deMehr's K.K.-Expo, I 23
12. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.
23. Handschellen und Fußfesseln
* Die Handschellen rieben sich an den Gelenken, und die Fußfessel ließ keinen von ihnen ganze Schritte machen. Sehr zur Freude von Henry, der es eigenhändig übernommen hatte, ihnen alles anzulegen. Einen Moment begegneten sich die Blicke René Departs, Pierre Rauls und Ivan Hammers. Sofort schrie Henry, sie sollten nicht nebeneinander gehen, sondern schön hintereinander und am Kies; und Unterhaltung hätte sich bei ihnen auch keine abzuspielen, wenn sie nichts gefragt würden. Und keine Angst, "Lager eins" wäre gar nicht so weit entfernt. Plötzlich war Henry an der Seite von René Depart, rempelte René Depart mit der Schulter, daß René Depart hinstürzte.
* Das wäre wirklich eine Süße, die Kleine, die Tochter von René Depart, meinte Henry, schlug René Depart gegen das Schulterblatt, daß es sehr schmerzte. Im Moment hätte Jaques sie sich ausgeguckt, aber das müßte nicht bedeuten, daß nicht bald alle etwas davon hätten, setzte Henry fort. Trotzdem, trotzdem, er, Henry, hätte das anders gemacht: er hätte der Bitte von René Departs Töchterchen entsprochen. Er hätte die Leute von der "Peter" freigelassen, und sie dann beim Abmarsch von hinten allesamt abgeknallt. Aber das, daß sie jetzt nach "Lager eins" gehen müßten, und das in Handschellen und mit einer Fessel an den Füßen, das wär auch nett. "Lager eins", das müßten sie gesehen haben. Ein interessanter Ort, "Lager eins".
* Es gab nichts zu trinken; nicht einen Tropfen gab es. Der Schweiß rann ihnen in Strömen herunter, und weder René Depart noch Pierre Raul oder Ivan Hammer konnten ihn sich abwischen oder dorthin fassen, wo es zwickte. Henry, das ewig nervende Narbengesicht, kam zu Ivan Hammer, erkundigte sich, ob alles gut bei ihm wäre. Gut die Handschellen, gut die Fußfessel? Er, Henry, würde Leute kennen, die in Handschellen und mit den gleichen Fußfesseln schneller vorankommen könnten, wenn die Straße so gut wäre. Sein breitestes Grinsen aufgesetzt, das ihn wirklich abscheulich aussehen ließ, präsentierte Henry ein handliches Elektroschockgerät. Henry erklärte, daß sie, wenn sie hier nicht augenblicklich in einem höheren Tempo voranmachten, sie alle die gesunde Wirkung des Schockers zu spüren kriegen würden. So ein Schocker, der konnte besser sein als jede Peitsche. Schade, daß sie ihre Mädels nicht dabei hätten; Mädels mochten das, "geschockt" zu werden.
* Der Marsch auf der Dschungelstraße endete. Die Gruppe der Wächter und der Gefangenen kam zwischen den Bäumen auf eine weite Lichtung heraus. Jede Menge fettes Gras und ungefähr in der Mitte der Dschungellichtung Palisaden. Lautstark lachte Henry, unterrichtete, daß das der Ort wäre, den Jaques "Lager eins" taufte. Die Palisaden, das wären amerikanische Palisaden. Einen tiefen Schluck aus seiner Wasserflasche genehmigte sich Henry, sprach weiter: Jaques wäre sich sicher, daß die Lichtung nicht natürlichen Ursprungs wäre, sondern daß die Amerikaner den Dschungel hier extra rodeten. Hinter den Palisaden hätten die "Navy-Leute" sicher Andachten abgehalten. Vor einem behauenen Felsstück. In das Stück Fels wären Namen amerikanischer Soldaten geschlagen, Namen und Rang, sonst nichts. Außerdem die Namen von Wissenschaftlern mit ihren Titeln und dem Gebiet, auf dem sie geforscht hätten. Recht viele Namen wären das. Das hier hätte Leben gekostet.
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