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Blog von TeddeMehr

deMehr's K.K.-Expo, I 24

12. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.

 

24. "Lager eins"-Absurdität

 

* Obwohl Henry wiederholt lautstark schrie, zeigte sich oben auf den Palisaden kein Mensch. Schließlich fluchte Henry nur noch, zog seine Pistole, schoß in die Luft, dreimal. Kurz darauf erschien droben über einem angespitzten Palisadenstamm ein Frauengesicht. Die Dame schien Henry doch zu kennen. Ungläubigkeit im Gesicht, fragte Henry, ob man denn hier völlig durchgeknallt wäre, daß niemand auf Wache wäre. Die blonde Mittdreißigerin verschwand von ihrem Standort, ohne einen Ton zu sagen. Eine kurze lange Weile drauf tat sich die gut vier Meter hohe Palisadentorhälfte rechter Hand mit krächzendem Geräusch auf, von zwei Männern in roter Pluderhose und nacktem Oberkörper aufgeschoben. Das erste, worauf René Depart, Ivan Hammer und Pierre Raul schauten, als sie in "Lager eins" hineinblickten, waren bunte Zelte. Zu beiden Seiten des für fahrbaren Untersatz freigehaltenen Weges waren zur Begrüßung Fahnenmäste in den Boden getrieben. An dem einen Mast hing eine Totenkopffahne wie aus dem Piratenfilm; am anderen präsentierte sich eine Fahne mit weißem Hintergrund und zwei diagonal sich gegenüber gelegten Kreuzen in Schwarz.

 

* Drinnen in "Lager eins" erinnerte alles eher an einen provisorischen Campingplatz als an sonst etwas. Überall standen Kisten, Behälter neben vielerlei Arten von Zeltbauten. Schnell aufgebaut, um schnell abgerissen zu werden, oder auch zurückgelassen. Auffällig waren die Maschinengewehrnester alle paar Meter auf dem inneren Palisadendeck; schwere, große Maschinengewehre für den Krieg auf den Sandsäcken seitlich gelegt. Nebendran standen Panzerfäuste ans Palisadenholz gelehnt auf der Gehfläche, Panzerfäuste, die der Schütze bloß noch hochzunehmen brauchte, entsichern und feuern.

 

* Männer, Frauen waren aus der Innenwelt der Zelte ins Freie herausgekommen, Männer, Frauen, eher in Schlafanzüge gekleidet, als daß sie andere Kleidung trugen. Die Menge hielt Maulaffen feil. Keine Ahnung, wobei die neu in "Lager eins" eingetroffenen Leute sie erwischt hatten. Die Hände in die Hüften gestemmt, glotzte Henry die Meute an. In Henrys Gesicht arbeitete es merklich. Bis Henry den Männern und Frauen im Rund erst mal den Mittelfinger zeigte. Anschließend brach es aus Henry heraus, alle Idioten sollten sich schleunigst wieder in ihre Zelte verziehen, um bitteschön mit der Sorglos-Party weiterzumachen. Sie würden das schon sehen, daß er, Henry, darüber mit Jaques würde reden müssen; über diese Geschichte müßte er sich mit Jaques unterhalten. Und einige hier würden zu ihrer Verantwortung stehen müssen. Wenn man keine Disziplin hatte, nicht die Ordnung halten konnte. Der letzte, dem Ansprache von Henry reichte, verzog sich in den Zeltbau hinein, hob von drinnen die Plane herunter, schob innen den Reißverschluß herunter, daß das Zelt verschlossen war. Nun war "Lager eins" wie ausgestorben, als gäbe es in "Lager eins" nur Stille; nirgendwo ein Mensch.

 

* Minutenlang verharrte Henry mit seinen Leuten an Ort und Stelle. Henry schien irgendwie nicht zu wissen, welche Befehle er genau geben sollte. Das Helikoptergeräusch wurde dröhnend laut. René Depart, Ivan Hammer und Pierre Raul konnten nicht mehr anders, mußten hochblicken. Und weil Henry das nicht untersagte, glotzten sie weiter. Über sie flog ein großer Militärhubschrauber hinweg, Rotoren hinten und vorne. Am Bauch des Lasthubschraubers hing an einem dicken Stahlseil eine durchsichtige, gewaltige Kunststoffröhre. In dem Behältnis fand sich ein regloses Ungeheuer, groß wie der größte Wal, aber kein Wal. Gewaltiger Drachenkopf, ein Schwimmflossenpaar an der Brustpartie und dort, wo der Schwanz anfing. Ob das Monsterding lebte oder tot war, nicht wahrzunehmen für den Betrachter. Auf alle Fälle eine Kreatur wie direkt dem nächsten Saurierbuch entnommen, einfach unfaßlich.

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