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Blog von TeddeMehr

deMehr's K.K.-Expo, I 38

24. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.

 

38. Irenes Kühle

 

* René Depart lag auf dem Rücken, schaute in den blauen Himmel hoch. Die Schußverletzung tat verdammt weh; vielleicht war das doch zuviel, an diesen Ort aufzusteigen. Jetzt mußte er dieselbe Passage zurück, hinunter. Eben beabsichtigte René Depart, sich auf die Beine zu schaffen, als drunten Schüsse klangen. Nachdem René Depart über den Felsrand hinabschaute, sah er unten auf der Geröllhalde zwei Männer laufen. Die beiden wandten sich gleichzeitig um, gaben mit ihren Gewehren Schüsse ab. Den einen Kerl, den erkannte René Depart auf der Stelle: Henry. Henry, Jaques' Oberlakai. Im Lauf wurde Henry in den Rücken getroffen, Henry schrie auf, schleuderte seine Schußwaffe davon, ging zwischen Gestein zu Boden, verschwand damit außer Sicht.

 

* Der zweite Bursche in roter Pluderhose rannte weiter, warf sich dann hinter eine annähernd halbmannsgroße Steinkugel in Deckung. Ohne Unterlaß wurde nun geballert. Droben auf dem Fels liegend, wunderte sich René Depart, daß der gigantische Gorilla nicht aus seiner Höhle herauskam; das Geschieße mußte das Monstervieh doch sicher hören. Als der Unbekannte aus Jaques' "Piraten"-Bande wieder einmal hochkam, um mit ein paar Schuß zu antworten, kriegte er es in den Oberkörper. Ungeschützt kam er am Rundstein zu liegen. Für René Depart war deutlich zu erkennen, wie es den Mann bei jeder Kugel anhob, die er abbekam, während er die Steinrundung runterrutschte.

 

* Die Ballerei war vorüber. René Depart fragte sich langsam, ob es das damit war, weil länger keiner auftauchte; nicht schlecht, wenn er die, die geschossen hatten, gar nicht zu Gesicht bekäme. Als René Depart sich eben von der Felskante in luftiger Höhe zurückschieben wollte, hüpfte drunten eine ganz in Schwarz gekleidete Gestalt mit schwarzem Stetson auf dem Kopf ins Blickfeld. Das war Jaques. Jaques höchstselbst. Von nichts irgendwie bekümmert, sprang Jaques, links und rechts zwei Revolver am Gürtel um die Hüften, das Gewehr in beiden Händen wie eine Balancestange nutzend, von Stein zu Stein. Der schöne Jaques. Und natürlich: Jaques der Boß. Henry und sein Kumpel mußten irgendwas für Jaques besonders Schlimmes angestellt haben, wenn Jaques höchstpersönlich ihnen hinterhermachte.

 

* Dann erschien eine Dame, schlenderte unterhalb in Sicht. Wasserstoffblonde Lockenfrisur, wie es schon mal bei Schauspielerinnen, Sängerinnen in Hollywood Mode werden konnte. Ein weißes, knielanges Miederkleid trug die Schönheit. Erst jetzt erkannte René Depart die Frau: Irene. Seine eigene Tochter Irene. Das dort auf der Geröllhalde war Irene. Den zweien, Jaques und Irene, folgte jetzt noch ein Trupp verschiedener Männlein und Weiblein, die ihre Schießgewehre weiterhin nervös in Anschlag hielten. Welche aus der "Piraten"-Sippschaft, sämtlichst in roten Pluderhosen, blauen Hemden, mit dem roten Kopftuch.

 

* Nahe bei dem Ort, wo Henry niedergegangen war, verhielt Jaques. Irene hatte sich an die Seite Jaques' gestellt, die Hände in die Hüften gestemmt. Der Pulk der Begleiter schwärmte im nahen Umkreis der zwei aus, Leute, die mal nicht da waren, trotzdem zur Lebendigkeit erwachen konnten. Irgendwas besprachen Irene und Jaques. Schließlich zeigte Jaques mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger in die Richtung von Henrys Liegeplatz. Irene zuckte die Schulter. Daraufhin zog Jaques einen seiner Revolver aus dem Holster, wog das Ding in der Hand. Lachend sagte Jaques Irene ein paar Worte, Irene, die in ihrem weißen Miederkleid eher aus- als angezogen aussah. Fahrig zupfte Irene an ihrer weißblonden Lockenpracht herum. Nun hielt Jaques Irene den Sechsschüsser mit Nachdruck hin. Nach kurzem Zögern faßte Irene das Teil.

 

* Auf den Revolver in ihrer Hand hinabschauend, stand Irene da. Sichtlich wurde Jaques ungeduldig, deutete vor sich, sprach einige Worte, winkte ab. Daraufhin packte Irene Jaques' Colt fester. Unvermittelt ragten vom Boden her zwei Arme in die Höhe, Arme, die abwehrend wedelten, Henrys Arme, Henry, der irgendwas schrie, Henry, der die Panik hatte. Gleichgültig trat Jaques aus der unmittelbaren Umgebung Irenes fort. Jetzt richtete Irene die Schußwaffe auf ihr Ziel, Henry. Zweimal vernahm René Depart auf dem Felsen oben das Schießen. Ungerührt reichte Irene Jaques die Waffe zurück, Jaques, der sich den Revolver ins Holster zurückschob. Tief verbeugte sich Jaques vor Irene. Als er sich wieder aufgerichtet hatte, umarmte Jaques Irene dann.

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