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Blog von TeddeMehr

deMehr's K.K.-Expo, I 35

21. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.

 

35. Die Weite

 

* Die Todesangst saß ihm im Nacken; René Depart entschied sich, erst mal nicht weiter hinaufzusteigen. Zittrig hockte er sich auf die nächste der Stufen, eine, auf die sein Hinterteil paßte. Er legte den Kopf auf die Arme, schloß die Augen. Zurück, das konnte er nicht; drunten, dort erwarteten ihn gewiß Wächter. Wenn "Chef Rotschnauze" ihm, René Depart, eine Chance gab, dann die nach oben und voran. Sollten die Raptoren ihn erwarten, sobald er droben angekommen war, mußte das eben so sein. Wie schön hätte die Welt für ihn sein können, hätte es dieses halbe, wichtigtuerische Biest nicht gegeben, das sterben mußte. Lange wäre er, René Depart, woanders.

 

* Er konnte nicht ewig an Ort und Stelle bleiben. Stöhnend erhob sich René Depart, hätte beinahe das Gleichgewicht verloren. Kein angenehmer Sturz. Vielleicht hätte der erste Treppenknick den Faller gestoppt. Die Stufen waren für kleine Füße gemacht, wenigstens die meisten. Kleingewachsenes Volk, das diese Stiege in den Fels schlug, in früherer Zeit hier heraufstieg.

 

* Kein Raptor, nirgendwo. Zur Linken schaute René Depart Baumbestand. Die Mitte war wie ein kleiner Stadtplatz. Alles begrenzte eine Steinmauer, die rechter Hand an einem gewaltigen Steinquader endete, der sich wiederum an die Fortsetzung des Felsens anschloß. Reichlich Stufen führten zu dem Granitblock hinauf. Das Mauerwerk schien von den gleichen Leuten geschaffen, die auch das große Tor gefügt hatten, durch das er, René Depart, Ivan Hammer, Pierre Raul, Gina Davies und Irene vor ewigen Zeiten geschritten waren. Die Arbeit eines Riesen für Volk mit Kinderfüßen.

 

* Siebenundvierzig Stufen zählte René Depart, der zu der Tischfläche des Steinblocks hinaufsteigen mußte. Hier wurden in altvorderer Zeit Opfer dargebracht, Blutopfer; vielleicht mehrere auf einmal. Klar, daß das nur Blutrinnen da im Stein sein konnten, nichts anderes. Rinnen zum Ablaufen von Blut. Von unbekannten Hohepriestern wurde Gottheiten geopfert.

 

* René Depart stieg auf den Opfertisch, begab sich an seinen Rand. Verlor er das Gleichgewicht, fiel er tief, tief. Steil führte der Fels auch hier in die Tiefe. Aber das, was sich dem Blick René Departs eröffnete, das war der Hammer. Jenseits schaute René Depart bis zum dunstigen Horizont nichts als Dschungelgrün mit weißen Nebelklecksen; das milchige Weiße, das war Ausdünstung des Dschungels. Welch eine Weite! Das Wort "Normalität", an diesem Ort vollends zu vergessen.

 

* Das schrie geradezu danach, in jedem Nachrichtenmagazin an erster Stelle gesendet zu werden, überall der Aufmacher. Hatte es nicht geheißen, sie hätten die Welt bis in die Untiefen der Meere hinein und die höchsten Gipfel hinauf mit ihren exakten Geräten vermessen? Nichts wäre ihnen dabei entgangen, nicht die allerkleinste Unebenheit. Eine vollständige Karte von der Erde hätten sie hergestellt. Wie konnte das dann sein, daß noch kein Mensch von dem, auf das er, René Depart, herabblickte, irgendwas vernommen hatte? Warum wußte niemand von diesen Raptoren, den restlichen Monstern? Normal war, das hinauszuplärren, daß derartiges Getier auf so einem Eiland seinen Platz hatte. Was für Möglichkeiten, die sich daraus ergaben. Es sei denn, es sei denn, es wurde einiges dafür getan, daß das unterblieb, daß die Menschenwelt irgendeine Neuigkeit von der Örtlichkeit vorgeführt kriegte. Schließlich befand sich amerikanisches Militär auf dem von Meerwasser umgebenen Gebiet.

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