Gefunden
26. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #T-Rixi
Das Begleitschreiben:
Sehr geehrter Herr Weil-Esch!
Vielen Dank, daß Sie sich entschieden haben, doch wieder auf mich zurückzukommen. Und - das ist das Wesentliche -, daß Sie ein wenig ein größeres Verständnis für mich und meine Lage aufbringen.
Danke für das in mich gesetzte Vertrauen. Herzlichen Dank.
Darum werde ich mich bemühen, den Ansprüchen weiterhin gerecht zu werden. Ihnen über das hier von mir Beigebrachte hinaus das zu liefern, wonach Sie für Ihre Nachforschungen Ausschau halten.
Das verstehen Sie ja nun besser, daß ich einiges an Kontaktpflege betreiben muß. Daß mich das nicht nur Zeit kostet.
Die Dinge, die Sie von mir geliefert bekommen wollen, Herr Weil-Esch, wenn ich davon Kunde bekomme, stehen nicht ausschließlich in lokalen Zeitungen. Nein. Das ist zu einfach. Erfahre ich von irgend etwas, das für Sie von Interesse ist, muß ich meistens sofort dorthin auf Reise gehen. Länger vor Ort dableiben. Wofür Beträge von meinem Konto weggehen. Während das Leben daheim - Familie, Haus und Hof -, für mich mit jedem Tag teurer und teurer wird. Was heute zum Beispiel für Windeln an Geldbeträgen hingelegt werden muß, nicht zu fassen.
Dann muß man nur das erst einmal sehen: Vom Verwalter einer polizeilichen Asservatenkammer Kleinigkeiten gezeigt zu bekommen - das hat seinen Preis. Einen schönen.
Solch Summen, die erhöhen sich zusätzlich, sobald Sie, Herr Weil-Esch, sich entschlossen haben, daß Sie etwas haben wollen. Daraus etwas haben. Vielleicht sogar im Original.
Auch bei Zeitungsredakteuren und -reportern und dergleichen stoße ich oft genug lediglich dann auf größere Mitteilungsfreude, Lust zur Präsentation, habe ich bewiesen, daß ich Erzählungen von Sorgen, Kümmernissen nicht bloß so mit traurigem, verständnisvollem Gesicht zuhorchen kann.
Aber, das überblicken Sie, Herr Weil-Esch, in der Gegenwart besser. Weil, Herr Weil-Esch: Sonst hätten Sie mir nicht den ersten Teil des Festgelegten zukommen lassen. Im Ganzen. Ohne Ratenzahlung.
Genau, wie ich mir das von Ihnen, Herr Weil-Esch, erbeten habe.
Deshalb sende ich Ihnen nun die von mir gebrannte CD mit den vollständigen Tagebucheinträgen. Dazu: ein Totenbild. Die Fotografie eines Grabes. Die Kopie der Datei der vollständigen Personenakte aus dem Polizeicomputer.
Darauf hoffe ich, daß Sie, Herr Weil-Esch, sich nach dem Lesen der Tagebuchzeilen dazu entschließen, das gesamte Paket mit der originalen Festplatte, Zeitungsausschnitten, Wohnadressen und diversen anderen Kleinigkeiten, die momentan in meinem Besitz sind, gegen einen weiteren, kleinen Aufpreis von mir zu übernehmen.
Überdies möchte ich Ihnen, Herr Weil-Esch, Mitteilung machen, daß ich an der nächsten Sache dran bin. Ist für Sie von Interesse, denke ich. Zu einhundert Prozent.
Hier davon allerdings noch nichts.
Zunächst muß sich diese Geschichte hier zu Ihrer, Herr Weil-Esch, und meiner Zufriedenheit abgewickelt haben.
Damit will ich für den Moment Schluß machen.
Hoffe, Herr Weil-Esch, daß ich es wert bin, demnächst den vollständigen Geldbetrag auf meinem Konto zu sehen. Nebenbei davon - von diesen eher materiellen Notwendigkeiten abgesehen -, ein paar lobende Worte von Ihnen, Herr Weil-Esch, in einem Schreiben in einem Brief zu erhalten, den ich in meinem Briefkasten vorfinde.
Das würde mir viel bedeuten, Herr Weil-Esch.
Hiermit verbliebe ich
mit freundlichen Grüßen und wieder gerne zu Ihren Diensten
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