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Blog von TeddeMehr

deMehr's K.K.-Expo, II 4

7. Mai 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.

 

4. Spuren im Sand der Zeit

 

* Auch zwei Tage drauf erschien Jack Spearbow pünktlich zur Verabredung. Mit ein paar Getränken aus dem nächsten Supermarkt in der Papiertüte begab René Depart sich zusammen mit Jack Spearbow in ein billiges Hotel namens "Serenade". An der Rezeption bezahlte René Depart das Zimmer für die Nacht. Schließlich saßen René Depart und Jack Spearbow sich in "No. 30" gegenüber. Jack Spearbow riß zwei Dosen Bier auf, schob René Depart eine Dose rüber. Über die Abenteuer auf der Insel, die Insel, die kein Mensch kannte, hätte er all die Jahre über geschwiegen, eröffnete René Depart die Gesprächsrunde. Seine Freunde, die damals mit ihm auf der "Peter" waren, hätte er allesamt aus den Augen verloren; von seiner Frau Ruth hätte er sich vor kurzem erst scheiden lassen. Außerdem hätten alle sie, die sie auf der "Peter" waren, bloß für verrückt erklärt, hätten sie der Öffentlichkeit ihre Geschichte ausbreiten wollen. Was von Dinosauriern und Riesenaffen auf einer mysteriösen Insel mitten im Ozean zu berichten, von der nie jemand irgendwas gehört hatte, wo jedes Kind wußte, daß es Dinosaurier seit Jahrmillionen nicht mehr gab, von den Vögeln abgesehen. Ohne lange erst lange zu fragen, griff sich Jack Spearbow eine von René Departs Zigarren und nickte.

 

* Was für Geld man machen könnte, wenn man den Längen- und den Breitengrad wüßte, wo die Insel lag, sprach Jack Spearbow aus, was in seinem Kopf vorging. Den Sicherheitsgürtel rund um die Insel zu überwinden und mit einer Horde Journalisten an Land zu gehen, die sofort mit der Live-Berichterstattung anfing. Jaques und Jaques' Hintermänner hätten die Karte, sagte René Depart dazu. Obwohl die die Karte hätten, erfuhr die Menschenwelt nichts von der Insel, wunderte sich Jack Spearbow. Immer hätte er gehofft, mal was von Jaques zu hören, irgendwie, irgendwo, meinte René Depart; aber: nichts. Irene meldete sich ebenfalls nicht daheim; nicht mit einer Silbe oder einem Zeichen unterrichtete Irene ihre Familie darüber, daß sie noch am Leben war. Aus diesem Grund wäre er, René Depart, jetzt auch in die Staaten gereist: Er wollte wissen, was aus seiner Tochter Irene geworden war. Das zu erfahren, das war sein Ziel.

 

* Jack Spearbow erkundigte sich, ob da wirklich nichts gewesen wäre, all die Jahre. Ein bißchen was schon, antwortete René Depart. Einige Mitarbeiter seiner Hauptkanzlei in Paris, die er auf die Sache angesetzt hatte, hätten herausgefunden, daß eine Firma mit den zwei diagonal sich gegenüberliegenden Kreuzen tatsächlich existierte. Jedoch nur auf den Bahamas. Nachdem er, René Depart, auf die Bahamas gereist war, entdeckte er, daß die angegebene Adresse zwar die richtige, "Tech.-Adv.Internatinal" jedoch nichts als eine Briefkastenfirma war. Trotzdem war das mit "Tech.-Adv.International" fett. Im Handelsregister auf den Bahamas war "Tech.-Adv.International, Firma zur Erforschung der Weltmeere und des Genoms der Meeresbewohner" mit einem freien Grundkapital von zwei Milliarden Dollar eingetragen. Schrill pfiff Jack Spearbow durch die Zähne.

 

* Interessant wäre noch eine andere Geschichte, setzte René Depart fort. Vor zwei Jahren hätten seine Mitarbeiter, als sie an einem anderen Fall arbeiteten, im Netzwerk von "Pharmakika", "Pharmakika", ein weltweit operierendes Pharma-Unternehmen, den Namen "Tech.-Adv.International" gefunden, total versteckt. Der genaue Link lautete: "dele-gate.org/tech.-adv.international.org/inhabitent.org.com/". Das hätten sie dann eingegeben. Darauf erschien eine Seite. Der Text drehte sich darum, daß "Tech.-Adv.International" eine private Firma wäre, die sich verpflichtet hätte, mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit ausschließlich dem Wohle der Menschheit zu dienen. Jack Spearbow lachte.

 

* Ein Dreifachklick auf das Firmenlogo: das Bild einer braunen Holztüre erschien; das Türschloß: übergroß abgebildet. Nach einfachem Klick auf das Schloß: zwei Zeilen. Die Worte sagten, daß der Besucher keinen Schlüssel hätte. Wenn der Besucher durch die Türe hineingehen wolle, müßte er dreißigtausend Dollar bezahlen; Zahlungsart, Bank und Kontonummer in Klammern. In Ordnung, beschied er, René Depart, seinen Leuten, einmal zahlte die Kanzlei das. Die Überweisung an die Bank auf den Bahamas wurde ausgeschrieben. Ein paar Tage drauf erhielt die Kanzlei Post, normale Post, die ein Postbote brachte, ein Einschreiben von dem Bankhaus. Drinnen ein Dokument, mit dem die Bank den Erhalt des Geldes bestätigte, unten im Text: einige Erklärungen zu dem Nummern-Code, den sie im Internet eingeben müßten. Als sie die Nummer und alles nach Gebrauchsanweisung eingaben, den "Schlüssel 929" ins Schloß steckten, paßte der nicht. Bei jedem neuen Versuch paßte der Schlüssel nicht. Das hieß, jeder durfte die dreißigtausend Dollar zahlen. Aber nicht jeder durfte durch die "Türe" hineingehen. Allem Anschein nach hatten die Leute die Informationen, die man mitgeteilt hatte, gegengeprüft, und die Daten wurden nicht für opportun befunden.

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