deMehr's K.K.-Expo, I 34
34. Stufen, hinaufzusteigen
* Es herrschte Ruhe auf der "Krankenstation"; auch der Blutgeruch, der von René Depart wegging, machte am Platz keinen an. Die Gefühlslage René Departs war ganz weit unten im Keller; mit zittriger Hand wischte er sich Tränen weg. Das, was sich abgespielt hatte, das hatte er nicht gewollt. Langsam überforderte ihn die Geschichte. Mitleid mochte er deshalb aber noch lange nicht mit dem halben, krallenbewehrten Monstrum haben, das es liebte, den Anführer zu geben. Besser, dieses Mistvieh war hinüber, als er, René Depart. Interessant war nur, daß sich der Nachwuchs im Dreck wiederfand, sterbend. Hätte das nicht umgekehrt sein sollen?
* Das Hemd und das Unterhemd hatten ihm die Mini-Biester zerrissen. Das Hemd von oben nach unten sogar dreimal in Streifen; bloß am Kragen hielt es noch zusammen. Die Kratzer und die im Grunde harmlosen Stichwunden würden relativ bald heilen. Nur, er, René Depart, war auch gebissen worden. Von Waranen wollte auch keiner gebissen werden. Warane mußten ihren Opfern nicht nachstellen, ihnen einen Todesbiß verpassen. Waranen genügte es, einmal irgendwo ihre Beißer in die Flanken reinzuschlagen. In absehbarer Zeit lag das unglückliche Tier, das es erwischt hatte, am Erdboden. Der Waran mußte lediglich der Riechspur nachgehen, die Mahlzeit war ihm serviert.
* Er, René Depart, sollte endlich davon runterkommen, das es möglicherweise doch keine gewöhnlichen Reptilien waren. Das waren Raptoren. Raptoren aus der Dino-Zeit, nichts anderes. Lebendige Raptoren, die sich auf dem Eiland in die Gegenwart herüberretten konnten, genauso wie andere Kreaturen, die er, René Depart, bereits zu Gesicht bekommen hatte. Leider sehr lebendige Monster, wenn das kein Traum war.
* Dreimal hatte René Depart sich erwischt, wie ihm der Kopf auf die Brust gesunken war. Nachdem die Spannung nachgelassen hatte, wollte die Müdigkeit ihren Tribut von ihm verlangen. Das war sicher: Sogar im Auge des Wirbelsturms konnten Menschen schlafen. Der Schlaf, der übewältigte einfach. Plötzlich wurde René Depart etwas gewahr, schreckte hoch. Die Raptoren! Wie aus dem Nichts standen sie um ihn herum; vollkommen geräuschlos waren sie bei ihm angekommen. "Chef Rotflecke" und drei des Rests. Die Art, wie die vier auf ihn, René Depart, herabglotzten, verhieß nichts Gutes.
* "Chef Rotflecke" zwitscherte auf eine ungute Weise, beugte sich herab, hatte die gelben Augen auf René Departs Augenhöhe. Angst überwältigte René Depart, machte, daß er rückwärts rutschte, nur fort von diesem Maul, obwohl es eigentlich keine Fluchtmöglichkeit für ihn gab, eine sinnlose Sache. Der mit dem roten Fleck auf der Schnauze war nicht zufrieden, schnappte nach René Departs Hemdfetzen. Strampelnd half René Depart dabei mit, auf die Beine zu kommen. Das mit der "Krankenstation" und dem Strohlager war vorüber: René Depart wurde von dem Ort seiner Heilung fortgezerrt.
* Aufgeregt deutete René Depart in die andere Richtung, dorthin, wo der Sandstrand war. Wenn ihn "Chef Rotflecke" und seine drei Begleiter nicht umbringen wollten, wäre der Strand sein Weg. Was sollte er hier an dieser Felswand, die steil nach oben ging? Wieder stieß "Chef Rotflecke" ihm den Schädel vor die Brust, daß René Depart das Gleichgewicht verlor. Hart landete er auf Gestein. Zum Glück konnte er den Faller mit seiner Rechten abfangen; links, das brachte die Pein, daß fast eine Ohnmacht fällig war.
* Nachdem René Depart sich panisch aufgerappelt hatte, entdeckte er, daß er auf einer Steinstufe dastand. Steinstufen, die hinaufführten. Böse starrten die Raptoren René Depart an. Ein Gezwitscher von "Chef Rotflecke", und die drei anderen fauchten und kreischten los. René Depart befürchtete den finalen Angriff, warf sich herum, flüchtete die schmalen Stufen hinauf. Dann merkte René Depart, daß etwas fehlte. Schwer atmend schaute er zurück, abwärts. Zu seiner Überraschung erblickte er einige Meter unter sich am Fuß der Steintreppe die vier Raptoren. "Chef Rotflecke" und die, die bei ihm waren, hatten sich dort nicht von der Stelle gerührt. Es fiel ihnen überhaupt nicht ein, René Depart hinterherzusetzen.