deMehr's K.K.-Expo, II 3
3. Wiedersehen mit Jack Spearbow
* Zum Spaß in die Vereinigten Staaten von Amerika zu fliegen, das wäre René Depart nicht eingefallen; das unternahm man wirklich nur, wenn man mußte. Die Fragekataloge, denen René Depart ausgesetzt war, erschienen ihm wie ein menschlicher Offenbarungseid. Die Vereinigten Staaten fraßen Daten von überallher wie der alte Moloch. Die Sicherheitsmaßnahmen, denen René Depart begegnete: schwerlich zu überbieten. Ohne alles war René Depart auf dem Flughafen angekommen; nur seine Scheckkarten hatte er dabei. Die Scheckkarten waren gut für ein Zwei-Millionen-Dollar-Geschäft; gedeckte Schecks, auszuschreiben bis zum Abwinken. Als erstes hatte René Depart sich in New York eine Zahnbürste gekauft, dann die restliche Ausrüstung. Und wenn er gewollt hätte, hätte er schon am nächsten Straßeneck eine Fünfundvierziger bekommen, eine Pumpgun und die Chemie für Sprengstoff. Kein Problem. Weil er, René Depart, gewußt hätte, wie man das Zeug mischte und zur Explosion brachte, hätte er das im Sinn gehabt. Von Polizisten, FBI, CIA war hierbei nirgendwo die Rede, die untersuchten den Fall erst danach.
* Das war das Greenwich Village in New York. Mit Sonnenbrille vor den Augen stieg René Depart aus dem gelben Taxi. Der Taxifahrer hatte ihn genau gegenüber dem "Greece No. III" abgesetzt. Im "Greece No. III" wollten Jack Spearbow und er sich gegen halb acht Uhr treffen. Jetzt war es erst sieben, aber René Depart begab sich auf der Stelle in das Restaurant für griechische Spezialitäten.
* René Depart winkte einem Kellner, sagte ihm, daß er René Depart wäre und daß für ihn und Mr. Jack Spearbow ein Tisch reserviert wär. Der Restaurantangestellte wußte Bescheid, ohne bei wem nachfragen zu müssen. Der blonde Bursche führte René Depart an einen Rundtisch hinter grünen Trennwänden. Weil Jack Spearbow noch nicht anwesend war, bestellte René Depart erst mal eine Flasche Sprudelwasser, griechisch. Aber Jack Spearbow ließ nicht lange auf sich warten, erschien ebenfalls zu früh, grinste über das ganze schwarze Gesicht.
* Der Kellner war gekommen, fragte, ob das Essen geschmeckt hätte. Jack Spearbow und René Depart bejahten das. Dann räumte der Angestellte des "Greece No. III" die Teller ab, verzog sich wieder. Umständlich zündete Jack Spearbow sich eine von René Departs Zigarren an. Zum wiederholten Male wichen René Departs Augen dem Blick Jack Spearbows aus. Man wäre sich mit den Jahren nicht sympathischer geworden, konstatierte Jack Spearbow. Daraufhin nickte René Depart. Jack Spearbow meinte, daß er immer ein beliebter Mann gewesen wär, keine "Etappenratte". René Depart zuckte die Schulter, erklärte, daß die Abneigung mit der Vergangenheit zu tun hätte. Nun präsentierte Jack Spearbow ein lässiges Schulterzucken.
* Willens, festen Boden unter die Füße zu bekommen, erzählte René Depart davon, wie sich alle auf der "Peter" damals in die Hosen gemacht hätten, als eine kleine Kriegsschifflottilie am Horizont aufgetaucht war. Allesamt waren sie der Meinung, das wäre das Ende, daß sie an Bord der "Peter" immer noch zu nahe der verfluchten Insel sich befänden. Tatsächlich näherte sich das kleinste Schiff, zeigte in einer halben Seemeile Entfernung die Breitseite. Jeden Augenblick eröffnete der Amerikaner das Feuer, dachten sie auf der "Peter", die "Peter", die antriebslos im Meer schwamm. Dann hatten sie einen SOS-Ruf abgesetzt, den die Amerikaner empfangen haben mußten. Wenig später nahm der Kreuzer die Fahrt wieder auf, kehrte in das Bugwasser der drei größeren Kriegsschiffe zurück, während sie von der "Peter" immer noch SOS-Rufe hinterherschickten. Da hätte man aber verdammtes Glück gehabt, versetzte Jack Spearbow; da konnte keiner mehr behaupten, er hätte im Leben kein Glück gehabt. Helmut und Markus Unger hätten dieses Glück nicht gehabt. Helmut und Markus Unger hätten die Suchtrupps auf der Insel aufgegriffen. Kurz wurden Helmut und Markus Unger vorgeführt und befragt und anschließend unverzüglich vor ein Exekutionskommando gebracht und erschossen. Drei Typen aus Jaques' Mannschaft waren ebenfalls übrig; denen erging es nicht anders. Plötzlich befiel René Depart eine Unruhe, er guckte herum, schaute jedoch nichts als die grünen Trennwände.