte Gina ohnehin vorgehabt, mit ihrer Arbeit beim Sender aufzuhören. Weil Gina schon länger den Wunsch gehegt hätte, auf große Weltreise zu gehen. Die nächsten Tage, daß Gina die Reise antreten wollte. Man bedanke sich für Ginas Einsatz und den Erfolg, den Gina der Senderstation mit ihrer vormittäglichen Hör-Sendung Gina am Morgen gebracht hatte. Für ihre Zukunft wünschte man Gina erst mal eine schöne Reise und für die spätere Zukunft, nach Ginas Rückkehr, nur das Allerbeste.
Andererseits war die Quote von Gina am Morgen beim Ausstieg Ginas endgültig in den Keller gefahren. Ihre gesamte vielköpfige Zuhörerschaft schien Gina erst mal verlassen zu haben. Weil Werbepartner bei Gina am Morgen absprangen, schien sich wegen der anhaltenden Quotenflaute die Perspektive von Ginas Hör-Show schnell nicht wieder bessern zu können.
Auf alle Fälle verließ Gina den Radiosender und die Stadt. Am schlimmsten jedoch erwischte das Unglück Hans-Georg Tabert. Nach der unvermittelten Trennung von Gina, der Radiomoderatorin, begann für Hans-Georg Tabert eine lanhaltende Phase des reinsten, boshaftesten Pechs.
Eine Woche nach dem Ende seiner Beziehung zu Gina passierte es Hans-Georg Tabert, daß er am Wochenende verhaftet wurde. Ohnehin befand Hans-Georg Tabert sich eigentlich nur auf Bewährung auf freiem Fuß. Und die Bewährungsauflagen, die hatte Hans-Georg Tabert gebrochen. Mit Sack und Pack mußte Hans-Georg Tabert auf der Stelle ins Gefängnis. Auf allen Ebenen waren die Ermittlungen gegen Hans-Georg Tabert intensiviert worden. Neue Straftatsbestände, die die Polizeibehörde Hans-Georg Taberts Anwälten mitteilten.
Wie es ausschaute, stand auf der Lokalseite der Regionalzeitung zu lesen, hatte die Polizei Beweise in der Hand, daß Hans-Georg Tabert bei einer neuerlichen Verurteilung für zehn, zwölf Jahre hinter Gittern wandern konnte.
*
Achtundzwanzigster Juli, Tagebuch-Datei aufgeklickt.
Samstag am Vormittag. Halb zehn Uhr.
Habe ich wirklich nicht gewußt, daß mein Vater die letzten Tage seit Dienstag frei hatte.
Nicht im mindesten etwas davon mitbekommen. Gab es Andeutungen, habe ich nichts mitgekriegt.
Statt in die Arbeit ist Vater in der Früh gegen acht Uhr zu Tanja gefahren. Um dort bei Tanja Tanjas urlaubendem Ehemann beim Bau der neuen Garage zu helfen. Hätte ich auch gut machen können, dort zu helfen, verstehe ich richtig, was Vater zu Mutti gesagt hat.
Heute ist zwar Samstag, trotzdem war mein Vater noch nicht zu Tanja abgefahren, um bei Tanja beim Garagenbau zu helfen. In die Küche ist Vater um halb neun Uhr rum gekommen. Mich hat Vater bei Mutti in der Küche am Küchentisch sitzen sehen. Mir gegenüber hat Vater sich an den Tisch gehockt, mich ins Auge gefaßt, daß ich mich sofort komisch fühlte. Wäre nur meine Kaffeekanne schon gefüllt gewesen. Aber, das Wasser hatte noch überhaupt nicht gekocht.
Es dauerte nicht lange, es waren nicht mehr nur Vaters Blicke. Das mit dem Reden Vaters ging los. Erst so Genöle in Richtung Mutti, daß sie schon mal besser gekocht hätte. Dann war mir schnell offiziell, daß eigentlich ich der war, den er auf dem Kieker hatte.
Vater sagte, daß er nichts mitkriegen würde, daß ich demnächst mal in die Arbeit ginge. Was wäre nun mit Mauth?
Habe ich zu Vater gemeint, daß ich ohnehin erst ab dem Ersten bei Mauth auf dem Gelände anfangen hätte müssen. Das andere, um das hätte ich mich selber bemüht. Daß es mir nun abgesagt worden war, mein Pech. Ansonsten hätte ich Semesterferien. Die könnte ich auch mit Nichtstun verbringen.
Schnarrt mein Vater, daß er nichts davon wüßte, daß ich bei Mauth zu arbeiten anfinge. Wie es aussähe, begänne ich ab dem Ersten nicht bei Mauth am Betriebsgelände mit meiner Semesterarbeit. Ich könnte die Arbeit bei Mauth diese Semesterferien über sogar knicken. Voll knicken könnte ich die. Was ich eigentlich ohne Arbeit noch hier bei ihm, Vater, daheim tun würde? Ich könnte doch gut auch woanders wohnen, oder nicht?
Habe mir die aufgeheizte Atmosphäre zu Herzen genommen, bin aus der Kücheneinrichtung hinausgelatscht. Habe mich zum Telefon draußen begeben.
Bei Mauth im Betrieb habe ich angerufen, endlich zu erfahren, was bei Mauth für mich Sache war. Ob ich nun für Mauth heuer noch was arbeiten sollte oder nicht, auf die Frage wollte ich Antwort bekommen.
Nach einer Minute auf der Warteschleife bin ich direkt im Büro von Altdorf, dem Personaler von Mauth gelandet. Jedoch hat sich dort nicht, wie es sein hätte sollen, Altdorf für mich gemeldet. Altdorf war nicht der am anderen Ende der Leitung. Altdorf war überhaupt nicht in seiner Büroräumlichkeit. Ein Herr Garde war für mich am Telefon dran. Dieser Herr Garde hockte im Büro Altdorfs auf dem Stuhl Altdorfs, dem Mauther Personalchef.
Meine Frage an Herrn Garde war, ob ich Herrn Altdorf, den zuständigen fürs Personal bei Mauth, sprechen könnte. Antwort Gardes: Altdorf wäre nicht da. Altdorf würde auch nicht mehr in sein Büro zurückkommen. Altdorf wäre entlassen worden. Fristlos hätte man Altdorf gekündigt.
Fange ich bei Herrn Garde damit an, daß ich nur deswegen anriefe, weil ich gerne wüßte, ob ich nicht doch ab dem Ersten in meinen Ferienjob einsteigen könnte. Ganz genau wüßte ich das nämlich nicht, ob das nicht doch für möglich war. Schließlich hätte ich jedes Jahr, seitdem ich studiere, mindestens einmal im Jahr die Semesterferien bei Mauth gearbeitet.
Wurde mir von dem, der sich mit seinem Hintern auf dem Bürostuhl Altdorfs plaziert hatte, mitgeteilt, daß das wahrscheinlich sicher wäre, daß bei Mauth weitergearbeitet würde. Für die normale Belegschaft gäbe es bei Mauth im Augenblick zwar Kurzarbeit, Abbau der Überstunden, Entlassungen. Mauth wäre zwar in die Insolvenz gegangen. Aber über Mauth wäre für drei Monate Gläubigerschutz verhängt worden. In der Zeit könnten bei Mauth neue Investoren gefunden werden. Wie sich das ganz allgemein auf die Arbeitsplätze bei Mauth auswirken würde, könnte Mauth weiterbestehen, schwer zu sagen. Nur, Ferienarbeiter, die würden in der momentanen Lage keine gebraucht. Das müßte ich verstehen. Bitte, nächstes Jahr, wären neue Investoren bei Mauth eingestiegen, wäre alles vielleicht schon wieder ganz anders. Dann könnte ich mich frühzeitig wieder melden, um mich als Ferienarbeiter vormerken zu lassen. Was jedoch die Ferienarbeit ab dem ersten August dieses Jahres anginge, wäre es besser, ich würde mich nach was anderem umschauen. Wenn ich das noch nicht getan hätte. Mit Mauth wäre das bis Jahresende wirklich nichts mehr. Für niemanden aus dem Zeitarbeitsgewerbe und auch für keinen, der einen Ferienjob wollte.
Das war mein Telefongespräch mit diesem Herrn Garde. In aller Höflichkeit haben Herr Garde und ich uns am Telefon dann voneinander verabschiedet, und ich habe das rote Telefonsymbol gedrückt.
Seelenruhig habe ich die Telefongerätschaft auf die Station zurückgesteckt, meinen Vater schulterzuckend angeguckt, der, mit der Schulter an den Türrahmen der Küche angelehnt, dastand. Allem, was ich und Herr Garde, am Telefon, das auf Laut geschaltet war, besprochen hatten, hatte mein Vater mitangehört. Dieser Wirklichkeit hatte Vater beigewohnt.
Erst einmal, daß Vater mir eine unfreundliche Runde genickt hat. Dann redete mein Vater zu mir, daß er bis zum Ersten freibekommen hätte. Seit Dienstag hätte er bereits frei. Ab dem Ersten stünde bei ihm zunächst Kurzarbeit an, für die nächsten paar Wochen. Dann müßte er, Vater, weitersehen, was bei und mit ihm würde. Das hieß, nach der freien Zeit momentan, die nichts mit Urlaub zu tun hatte, hätte er, mein Vater, nicht das geringste Verlangen gehabt. Nun hätte er trotzdem Freizeit, wie ich Freizeit hätte, Semesterferien. So, wie die Verhältnisse derzeit also waren - was wollte ich eigentlich von ihnen, meinen alten Eltern? Was würde ich weiter bei ihnen im Haus wohnen bleiben, wenn ich ab dem Ersten keine Arbeit hätte? Oder hätte ich schon eine andere Arbeitsstelle?
Mußte ich verneinen, das mit einer Arbeit anderswo als bei Mauth.
Setzte mein Vater zu mir hin fort, daß ich entweder ab dem Ersten eine Arbeit haben müßte. Ober ich könnte nach dem Ersten sehen, was mit mir passieren würde. Was sich ohne eine Semesterferienarbeit andernort als bei Mauth bei mir hier abspielen könnte. Das, daß ich nach dem Ersten weiter auf meinem Zimmer vorm Rechnermonitor herumhocken könnte, das könnte ich vergessen. Nach dem Ersten könnte ich alles bei Vati und Mutti die Tage drauf irgendwann total vergessen.
Wenn das mal keine glasklare Ansage von meinem Vater war. Unmißverständlich.
So echte Freunde waren Vater und ich jetzt seit längerem nicht mehr. Trotzdem habe ich nicht lange Dummheiten zu Vater hin dahergeredet, die ihn sofort zu größeren Unternehmungen aufstacheln hätten können. Abrupt habe ich mich von Vater abgewandt. Bin die Stiege hoch, im Gang oben auf mein Zimmer. Ohne daß mich jemand verfolgt oder mir irgendwas hinterhergeplärrt hätte. Anscheinend konnten für den Rest doch ein paar Tage vergehen.
Muß sagen, so was wie heute, das war wie zu meiner besten Teenagerzeit. Damals habe ich auch solche Ansprachen das eine oder das andere Mal erlebt. Wie es ausschaute, sollte ich mein Zeug zusammenpacken. Abreisen. Hinauf in mein Wohnheimzimmer. Hatte diese Möglichkeit schließlich. Neben der Straße oder auf einer Parkbank mußte ich nicht lange schlafen. Nur ein paar Stunden Zugfahrt waren dafür vonnöten, ich hatte in einer Bude für mich alleine vor allem, was mit Vater zusammenhing, meine Ruhe.
Andererseits: Ich würde doch noch über das Wochenende kommen können, oder? Bis Montag, Dienstag, Mittwoch, nicht wahr? Gestern habe ich kurz vor Arbeitsschluß noch mal bei denen auf der Bank angerufen. Nur, die mir vertraglich zugesicherten fünfzig Hunderter von Autorep.Heinz waren deswegen immer noch nicht auf meinem Konto oben.
Pech für mich, daß der Mechatroniker-Werkstätten-Oberbosse es noch nicht geschafft hatte, mir die ausgelobte Summe rüberwachsen zu lassen. Von vier, fünf Tagen hat Heinz, der oberhalbe Scheffe, zu mir gesprochen, die ich zu warten hätte, bis ich mein Geld hätte. Das war spätestens Mitte der nächsten Woche. Das Wochenende jetzt dazwischen, das zählte nicht in der Hinsicht. Heinz meinte Werk-, Arbeitstage.
Normal ja alles kein Problem. Heinz konnte nichts für meinen Ärger daheim. Daß ich Druck hatte, daß ich, hätte ich das Fünftausender-Sümmchen schon gehabt, beruhigt jetzt abreisen hätte können, nicht das Thema dieses Heinz.
Wenn ich bei mir daheim von meinem Vater böse angemacht werde - heißt das für mich: Abfahrt! Am besten jetzt auf der Stelle. Ohne den Geldhaufen jedoch, geht das bloß nicht so leicht. Ohne das Geld von diesem Heinz bedeutet das, ich sollte besser noch hinwarten. Wegen Autorep.Heinz vor Ort bleiben. Nicht, daß ich wegen Heinz, dem Werkstätten-Bosse, wieder Geld verplempern muß und die Zugfahrt herunter antreten muß. Weil das Sümmchen von diesem Heinz sich einfach nicht bei mir am Bankkonto einfinden möchte. Daß ich kurz mit dem Taxi bei dem in der Werkstätte vorbeischauen muß, mit meinem Vertragswerk in der Faust und der Ansage, ich könnte mir jederzeit einen Anwalt nehmen, zahlt er mir mein Geld nicht wie vereinbart aus.
Ich habe eindeutig Vertrag mit diesem Heinz. Läßt sich nicht dran rütteln, was dort geschrieben steht.
Mit seiner Klaue hat Heinz unterschrieben.
Und weil ich auch unterschrieben habe, haben zwei Parteien ihren Servus unter das Vertragswerk druntergesetzt.
Deswegen kann sich doch nichts fehlen, wenn es zweimal Originalunterschriften gibt, oder?
Der Rest ist eine Geduldsfrage, nichts weiter. Bis zum Mittwoch hinwarten zu können. Bis zum Mittwoch nächster Woche.
Bitte, bis zum nächsten Mittwoch wird das doch noch hinhauen können, daß ich hier im Haus wohnen bleiben kann, ohne daß der Weltuntergang eintritt.
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