deMehr's K.K.-Expo, I 32
18. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.
32. Kleine Biester
* Das Fleisch, das die "Raptoren" anbrachten, von dem René Depart sich ausreichend was griff, war gekocht; sogar Wurzelgemüse war im Blatt dabei, ein bißchen scharfe Würze. Da nirgends Feuer brannte und auch keine Kochtöpfe vor Ort waren, mußten die "Raptoren" eine heiße Quelle wissen. Das war René Departs Gedankengang. Möglicherweise legten die "Raptoren" die Fleischstücke mit dem Knochen nach oben ins siedende Wasser, wenn sie die Fleischteile nicht in Blätter einwickelten; auf alle Fälle mußte das Ganze einfach zu greifen und herauszuholen sein, ohne viele Spritzer Kochwasser abzukriegen.
* Das war ein glatter Durchschuß, den ihm der Jäger verpaßt hatte. Knapp genug beim Herzen, aber hinten wieder raus, ohne daß das Schulterblatt getroffen wurde. Jedenfalls eine Wunde, die heilbar war, wenn man sich darum kümmerte; Glück im Unglück, wie alles momentan. Schrilles Gekreisch ließ René Depart aus seinem Nachdenken hochrumpeln. Da waren sie zurück, die drei Jungtiere, die es besonders darauf anlegten, bei ihm, René Depart, Ärger aufkommen zu lassen. Als René Depart sich auf die Beine gebracht hatte, sprangen die Mini-"Raptoren" mit spöttischem Gekreisch und Gezwitscher von dannen ins nahe Gebüsch.
* Der eine Kleine hatte es auf ihn, René Depart, abgesehen; die anderen beiden, das waren nichts als jämmerliche Mitdabei, denen der Saft sofort fehlen würde, wenn ihnen einmal der Anführer abhanden kam. Hauptsächlich suchte das Trio, René Depart mit Gekreisch zu erschrecken; zum Beispiel, wenn er nach dem Genuß seiner Eßration nachmittags am Einschlafen war. Oder alle drei sprangen aus den Stauden heraus, wohin René Depart eben getreten war, taten gefährlich, als wollten sie echt angreifen. Das war ein Spaß für sie. Noch dazu, wo der langsame Zweibeiner zwar hinterhersetzte, jedoch nie einen von ihnen zu fassen kriegte, sosehr er sich auch mühte.
* Wieder kehrten die halben Biester zurück; ihr zudringliches Fiepen klang auf. Das alles kannte René Depart jetzt zur Genüge. Diesesmal beabsichtigte René Depart, der sich friedlich gegen den Baum gelehnt hatte, das Treiben im "Raptoren"-Lager zu überblicken, die lustigen drei nicht zu beachten. Plötzlich fühlte René Depart etwas Schmerz; in seiner rechten Hand war das Gefühl von kleinen Zähnen, die sich auf seine Haut draufklemmten, um loszulassen. Sofort schaute René Depart nach der Handkante: kein Blut. Das miese Mistvieh hatte nur gezwickt. Und das Stück Kleinst-"Raptor" bleckte die Zähnchen, verharrte weiter ganz nahe, als könnte ihm nie irgendwas passieren, gegen alles gefeit. Ohne weiteres trat René Depart mit seinem Stiefel nach dem Unterbauch des Jungtiers, traf ausgezeichnet. Zwei Meter flog es durch die Luft, blieb geschockt länger liegen. Dann sprang der Mini-Boß auf, wußte die Augenpaare der beiden Freunde auf sich, die alles ganz genau gesehen hatten. Beschämtes, wutentbranntes Gefauche und Gezwitscher; Schreck, Ungläubigkeit, tiefere Verletzung, davon erzählten die hellblauen Äuglein des Nachwuchsmonsters. Ja, nicht zu fassen, daß dieser dämliche, langsame Depart es erwischen hatte können. Regelrechte Feindschaft gesellte sich bei in den Ausdruck der Augen des Mini-"Raptoren", der Beweis, daß das Bürschlein alles andere als ein guter Verlierer war; was passierte, hätte nicht passieren dürfen.
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte