deMehr's K.K.-Expo, I 36
22. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.
36. Brüller
* Als wäre das dem Dschungel verboten, dort rüberzuwachsen, verlief entlang der Steinmauer ein Pfad, einmal schmäler, einmal breiter. Obwohl die Wahrscheinlichkeit größer war, daß die Raptoren ihm hier einfach entgegenliefen, hatte René Depart keine Lust, sich ohne das kleinste Messer durch Dschungeldickicht zu kämpfen. Die Erinnerung an den Sumpf, noch frisch genug. Nur wenn die Umstände ihn zwangen, würde er den Weg zwischen die Bepflanzung nehmen.
* Die Hände in den Hosentaschen schlenderte René Depart dahin. Ab und an blieb er stehen, bewunderte die Mauer, betrachtete schön erblühtes Gesträuch. Jedenfalls half die Raptorenpaste gut gegen anfliegendes Kleingetier; vor dem hatte man Ruhe. Grob schätzte René Depart, daß er bald sechs, sieben Kilometer zurückgelegt haben mußte. Da es stetig abwärts ging, mußte er bald auf Höhe Wasserspiegel ankommen. Vielleicht kam er alsbald am Strand heraus. Der weiße Sandstrand, das wäre eine Entwicklung gewesen. Einem von der "Peter" in die Arme zu laufen, die Freude schlechthin. Wenig später auf die "Peter" rübermachen, sich erst mal ausschlafen, zwölf Stunden am Stück. Sie müßten die "Peter" in den Nebel geschafft haben.
* Die Mauer endete. Mit dem Rücken lehnte sich René Depart gegen einen Granitklotz. Vor sich überblickte er eine saftig grüne Wiese; jenseits davon waren die Bäume, Gestrüpp. Fragen über Fragen, hauptsächlich aber die: Wo waren die Feinde? Was war der Ort, an dem sie lauerten? Davon war auszugehen, daß sie irgendwo warteten. Irgendein guter Platz, den sie sich ausgeguckt hatten.
* Ein Gebrüll ließ René Depart zusammenzucken. Welch ein Brüller! Zweimal wiederholte sich das Brüllen; wirklich laut, unmittelbar. Das schien ein äußerst großes Tier zu sein. Versonnen blickte René Depart die Felswand hinauf, die sich an die Steinmauer anschloß. Wenn er den Felsen hochkletterte, würde er sehen, welche Kreatur das war, die dermaßen einen Lärm verursachen konnte. Überschaute er das Felsstück richtig, war dort trotz Verletzung seinerseits locker aufzusteigen. Oft genug hatte er, René Depart, in Paris im Verein an Kletterwänden trainiert; meist freitags, gegen sieben Uhr am frühen Abend. Eine Stunde Kletterei war das mindeste. Und das an der künstlichen Kletterwand, das war schlimmer, als das hier aussah. Wenn er dort raufkletterte, hatten die Raptoren für eine Weile keine Chance, ihn vor die Sichelkralle zu kriegen. Dieser Gedanke entschied es, René Depart machte sich daran, in aller Ruhe das relativ angenehm geneigte Felsterrain hochzusteigen.
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