deMehr's K.K.-Expo, I 45
1. Mai 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.
45. In letzter Sekunde
* Trotz den Schwindelanfällen schaffte es René Depart, die zum Glück nicht schwierige Felspartie runterzukommen; vor seinen Augen hatte es öfters geflirrt; des Rätsels Lösung: ein Sonnenstich. Viel zu lange war er droben in der prallen Sonne gelegen; das hatte er jetzt davon, viele Dinge gesehen zu haben. Irgendwo mußte er etwas zu trinken herbekommen, sonst starb er noch vor Durst. Das Gezwitschere, das René Depart an die Ohren drang, hörte sich lustig an, sehr melodiös. Einen Moment überwältigte René Depart die Schwärze. Als René Depart die Augen wieder aufschlug, entdeckte er sich, wie er eben langsam auf den Erdboden herabrutschen wollte.
* Dieses Geklicke. Das Klicken war ihm nicht unbekannt. Plötzlich raste René Depart das Herz; entsetzt blickte er dorthin, woher die Klickgeräusche kamen. Drei standen dort Seite an Seite. Drei von den "Grünlingen". Lange genug, daß er, René Depart, sie sich hatte ansehen müssen; eigentlich hätte das fürs ganze Leben gereicht. Das Raptoren-Trio bezwitscherte sich: allerbeste Stimmung. Mit nichts hatten es die drei irgendwie eilig. Auch als René Depart sich bedächtig entfernte, störte das nicht die gute Unterhaltung. Schon klar, die Fluchtmöglichkeiten waren bescheiden.
* Linker Hand war die Wahl der Pfad entlang der Steinmauer; wo dieser Weg anfing, war auch Dschungeldickicht. Das war es, überwältigte es René Depart mit aller Macht; hier erfüllte sich sein Schicksal. Kein Ausweg; nirgendwo Entkommen möglich. Nichts erzählte eine andere Geschichte. Ein zu unmittelbarer Zwitscherton, René Depart zuckte zusammen. Das Trio war ihm auf leisen, geschmeidigen Laufbeinen sehr, sehr nahe gekommen. Als der in der Mitte etwas zuckte, als wollte er losspringen, da war es bei René Depart mit der Beherrschung vorbei: Er rannte. Er rannte um sein Leben; sinnlos zwar das Ganze, aber er konnte nicht anders.
* Der erste Raptor war heran, riß das Maul auf, kreischte und hüpfte - vorbei. Ein Entsetzensschrei entwich René Depart; der nächste Angriff, der ihn zwang, selber zur Seite zu springen. Das Raptoren-Trio spielte mit ihm Katz und Maus. Mitten auf die Wiese mußte er laufen; immer gaben die drei ihm diesen Moment, der das Entkommen erlaubte. Aufs neue Zwitschern in seinem Rücken. Diesesmal drang die Kralle ihm in die linke Hüfte, kein tiefer Stich, nichts Lebensbedrohliches. Bloß: Es floß richtig Blut, Blut, das den drei grünen Raptoren in die Nüstern stieg.
* René Depart ließ sich einfach nach vorne auf das tiefgrüne Gras fallen. Jede Sekunde erwartete er hinterrücks das Tödliche, die mörderische Sichelkralle. Allerdings passierte das nicht, weil geschossen wurde. Schießerei. Deutlich: ein Gurgeln. Raptorenkreischen, das mittendrin abbrach. Über René Depart sprang ein Raptor hinweg, lief in Höchstgeschwindigkeit, während er in einer Tour panische Zwitschertöre hören ließ, zwischen zwei Bäumen ins Dickicht, war wie der Blitz verschwunden.
* Seufzend drehte René sich aus der Seitenlage auf den Rücken, glotzte in den blauen Himmel hinauf. Über ihm tauchte ein menschliches Antlitz auf. Schwarze Haut, schwarze Augen; verschwitztes Gesicht. Ein schwarzhäutiger Mann in einer Uniform, ein schweres Gewehr in den Händen. Der Kerl grinste. Er, René Depart, kannte ihn nicht; der war ihm total unbekannt. Blieb nur eine Lösung: ein Satellit Jaques'. Dann war für René Depart nichts mehr, nur Bewußtlosigkeit.
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