deMehr's K.K.-Expo, I 37
23. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.
37. Gigant
* Hätte er mit seiner Linken besser zupacken können, wäre der Aufstieg für René Depart echt locker gewesen. So mußte er aufpassen; das zog das mit der Raufsteigerei zeitlich ziemlich in die Länge. Eine Weile schon hatte René Depart nichts mehr gehört. Fast schien es, daß er das mysteriöse Wesen, das ohrenbetäubend gebrüllt hatte, nicht mehr vorfinden würde. Schließlich war René Depart endlich droben. Was er da blickte, das war der Wahnsinn. Mit dem Anblick hatte René Depart nicht gerechnet. Das, was er schaute, das war etwas wie die Abart eines Gorillas. Nur gigantisch. Dieser Affe war ein Gigant. Zyklopisch in den Ausmaßen.
* Reglos verharrte das Affenmonstrum, starrte Richtung weitläufiger Geröllhalde. Unvermittelt riß der alle Dimensionen der Vorstellungskraft sprengende Gorilla das Maul auf, kreischte, daß René Depart davon die Ohren schlackerten, trommelte sich mit beiden Fäusten gegen die Brust, reckte darauf die geballte Faust drohend gen Himmel. Nochmals ein kreischender Brüller, und die Riesenkreatur hockte sich wieder nieder, regte sich eine Zeit nicht mehr.
* René Depart konnte die Augen nicht von dem haarigen Affengiganten nehmen. Direkt aus einer anderen Weltensphäre schien das Monster zu kommen, aus irgendeinem Grunde an diesem Ort erstanden. Plötzlich kehrte das Leben in die Monströsität eines Menschenaffen zurück, es sprang auf die Beine, unternahm zwei Trippelschritte zur Seite, winkte. Ein kleineres Wesen derselben Art erschien zaghaft auf der Bühne. Etwa halb das Format des Giganten. Das war eine Mutter und ihr Junges, schoß es René Depart durch den Kopf. Das Muttertier nickte freundlich, zeigte, beugte sich dann herab, rannte auf allen vieren dem Nachwuchs voraus. Beide entschwanden dem Blick in der dunklen Öffnung einer gewaltigen Höhle.
* Beinahe wollte bei René Depart der Zweifel aufkommen, der Zweifel, ob er das wirklich gesehen hatte, was er zu sehen gekriegt hatte. Andererseits, geschaut oder nicht geschaut, war das nicht gleichgültig? Vollkommen egal, oder? Klein, groß, ungeheuerlich riesig, betraf ihn, René Depart, das denn? Im Grunde nicht. Für ihn war doch das Interessante, daß hier möglicherweise Ebbe war. Das Meer war nahe. Stieg er, René Depart, die schräge Felswand wieder hinunter, würde er einfach geradeaus weitergehen. Der Sandstrand, der konnte nur einige Steinwürfe entfernt sein. Wenn er das schaffte, heil auf die "Peter" zu kommen. Dort war Essen, Trinken, sich besaufen. Das wäre es, für ihn, René Depart, die Lösung all seiner Sorgen und Nöte. Nichts hören, sehen, und anschließend weg von hier, von diesem Eiland.
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